2400 Fans wissen: „Die Liebe siegt sowieso“

Maite Kelly in der Swiss-Life-Hall

Großes Repertoire: Maite Kelly  in der Swiss-Life-Hall mit Songs wie „Sex Bomb“.

Großes Repertoire: Maite Kelly in der Swiss-Life-Hall mit Songs wie „Sex Bomb“.

Hannover. In der Mitte des Konzerts kommt eine junge Fanin auf Maite Kelly zu und zeigt ihr ein Tattoo von einem ihrer Songtexte. „Ich fühle mich wie Helene Fischer“, sagt Kelly, „irgendwann hat ein Typ meine Fresse auf dem Arm“.

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Mit Helene teilt sich Maite zwar noch nicht den Platz auf vielen Männerkörpern, aber dafür den in unzähligen Klatschmagazinen und im Genre, was beide zelebrieren: den deutschen Schlager mit Herzblut und treibenden Beats. 2400 sind in der Swiss-Life-Hall, Kelly hat ihre Band und zwei Background-Stimmen mitgebracht, zu „Held (Ein Löwenherz)“ steht der Saal bereits geschlossen und klatscht mit.

Doch Kelly hat einige Tempi auf Lager, bremst immer mal wieder die Partystimmung und denkt laut auf der Bühne nach – natürlich ist das (bis vielleicht auf den Helene-Spruch) minutiös durchgeplant wie die Choreografien ihrer Tänzer. „Fata Morgana“ klotzt mit Wüstenoptik, und bei den vielen A-Lauten hat die Sängerin Gelegenheit, ihre Stimme richtig in den Fokus zu rücken.

Viel spricht Kelly über ihr Äußeres: Die Haare sind unecht, sagt sie, die Nase noch nicht – wenn die Frisur wegfliegt, sagt sie zum Publikum, „bitte einfangen, nach hinten bringen, war teuer“. Nach der Pause kommt sie in einem Raumanzug zurück und singt DÖFs „Codo“ (mit einem Cartoon-Trump als „Hass“), danach folgt ein Medley mit Songs über das sexy sein: James Browns „Sex Machine“, Tom Jones „Sex Bomb“ – diese Macho-Hymnen taugen vielleicht gerade durch ihr Angebertum zur feministischen Eigenermächtigung.

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Zu den Kellys gehörte schon immer ein Kitsch-Faktor, und den trägt Maite weiter ins neue Jahrzehnt: Ihre Kinderbuch-Hummel namens Bommel betritt die Bühne zu „Liebe ist Liebe“ als plüschiges Maskottchen, später lässt sie sich, verkleidet als Ballerina-Spieluhr, von einem Tänzer aufziehen und lässt ein rot leuchtendes Herz steigen.

Die Fans freuen sich über „Every Baby“ von der Family, was Maite kurz ansingt, wenig Halten gibt es bei den Party-Schlager-Nummern: „Warum hast Du nicht nein gesagt“ (die Roland Kaiser-Kelly-Kollabo) und „Liebe lohnt sich“. Und als sich der Saal ans Tanzen gewöhnt hat, wird es schon wieder besinnlich. „Ich dreh mich nie wieder um“ – ein Ritt durch die Gefühlswelten. Und der endet in der dritten Schlagerparty des Abends – „Die Liebe siegt sowieso“ und „Heute Nacht für immer“. Und alle hoch von den Sitzen.

Von Liean Buhl

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