Superstar stellt „Top Gun“-Film vor

Tom Cruise in Cannes: Einer, der immer der Beste sein will

Ehrengast: Tom Cruise bei der Premiere seines Films „Top Gun: Maverick“.

Am Nachmittag hatte das Gerücht die Runde gemacht, Tom Cruise werde per Hubschrauber einschweben und direkt vor dem Festivalpalais landen. Schließlich war er jüngst auch bei der US-Premiere seines Films „Top Gun: Maverick“ auf dem Flugzeugträger USS Midway im Cockpit eines Helikopters angereist.

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Doch in Cannes auf der Croisette hätte auch der für seinen Wagemut berüchtigte Hollywoodstar am Mittwochabend keinen Platz gefunden: Der Strandboulevard verschwand förmlich unter Menschenmassen. Auf wackeligen Trittleitern thronten die Hardcore-Fans. Hier und da ragten Schilder von Menschen hervor, die auf den letzten Metern noch ein Ticket für die Galavorstellung zu ergattern hofften.

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Gerade einmal drei Stunden zuvor war Cruise auf einer Kinobühne zum „Rendez-Vouz“ erschienen und hatte mit demonstrativer Bescheidenheit stehende Ovationen entgegengenommen: Fragestunde mit einem Superstar, der seit bald vier Jahrzehnten in Hollywoods erster Liga mitspielt. Mit dem siebten „Mission: Impossible“-Abenteuer hat Cruise 2023 gleich noch einen Blockbuster am Start.

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„Ich werde meine Filme niemals auf einer Streamingplattform veröffentlichen“

Zu Beginn packte Cruise die richtige Botschaft für die Festivalgemeinde aus: „Es ist so ein schöner Moment, endlich wieder im Kino in Eure Gesichter zu schauen.“ In der gesamten Pandemiezeit habe er nie darüber nachgedacht, „Top Gun“ anders als auf der großen Leinwand herauszubringen. „Ich werde meine Filme niemals auf einer Streamingplattform veröffentlichen.“ Manche Hollywoodstudios haben genau das mit ihren Werken getan.

Wer so loslegt, kann nicht mehr viel falsch machen, selbst wenn sich seine Antworten die nächste halbe Stunde lang im Kreis drehen: Er habe das Kinogeschäft schon immer von allen Seiten verstehen wollen. „Das Filmset ist meine Filmschule gewesen.“ Bis heute strebe er da danach dazuzulernen. Dabei zeigte Cruise wieder dieses strahlende Jungenlachen, das auf Dauer anstrengend sein muss.

Noch etwas will Cruise nach eigenem Bekunden: seinem Publikum immer mehr bieten als beim vorigen Film. Deshalb habe es geschlagene 36 Jahre gedauert, bis er nun wieder im Kampfjet der US-Navy als Captain Maverick Platz nahm. Das Studio habe sofort eine Fortsetzung gewollt. „Ich will aber niemanden enttäuschen, und das kostet Zeit“, so Cruise. Das Ergebnis solle keinesfalls Spuren der harten Arbeit zeigen, die in ihm stecke.

Cruise hat Angst bei todesmutigen Stunts

Regisseur Francis Ford Coppola („Der Pate“) hat die psychologische Beschaffenheit des Tom Cruise schon 1983 beschrieben, als er mit dem blutjungen Schauspieler „Die Outsider“ drehte: „Man sah damals schon, dass er fanatisch fokussiert war, dass er selbst für diese Nebenrolle alles getan hätte. Er war außergewöhnlich, und natürlich sah er sehr gut aus“, hat Coppola im „Süddeutsche“-Interview erzählt.

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Schon damals habe Cruise unbedingt der Beste sein wollen. Er habe sich selbst einen Schneidezahn ausgeschlagen, um bei einer Prügelei authentisch zu wirken. „Als totaler Nebendarsteller, für ein paar Sekunden Film“, wundert sich Coppola noch heute.

Tom Cruise zeigte in Cannes wieder sein strahlendes Jungenlachen.

