Hannover-Szene

Kunst um Leben und Tod

Bereiten vor: (von links) Bestatter Sven Friedrich Cordes, Fotograf Andre Germar und Kurator Johann Brandes in der Galerie Metavier.

Bereiten vor: (von links) Bestatter Sven Friedrich Cordes, Fotograf Andre Germar und Kurator Johann Brandes in der Galerie Metavier.

Hannover. „Ich bin Bestatter, ich habe Leichen im Keller“, sagt Sven Friedrich Cordes lächelnd. So spricht jemand, der mit dem Tod lebt, der schon von Berufs wegen weiß, dass zum Sein das Nichtsein gehört. Und so spricht jemand, der möchte, dass der Umgang mit der unumstößlichen Wahrheit ein unbefangener wird. Auch deswegen eröffnet er Hannovers vielleicht ungewöhnlichste Galerie: Metavier, gelegen in den Räumen seines Unternehmens.

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„Galerie vom Anfang und vom Ende“ ist der Beiname des Ausstellungsraums nahe des Lindener Marktplatzes, geöffnet donnerstagabends und sonnabendvormittags, wenn in der Gegend wegen Partytreibens, beziehungsweise des Wochenmarkts besonders viel los ist. Ansonsten wird der Raum für die Beratung Hinterbliebener verwendet.

„Ich verstehe diese Galerie als freundschaftliche Einladung, sich mit diesem Thema zu Lebzeiten zu beschäftigen“, sagt der 34-Jährige, der das Familienunternehmen Friedrich Cordes Bestattungen in dritter Generation leitet. Daher wird sich die Kunst in der Galerie Metavier stets um das Thema Tod drehen. Geplant sind jährlich vier Ausstellungen aller Kunstrichtungen.

Im November gab es schon einmal eine Mitmach-Aktion – da gestaltete die hannoversche Künstlerin Mansha Friedrich am Dia de los Muertos, dem mexikanischen Tag der Toten, einen farbenfrohen Sarg. Im Dezember hielt Johann Brandes, der Kurator, einen kunsthistorischen Vortrag zum Thema. Nun aber geht der Ausstellungsbetrieb richtig los.

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Der Fotograf Andre Germar, Absolvent des Foto-Studiengangs in Bielefeld, zeigt Bilder, die in San Salvador entstanden und die die mörderischen Straßenkämpfe zwischen den dortigen Gangs dokumentieren. 2011 war er das erste Mal für drei Monate dort, bekam über Mitarbeiter einer Nichtsregierungsorganisation Zugang zu den Gangs und „traf Menschen, die dem Tod ins Auto blicken“, sagt er. Eindringliche Porträts entstanden in dieser Zeit.

2014 kehrte er für zwei Monate zurück: „Eines des Gangmitglieder, das ich fotografiert hatte, war ermordet worden. Ich wollte den Kontext zeigen.“ Und so teilen sich die Arbeiten in jene intimen Porträts, die der Fotokunst zuneigen, und eher dokumentarische Bilder.

Die Arbeiten passen ideal zu der Mission, die Cordes für seine Galerie formuliert: „Die Menschen haben sich total entfremdet vom Tod – und wir wollen ihn wieder verständlicher machen.“

Die Metavier-Ausstellung läuft vom 12. Januar bis 23. März: in den Räumlichkeiten von Cordes Bestattungen (Stephanusstraße 2, Hinterhaus, Zugang über Heesestraße). Geöffnet ist sonst donnerstags von 18 bis 20 und sonnabends von 11.30 bis 13.30 Uhr.

Von Stefan Gohlisch

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