Theaterformen

Hier wird das Bootcamp zum Varieté

Prachtkerle: Szene aus „Cezary zieht in den Krieg“.

Prachtkerle: Szene aus „Cezary zieht in den Krieg“.

Hannover. Was zum Kuckuck ist denn ein „Bootcamp-Varieté“? Nun, bei einem Festival, das Theaterformen heißt, muss man eben mit ungewöhnlichen Ansätzen rechnen. Zumal sich erweist, dass die exzentrische Bezeichnung ganz gut zur Produktion „Cezary zieht in den Krieg“ passt, die jetzt im Ballhof zu sehen war.

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Der polnische Regisseur Cezary Tomaszewski, so die Grundbehauptung, sieht sich in einer Zwickmühle gefangen. Da es ihn nicht wirklich zum Militär zieht, kommt ihm die Ausmusterung eigentlich entgegen. Andererseits wurmt sie ihn doch, und um zu demonstrieren, dass körperliche und geistige Fitness sehr wohl für die höchste Tauglichkeitsstufe ausreichen würden, schickt er fünf Cezarys, darunter einen weiblichen, auf die Bühne.

Mehr zum Festival-Programm erfahren Sie hier.

Wo man alsbald aufgelistet bekommt, welche Kriterien überhaupt zur Feststellung der Untauglichkeit führen können, und dabei schnell in surreal angehauchten Gefilden landet, denn die sehr umfangreiche Palette reicht von verschiedenen Formen der Hepatitis über fehlende Augäpfel bis zur Transsexualität.

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Die Dame ist überwiegend am Klavier zugange, bringt Musik von Debussy, Schostakowitsch und dem in Deutschland weniger bekannten Stanisław Moniuszko zu Gehör, der als „Vater der Polnischen Nationaloper“ gilt und zahlreiche Lieder geschrieben hat. Das männliche Quartett lässt dazu Stimmbänder und Muskeln spielen. Die Texte enthalten laut Einblendung markige Zeilen wie „Potz Hagel“ und „Jeder Ritter ist ein Herr“, „Schattenhain“ reimt sich auf „Blütenrain“.

Ein Interview mit Martine Dennewald, der künstlerischen Leiterin, lesen Sie hier.

Dazu werden mehr oder weniger gekonnt Räder geschlagen, ein Darsteller enthüllt gern den Oberkörper, genau genommen kein klassischer Sixpack, und beginnt schon mal im unpassendsten Moment, die Arme im Marschrhythmus zu schwingen. Auch Liebesmotive tauchen auf, die nur bedingt zur ultramännlichen Pose passen wollen.

Die Bewegungsmuster können, wie Tomaszewski im Nachgespräch berichtet, durch Nijinsky inspiriert sein, aber auch durch rustikalere Gruppentänze, wie sie womöglich im San Francisco der 80er Jahre gepflegt wurden. Die ganz große Abwechslung findet sich an diesem Abend allerdings nicht: Es ist eine sehr sympathische Performance, sobald jedoch die Basisidee einmal etabliert ist, verläuft die Vorstellung in einem relativ schmalen Variationskorridor.

Mehr zu der Inszenierung finden Sie hier.

Von Jörg Worat

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