US-Präsident Biden: „Pandemie ist vorbei“

Ist jetzt bald endlich Schluss mit Corona?

Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause findet in München wieder das Oktoberfest statt.

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Die Corona-Pandemie ist zu Ende. Davon ist zumindest US-Präsident Joe Biden überzeugt. In einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten TV-Interview erklärte er: „Die Pandemie ist vorbei, aber wir haben immer noch ein Problem mit Covid.“ Das lässt sich beim Blick auf die Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC nicht von der Hand weisen: Knapp 61.000 Neuinfektionen hat die Behörde zuletzt innerhalb eines Tages erfasst, ebenso wie 391 Todesfälle.

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Für die Menschen in den USA scheint das Coronavirus jedoch allmählich seinen Schrecken verloren zu haben. „Wie Sie sehen, trägt hier niemand eine Maske“, sagte Biden, der zum Zeitpunkt des Interviews eine Automesse in Detroit im Bundesstaat Michigan besuchte. „Alle scheinen in ziemlich guter Verfassung zu sein. Ich glaube also, dass sich die Situation ändert, und ich denke, dies ist ein perfektes Beispiel dafür.“

Der US-Präsident ist nicht der Einzige, der zuletzt zumindest ein Ende der Pandemie in Aussicht stellte. Auch der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, zeigte sich am vergangenen Mittwoch optimistisch, dass der weltweite Corona-Ausnahmezustand bald ein Ende haben könnte – vorausgesetzt, die Impfanstrengungen lassen nicht nach.

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„Wir sind noch nie in einer besseren Position gewesen, die Pandemie zu beenden“, machte der WHO-Chef deutlich. „Wir sind noch nicht so weit, aber das Ende ist in Sicht.“ Er verglich die Situation mit einem Marathonlauf: „Eine Marathonläuferin stoppt nicht, wenn die Ziellinie in Sicht ist. Sie rennt noch entschlossener, mit aller Energie, die sie noch in sich hat. Das müssen wir auch tun.“

Prognosen zum Pandemieende haben sich bisher nie bestätigt

Es ist nicht das erste Mal, dass Expertinnen und Experten das Ende der Corona-Pandemie in Aussicht gestellt haben. Schon des Öfteren schürten sie Hoffnungen auf Normalität – und dann kam es doch immer anders. Das Virus erwies sich als hartnäckiger als gedacht, die Impfquoten waren zu gering. Ein Ende der Pandemie? Nicht in Sicht.

Und jetzt? Ist es dieses Mal anders? Sind die Einschätzung von US-Präsident Biden und WHO-Chef Ghebreyesus zutreffend? Rückt das Ende der Corona-Pandemie endlich in greifbare Nähe? Und wie könnte es aussehen?

Immunität in der Bevölkerung hat sich gesteigert

Noch immer sorgt das Coronavirus weltweit für Einschränkungen – in einigen Ländern mehr, in anderen weniger. Zuletzt hat die WHO knapp 500.000 Infektionen innerhalb von 24 Stunden registriert. Insgesamt ist der Trend bei den täglichen Neuinfektionen jedoch rückläufig, und zwar in allen fünf WHO-Regionen. Dazu zählen Europa, Amerika, der Westpazifik, Südostasien, der östliche Mittelmeerraum und Afrika. Und auch die Zahl der weltweiten Todesfälle, die mit dem Coronavirus im Zusammenhang stehen, geht zurück. Es scheint eine globale Entspannung einzusetzen.

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Das ist nicht zuletzt der zunehmenden Immunität in der Bevölkerung zu verdanken. Zum einen sind inzwischen viele Menschen weltweit dreifach gegen Covid-19 geimpft, und damit gut vor schwerer Covid-19-Erkrankung und Tod geschützt. In Deutschland sind es allein rund 62 Prozent. Hierzulande empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) Risikogruppen wie Älteren oder Immungeschwächten noch einen zweite Auffrischungsimpfung. Rund 7,6 Millionen Menschen (circa neun Prozent) haben dieses Angebot bereits angenommen.

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Bierselige Massen eng gedrängt in der dunstigen Enge der Zelte, Hunderttausende im Gedränge an Fahrgeschäften und Buden. Erreger haben leichtes Spiel.

