Konzert

Heinz Rudolf Kunze ist mit Leib und Seele dabei

22.2.2019 , Heinz Rudolf Kunze , FOTO : Florian Petrow :

22.2.2019 , Heinz Rudolf Kunze , FOTO : Florian Petrow :

Hannover. „Das muss Liebe sein“ singt Heinz Rudolf Kunze vor den gut 1400 Zuschauern im fast ausverkauften hannöverschen Capitol. Eigentlich meint der 62-jährige Nordrhein-Westfale damit seine Berufung als Musiker und Rockpoet. Doch die Zeile aus seinem Song „Raus auf die Straße“ trifft auch exakt auf sein Publikum zu. Die überwiegend älteren Damen und Herren benehmen sich wie Backfische und Halbstarke – jubeln, klatschen und singen begeistert mit.

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Es ist ein sensationeller Empfang für HRK und „Ein schöner Ausblick!“ für ihn. Kunze kommt mit einem dicken Künstlerschal auf die Bühne, 26 Titel hat er in seinem Programm, es sind große Lieder, vorgetragen von einer großen Band. Ein Drahtseilakt zwischen Pop und Prosa; manchmal wird es vorhersehbar: Beim Privatsender-Bashing und mit „Jesus-Jokes“ etwa hat er die Besucher schnell auf seiner Seite, sie klatschen dankbar und sind erheitert.

Heinz Rudolf Kunze ist ein Ritter der deutschen Sprache: „Wenn man die Sprache des Regens versteht, kann man vergessen. Versteht man die Sprache des Schnees, so kann man sterben.“

Bedeutungsschwer – bis sie „Schorsch genannt die Schere“ anspielen. Dort kann sich sein Gitarrist Peter Koobs erstmals beweisen, zu seinen kernigen Soli passen die spleenigen Keyboardklänge aus den 70ern. Es ist, sagt Kunze, „eine geballte Ladung Songs vom neuen Album“, welche erst mit dem düsteren „Das Ultimatum“ endet. Sein Debütalbum wollte die Plattenfirma damals mit „Pistolen und Stricken“ ausliefern, so dunkel empfanden sie sein Werk.

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Mit „Bühne deines Lebens“ erscheint Jördis Tielsch. Sie singt Backings in seiner Band Verstärkung und spielt bei einigen Liedern Geige. Nun darf sie einen eigenen Song vorstellen und bekommt dafür viel Zeit vom Prinzipal. Bei „Mit Leib und Seele“ kann auch Natalie Pütz, die zweite Sängerin, glänzen.

Kunze selbst wechselt zwischen Piano und Gitarre, ist ein guter Sänger und ein „Vertriebener“ – und da ist sein „Zuhause wo man mich hört“. Kunze ist politisch, er vermisst das „gewisse Etwas“ an Bundeskanzlerin Merkel und schlägt einen „Orden für Gotteslästerung“ vor. Dazu passt sein Spruch „Maria war die erste Feministin der künstlich Befruchteten“.

Der brillanteste Song des Abends ist jedoch „Lebend kriegt ihr mich nicht“, eine exzessive Gitarre ringt zu der Zeile „Schreie nach Vergeltung für die alte Schmach“, eine komplexe Komposition mit aktuellem Bezug. Dass bei „Finden Sie Mabel“ Humphrey Bogart und Peter Lorre auf den Leinwänden erscheinen, ist seiner Generation geschuldet, „Dein ist mein ganzes Herz“ ebenso wie „Wenn du nicht wiederkommst“ dem Hitfaktor, und der Zuschauer-Chor bei „Die ganz normalen Menschen“ den ganz normalen Menschen im Capitol.

Von Kai Schiering

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