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Zusammenhang unklar

Hepatitis bei Kindern: Sind Hunde die Überträger?

Die britischen Gesundheitsbehörden wollen untersuchen, ob Hunde Kinder mit einem Hepatitis-Erreger anstecken können. Bisher gibt es dafür aber nur wenige Anhaltspunkte.

Weltweit erkranken derzeit Kinder an einer neuartigen, gefährlichen Form von Leberentzündung (Hepatitis). Was ist der Grund dafür? In Großbritannien, wo die Erkrankungen zuerst beobachtet wurden, wollen die Behörden einer neuen Theorie nachgehen. Sie möchten überprüfen, ob die Infektion durch Hunde übertragen wird. Bisher gibt es dafür aber kaum Hinweise.

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Etwa 450 Fälle der neuartigen Hepatitis wurden bisher aus mehr als 20 Ländern gemeldet. Betroffen sind vor allem jüngere Kinder unter fünf Jahren. In etwa 10 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung so schwer, dass die Kinder eine Lebertransplantation benötigten. Elf Kinder sollen nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control bis zur vergangenen Woche an den Folgen der Hepatitis verstorben sein. Nach den derzeitigen Erkenntnissen wird die Erkrankung offenbar durch die Infektion mit einem Adenovirus vom Serotyp 41 F ausgelöst. So wurde der Erreger in einer Untersuchung der britischen Behörden bei 71 Prozent der erkrankten Kinder nachgewiesen – eine Coronavirus-Infektion, die zunächst ebenfalls als mögliche Ursache diskutiert wurde, hingegen nur in 18 Prozent der Fälle. Laut der UK Health Security Agency (UKHSA) ist das keine Auffälligkeit, da Sars-CoV-2 derzeit immer noch verbreitet ist.

Zufall oder Zusammenhang?

Obwohl nun die Adenoviren als wahrscheinlicher Auslöser gelten, ist allerdings unklar, warum diese die Leber befallen. Die Erreger gelten nicht als klassische Verursacher von Hepatitis bei Kindern, sondern lösen normalerweise eher Atemwegsinfektionen oder Magen-Darm-Beschwerden aus. Die UKHSA brachte vor wenigen Tagen eine neue Theorie ins Spiel. So sind zwei Arten von Adenoviren als Krankheitserreger bei Hunden bekannt. Während die eine davon eine Atemwegsinfektion verursacht, den sogenannten Zwingerhusten, kann die andere Leberentzündungen auslösen. Die UKHSA hatte daher Familien von erkrankten Kinder nach ihren Haustieren gefragt und dabei festgestellt, dass 70 Prozent der Kinder entweder in einer Familie mit Hund lebten oder kurz zuvor mit Hunden Kontakt gehabt hatten.

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Ob das für einen möglichen Zusammenhang spricht, ist aber noch völlig unklar. So räumte die UKHSA ein, es könne sich auch um einen Zufall handeln, denn in etwa 50 Prozent der britischen Haushalte leben Hunde. Dass 70 Prozent der Kinder mit Hunden in Berührung kamen – entweder zu Hause oder bei Freunden oder Verwandten – könnte also völlig normal sein und muss nichts mit den Infektionen zu tun haben.

Haustiere können Krankheiten übertragen

Grundsätzlich kommt es selten vor, ist aber möglich, dass Haustierhalter sich bei ihren Tieren mit Krankheitserregern anstecken. So können über den Kot von Hunden, Katzen und anderen Haustieren Bakterien oder auch Würmer übertragen werden. Diese können bei Menschen zum Beispiel Durchfallerkrankungen auslösen. Es handelt sich aber in der Regel nicht um gefährliche Erkrankungen wie die nun aufgetretene, neue Form der Hepatitis.

Riskant für Kinder im Vorschulalter, immunsupprimierte und alte Menschen kann allerdings der Kontakt zu Reptilien sein: Durch das Streicheln der Tiere können Salmonelleninfektionen übertragen werden, die in diesen Risikogruppen schwer verlaufen können. Bei allen andern Haustieren genügt es, einige Hygieneregeln einzuhalten. So sollten sich Tierhalter möglichst nicht im Gesicht ablecken lassen und Wunden vor dem Kontakt mit Tieren schützen, Tiere nicht im Bett schlafen und nicht am Tisch mitessen lassen und beim Reinigen von Katzenklos oder Tierkäfigen Handschuhe tragen.

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Einige Experten und Expertinnen gehen allerdings davon aus, dass Haustiere auch positive Effekte auf die Gesundheit haben können: So hatten in einer schwedischen Studie Kinder, die mit Haustieren lebten, seltener Allergien, weil sie öfter in Kontakt mit Keimen kamen und dadurch ein stabileres Immunsystem hatten. Kinder, denen die Auseinandersetzung mit Umweltkeimen fehlt, könnten hingegen eher zu Allergien neigen.

Immunsystem der Kinder durch Corona-Maßnahmen geschwächt

Auch die Leberentzündungen, die nun beobachtet werden, sind womöglich nicht die Folge von zu viel, sondern zu wenig Kontakt mit Krankheitserregern. So gelten zwar die Adenoviren als untypischer Erreger von Hepatitis bei Kindern. Infektionen waren aber schon in der Vergangenheit beobachtet worden. Bei Kindern, deren Immunsystem geschwächt war, lösten die Viren meist mild verlaufende Leberentzündungen aus. Dass es nun zu deutlich mehr gefährlichen Verläufen kommt, könnte daran liegen, dass es nach mehr als zwei Jahren Corona-Maßnahmen mehr Kinder mit geschwächtem Immunsystem gibt. Ihr körpereigenes Abwehrsystem war durch Lockdowns und Maskenpflicht kaum in Kontakt mit Krankheitserregern gekommen. Daher hat es teilweise verlernt, sich mit diesen auseinanderzusetzen.

Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Kinder-Hepatologe, verwies in mehreren Interviews auf diese Möglichkeit. Kinder seien durch die Maßnahmen „immun-naiv“ gegenüber Adenoviren und anderen Virusinfektionen geworden, so Rodeck. Schwerwiegende Krankheitsverläufe, wie bei den Kinderhepatitis-Fällen, könnten ein Resultat des fehlenden Trainings des Immunsystems sein, sagte Rodeck gegenüber der „Tagesschau“. Ein ähnlicher Effekt war bereits bei Atemwegserkrankungen beobachtet worden. So waren im vergangenen Jahr deutlich mehr Kinder als sonst am respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) erkrankt.

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