Gleichzeitig kursiert mit Omikron eine Virusvariante, die hochansteckend und immunflüchtig ist. Tausende Menschen haben sich in den vergangenen Monaten mit dieser Corona-Version infiziert und auf diese Weise einen natürlichen Immun-Booster erhalten. Denn auch Infektionen sorgen dafür, dass das Immunsystem schützende Antikörper produziert. Die Mehrheit der Menschen weltweit ist also mittlerweile geimpft, genesen oder sogar beides.

Corona wird bleiben

Einen hundertprozentigen Schutz vor dem Coronavirus bieten jedoch weder die Ansteckungen noch die Impfungen. Mit der Zeit sind Infektionen wieder möglich. Das macht es umso schwieriger, die Pandemie zu beenden. Und klar ist damit auch: Das Virus wird nicht mehr verschwinden. Daran können auch die an Omikron angepassten Impfstoffe, die jetzt in Teilen der Welt, darunter der EU, zur Verfügung stehen, nichts ändern. Denn sie schützen ebenfalls nur vorübergehend vor Ansteckungen.

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„Ich gehe davon aus, dass sich da irgendwann ein neues Gleichgewicht einpendelt“, so beschrieb Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité das Pandemieende in einem „Spiegel“-Interview von Ende Juni. „Die Bevölkerungsimmunität durch Impfungen und Infektionen wird irgendwann so stark sein, dass das Virus an Bedeutung verliert. Dann sind wir im endemischen Zustand.“

Kein festes Datum für Pandemieende

Die Pandemie wird zur Endemie. Was das heißt? Das Virus wäre nicht verschwunden, würde aber nur noch in einer bestimmten Region oder Population dauerhaft auftreten. Anders als jetzt, wo zahlreiche Infektionen über Ländergrenzen hinweg registriert werden. Infektionen, Krankheits- und Todesfälle würde es in einer endemischen Phase nur noch in Maßen geben, und nicht mehr in Massen. Vom Coronavirus würde keine große Gefahr mehr ausgehen.

Wann der Übergang von der Pandemie zur Endemie stattfinden wird, ist jedoch unklar. Auch wird es kein festes Datum geben, an dem die Pandemie ein für alle Mal beendet ist.

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Momentan deutet sich zumindest an, dass sich das globale Infektionsgeschehen entspannt. Was man beim Blick auf die Daten nicht vergessen darf: Sie sind nur eine Momentaufnahme. Zurzeit entwickeln sie sich positiv. Das kann bald aber schon wieder anders sein. Dass sich der Trend der rückläufigen Infektionszahlen auf Dauer fortsetzen wird, ist nicht absehbar. Virologe Drosten rechnet zum Beispiel damit, dass noch vor Dezember eine starke Infektionswelle auf Deutschland zurollen wird.

Virusevolution ist unsicherer Faktor

Wie sich das Infektionsgeschehen weiterentwickelt, hängt auch von der Evolution des Coronavirus ab. Einige Expertinnen und Experten befürchten, dass sich eine neue Virusvariante mit veränderten Eigenschaften im Herbst durchsetzen könnte. In einzelnen Ländern zeigen sich schon jetzt Viruskandidaten, die immunflüchtiger und noch leichter übertragbar sind. Sie nehmen maßgeblich darauf Einfluss, wie viele Menschen sich in den kommenden Monaten infizieren werden, krank werden und wie groß damit etwa Personalausfälle sein werden.

Das Tückische bei der Entwicklung des Coronavirus ist: Sie ist unberechenbar. Es kann sein, dass sich eine neue Virusvariante durchsetzt. Es ist aber auch genauso gut möglich, dass Omikron bleibt. Das wäre der Idealfall, weil dann das Infektionsgeschehen in Deutschland, auch ohne große Schutzmaßnahmen, gut beherrschbar wäre.

Die Evolution des Virus ist nach wie vor eine Grauzone und gleichzeitig ein entscheidender Faktor, der darüber bestimmt, wann die Pandemie vorbei ist. Bei den hohen Infektionszahlen – auch in Ländern mit einer unzureichenden Immunität in der Bevölkerung – hat das Coronavirus gute Chancen, weitere Mutationen auszubilden. Neue Virusvarianten sind jederzeit möglich. Und damit steht das Ende der Pandemie auf wackeligen Beinen.

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