Tom Cruise zeigte in Cannes wieder sein strahlendes Jungenlachen.

Ob er keine Angst bei seinen todesmutigen Stunts habe? „Oh ja“, antwortete Cruise im Kino in Cannes. Aber es sei immer besser, etwas nach reiflicher Vorbereitung zu tun, als es zu lassen. Deshalb klettert er für seine „Mission: Impossible“-Reihe an der Außenwand des welthöchsten Wolkenkratzers Burj Khalifa in Dubai herum, als wäre er Spider-Man. Und deshalb klammert er sich auch schon mal an ein fliegendes Flugzeug.

Und außerdem: „Es hat auch nie jemand Gene Kelly gefragt: Warum tanzen Sie?“

Kaum ein anderer geht bei Dreharbeiten solche Risiken ein, schon gar niemand, der wie Cruise kurz vor seinem 60. Geburtstag steht. Man erinnere sich nur, wie der um ein paar Jahre jüngere Daniel Craig über schmerzende Knochen geächzt hatte, wenn er wieder als James Bond ran musste. Craig ist inzwischen Geheimagent im Ruhestand.

Mit dem Laken vom Hausdach gesprungen

Schon als Kind habe er verrückte Sachen gemacht, erzählt Cruise in Cannes. Er sei aufs Hausdach geklettert und mit einem Laken als Fallschirm heruntergesprungen. Die Landung auf dem Hintern sei unsanft, aber glimpflich verlaufen. Wegen des verdreckten Betttuchs habe er allerdings mit seiner Mutter Ärger bekommen.

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Das Verblüffende an Cruise ist: Er scheint wie Oscar Wildes literarische Figur Dorian Gray kaum zu altern. Gleichzeitig fragt sich mancher, wie es wohl tief drin in dem jahrelangen Scientology-Mitglied aussieht.

Mächtig Wirbel löste 2008 Andrew Mortons unautorisierte Biografie über Cruise aus, in der dieser als hochrangiges Aushängeschild der Sekte gebrandmarkt wurde. Er sei eine der „gefährlichsten Berühmtheiten“ der Welt, hieß es im Buch. Cruise wies die Anschuldigungen als ein „Bündel Lügen“ zurück. Jüngst gab es allerdings Spekulationen, ob er sich von der Sekte zurückgezogen hat.

Und warum rollt ausgerechnet Filmkunsttempel Cannes Cruise den Actionstar den roten Teppich aus? Er steht auch noch für ganz andere Filme. In einer bunten Schnipselfolge ließ das Festival auf der Leinwand die wichtigsten Revue passieren.

Da war „Rain Man“ (1988) mit Dustin Hoffman als autistischem Filmbruder, Cruise als selbstquälerischer Vietnam-Veteran in Oliver Stones „Geboren am 4. Juli“ (1989), Paul Thomas Andersons „Magnolia“ (1999) mit Cruise als durchgeknalltem Penisfetischisten, Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ (1999) mit seiner damaligen Ehefrau Nicole Kidman. Und da war Cruise mit Augenklappe bei seinem umstrittenen Kinoauftritt als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in „Operation Walküre“ (2009).

Für das Festival war diese Filmografie Grund genug, Cruise am Mittwoch eine Goldene Palme ehrenhalber in die Hand zu drücken. Mit solchen Auszeichnungen ist Cannes ausgesprochen sparsam. Nun steht Cruise in einer Reihe zum Beispiel mit Catherine Deneuve und Alain Delon.

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Tatendrang verspürt Cruise nach wie vor: „Ich weiß, dass es immer noch eine weitere Geschichte gibt“, sagte er in Cannes. In naher Zukunft will er nach früheren Berichten mit Elon Musks Unternehmen SpaceX zur ISS reisen, um dort zu drehen.

Beim Filmfestival nahm Cruise sich am roten Teppich ausgiebig Zeit für Selfies, Autogramme und sogar Plaudereien. Seine Fans sind ihm wichtig. Und dann donnerte ihm zu Ehren die Kunstflugstaffel der französischen Luftwaffe über über den Himmel von Cannes.

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