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Eigentum verpflichtet: Matthias Brodowy über die Buddenbrooks im Ihme-Zentrum

Zunehmend trist: Das Ihme-Zentrum in Hannover.

Zunehmend trist: Das Ihme-Zentrum in Hannover.

Hannover. „Eigentum verpflichtet!“ Ich bin begeistert, wie präzise man komplexe Sachverhalte ausdrücken kann. So wie mit diesem Satz, dem Artikel 14 unseres Grundgesetzes. Aber wie weit ist es damit her?

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Wie viele Versprechen hat beispielsweise das Ihme-Zentrum nicht schon gehört, das langsam aber stetig vor sich hinbröckelt und als Quadratur des Kreises zum Unikum eines bewohnten Lost Places wird? So wird es weitergereicht von einem nicht investierenden Investor, also einem Nichtinvestor, zum nächsten. Aber auch an anderen Orten: Geschäftsräume stehen leer, weil sie als Steuerabschreibung so wertvoll sind.

Zerfall: Blick in das Ihme-Zentrum.

Zerfall: Blick in das Ihme-Zentrum.

Kleinkunstbühne vor dem Aus

Eigentum verpflichtet?! In Art. 14 heißt es weiter, der Gebrauch dieses Eigentums „soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen!! Denken wir bei diesem Satz noch einmal an die Betonbröselburg an der Ihme.

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Nun hat es auch eine Kleinkunstbühne in Hannover erwischt. Seit vielen Jahren veranstaltet Christoph Vogt in seiner Tanzschule „step by step“ Konzerte und Kabarettabende. Purple Schulz, Bill Ramsey, Bodo Wartke und viele andere sind dort aufgetreten. Auch ich bin dort seit den Anfängen der Bühne immer wieder gewesen. Vor 28 Jahren eröffnete Vogt seine Tanzschule, in dieser Zeit wechselte die Immobilie sieben Mal den Besitzer.

Der achte, eine Berliner Immobilienhandelsgesellschaft, kündigte ihm nun die Räumlichkeiten. Ohne Vorwarnung. Ende Mai ist Schluss! Zu Gesprächen und Verhandlungen war der Vermieter nicht bereit. Zweimal hatte er in der Corona-Zeit die Miete erhöht, obwohl zu dem Zeitpunkt aus bekannten Gründen nichts stattfinden konnte. Für diese Firma ist das nur ein Objekt. Die Menschen, die aufgebaute Existenz, die Arbeitsplätze, die damit verbunden sind, der Stadtteil, das kleine Theater – das alles spielt keine Rolle.

Hat etwas aufgebaut: Christoph Vogt in der Tanzschule „step by step“.

Hat etwas aufgebaut: Christoph Vogt in der Tanzschule „step by step“.

Man könnte verzweifeln

Eigentum verpflichtet? Oder: Eigentum vernichtet! Ich muss an die Buddenbrooks denken. Der Alte hatte den Jungen zu Aufrichtigkeit und Anstand ermahnt, aber die Gier hat gesiegt und den Niedergang besiegelt.

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Man könnte verzweifeln, gäbe es nicht auch die guten Beispiele all derer, die anders wirtschaften. Die den Satz mit dem „Wohle der Allgemeinheit“ sehr ernst nehmen. Die Existenzen sichern, verbindlich bleiben und Gründer ermutigen. Bei denen ein Handschlag noch zählt und denen zum Beispiel ein Pop-up-Store, quasi ein temporärer Mieter, lieber ist als Leerstand. Und denen eine langfristige, gute Geschäftsbeziehung mehr wert ist als das schnelle Geld.

Verantwortungsvolles Handeln hat eben auch ganz viel mit Kultur zu tun. Eigentum verpflichtet!

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NP

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