Kabarett

Timo Wopp sucht den Witz

Dampfplauderer: Timo Wopp im Apollo.

Dampfplauderer: Timo Wopp im Apollo.

Hannover. Timo Wopp ist arm dran. Er ist weiß, männlich, heterosexuell, gehört keiner ethnischen oder sonstigen Minderheit an – worüber kann man dann noch scherzen, ohne dass die Sittenpolizei einschreitet? Wopp ist, so der Titel seines neuen Programms, „Auf der Suche nach dem verlorenen Witz“. Und wird in Desimos Spezial-Club rasch fündig.

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Wie wäre es mit Lebensmittelwitzen? Schwierig – die Pink Lady im Obstregal etwa transportiert schließlich billigste Gender-Klischees, Pink stinks und so. Und der Boskop – sprich: Bosskopp – ist ja wohl der letzte Chauvi. Oder die Banane: zwischen phallischer Form und Vermummung, und keiner fordert für sie ein Burkaverbot. Oder über Arme? Geht auch nicht: „Armut ist scheiße, schon vom finanziellen her.“

Also macht er „absolutes Konsenskabarett: keine Haltung, keine Meinung“ – davon aber viel. Wopp jongliert mit Tabubrüchen und Worten und zweimal auch mit Bällen und Keulen, Erinnerung an eine Weltkarriere als Artist, die der 42-Järhige schon hinter sich hat. Sie sind Zitate eines Zitats, Überbleibsel aus dem Vorgängerprogramm „Moral – eine Laune der Kultur“ – warum Nummern nicht wiederverwerten, wenn sie schon einmal gut ankamen?

Wopp gibt den oberflächlichen Zyniker. Doch unter der Oberfläche des politisch Unkorrekten gründelt es tief. „Man sollte nie Empathie mit Gefühlen verwechseln“, sagt er gen Ende über diese nervösen Zeiten, in denen gefühlte Wahrheiten den Verstand aushebeln. Warum nicht mal zugeben, dass man sich verfühlt hat? Ach so, weil es nicht einmal das Wort gibt. Schade. Also weiter machen, weiter wühlen. Und da kommt dieser Aufklärer in Gestalt eines Dampfplauderers der Wahrheit sehr nahe. So nahe, dass man sie beim Lachen verschluckt.

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Von Stefan Gohlisch

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