Klein aber fein

Elektrocamper Xbus wird per Crowdfunding finanziert

Elektrisches Urlaubsidyll: Der Xbus-Prototyp zusammen mit der Isetta-Erbin Evetta.

Elektrisches Urlaubsidyll: Der Xbus-Prototyp zusammen mit der Isetta-Erbin Evetta.

Die Caravaning-Branche tut sich noch schwer mit der Elektromobilität. Das hat gerade erst wieder der Düsseldorfer Caravan-Salon bewiesen, wo unter Hunderten ausgestellter Freizeitfahrzeuge gerade mal eine Handvoll E-Camper zum Kauf angeboten wurden. Zwar beschäftigt das Thema auch alle großen Reisemobilhersteller, konkrete Lösungen haben, von vereinzelten Zukunftsstudien einmal abgesehen, allerdings Seltenheitswert. Tenor der Erklärungsversuche: Zu geringe Reichweiten für einen adäquaten Reisekomfort, zu schlechtes Ladenetz, zu teuer – und deshalb auch noch keine Nachfrage.

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Doch stimmt das wirklich? Electric-Brands, ein Start-up aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe, lässt an dieser Schlussfolgerung, die für die große Masse durchaus zutreffen mag, Zweifel aufkommen. Die Firma aus dem hohen Norden hat erste Prototypen eines E-Modells Xbus fertiggestellt, das aufgrund seiner modularen Aufbauart unter anderem auch als kleines Campingmobil ab 2024 in Serie gehen soll, und dafür in einer Crowdfunding-Aktion nicht nur über 1,2 Millionen Euro eingesammelt, sondern bereits über 16.000 Vorbestellungen vermerkt. Wobei die meisten Frühbucher gezielt den Camper bestellten. Mangelndes Interesse sieht anders aus.

Elektrisches Campingvergnügen auf nicht einmal vier Metern: Der Xbus soll 2024 auf den Markt kommen. Es gibt schon reichlich Vorbestellungen.

Elektrisches Campingvergnügen auf nicht einmal vier Metern: Der Xbus soll 2024 auf den Markt kommen. Es gibt schon reichlich Vorbestellungen.

Allerdings zaubert der putzige, keine vier Meter lange Xbus auch jedem Betrachter gleich ein Schmunzeln ins Gesicht. Mit seinen Scheinwerfern wie Kulleraugen und dem schirmartigen Vorsprung über der Windschutzscheibe wie bei einer Schiebermütze scheint der Bonsaibus geradewegs einem AutaAnimationsfilm entsprungen. Dabei beeindruckt der quietschgrüne Prototyp durchaus auch mit inneren Werten, speziell in der Campervariante etwa mit erstaunlicher Raumökonomie.

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Doch der Reihe nach. Der Xbus ist ein kompakter, rein elektrisch angetriebener Minibus. 3,95 Meter lang, 1,69 Meter breit und in der Standardvariante 1,96 Meter hoch. Wegen etwas mehr Bodenfreiheit misst die Offroadausführung 2,03 Meter in der Höhe. Sein großes Plus ist der modulare Aufbau. Je nachdem welches Mittel- und Heckmodul zum Einsatz kommt, verwandelt sich die Basisversion des Miniaturfahrzeugs in einen Pick-up, einen Transporter, einen Kleinlaster mit Koffer für Lieferdienste, einen Kipper oder eben einen Camper. Das Basismodell steht mit 17.380 Euro in der Preisliste. Der Camper ist zu Preisen ab 29.480 Euro (Offroad ab 31.680 Euro) die teuerste Variante.

Zu diesen Tarifen ist serienmäßig allerdings nur der festinstallierte 15-kWh-Akku verbaut, der bei recht optimistisch angegebenen Verbrauchswerten von 5 bis 10 kWh/100 km im Mix-Modus Reichweiten bis 210 Kilometer ermöglichen soll. Da allerdings die ebenfalls modular aufgebauten Batterien um Akkupacks bis zu 30 kWh Kapazität ergänzt werden können, ergäbe sich bei 45 kWh an Bord schon ein Aktionsradius bis zu 600 Kilometern.

Die Akkus stecken in Schubladen an der Seite und hinten, sind herausnehmbar und sollen sich in Zukunft auch an Akkutauschstationen wechseln lassen. Das zielt aber hauptsächlich auf gewerbliche Verwendungszwecke ab, bliebe mit einer solchen Station am Standort des jeweiligen Betriebes der E-Minibus doch rund um die Uhr im Einsatz. Ansonsten lädt der Xbus an der heimischen Wallbox und an öffentlichen Wechselstromladern mit 11 kW Ladeleistung oder an der Haushaltssteckdose mit 3,6 kW.

Solardach ist serienmäßig

Positiv auf die Reichweite wirkt sich allerdings auch noch das serienmäßige Solardach aus, dessen Gesamtleistung von den verwendeten Modulen abhängig ist. Bei Maximalbestückung sowie optimaler Sonnenbestrahlung kann Strom mit bis zu 800 Watt pro Stunde generiert werden.

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Die Elektromotoren an jeder Achse garantieren von Haus aus Allradantrieb an Bord und leisten in der Spitze zwar bis zu 56 kW oder etwa 76 PS, sind aber mit einer Dauerleistung von nur 15 kW (20 PS) angegeben. Das muss so sein, denn genau genommen ist das Autochen eigentlich gar kein Auto. Zulassungstechnisch gilt es nämlich als Leichtfahrzeug der Klasse L7e, darf nicht mehr als 600 kg (ohne Batterien) wiegen und eben nur mit einer Nutzleistung von 15 kW unterwegs sein. Deshalb wird auch die Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h begrenzt.

Hochdach und Mitteltür: Beim Xbus wird jeglicher Raum effizient genutzt.

Hochdach und Mitteltür: Beim Xbus wird jeglicher Raum effizient genutzt.

Auch in puncto Sicherheit wirkt sich das aus. Ein Leichtfahrzeug braucht weder Airbags noch Spurhalte- oder Notbremsassistenten an Bord zu haben. Crashtests, wie sie bei Pkw-Modellen gesetzlich vorgeschrieben sind, werden ebenfalls nicht gefordert. Ralf Haller, Mitbegründer und CEO von Electric Brands, verspricht, dennoch entsprechende Tests durchführen zu lassen. Schließlich solle der Passagierraum so stabil wie möglich sein.

Größere Liegefläche als im VW California

Und die Campingausstattung? Das ist schon bemerkenswert, was hier raumökonomisch auf kompaktesten Abmessungen verwirklicht wird. Ein Hubdach sorgt für ausreichend Stehhöhe, und für die Nacht ermöglicht ein manueller Auszug am Heck eine Vergrößerung der Liegefläche auf 2,10 mal 1,30 Meter – das ist mehr als in einem VW California.

Ein verschieb- und herausnehmbarer Miniküchenblock mit Ein-Flammen-Kocher – warum allerdings mit Gas? –, Waschbecken und Kühlschrank ist ebenfalls an Bord. Selbst ein Flachbildfernseher lässt sich hinter den Vordersitzen positionieren. Mehr kann man von einem derart kompakten E-Camper kaum erwarten.

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Der Xbus befindet im letzten Stadium der Entwicklung. Verträge mit mittlerweile rund 800 Händlern europaweit hat Electric Brands bereits unter Dach und Fach. In Deutschland allein sind es etwa 200 Partnerbetriebe. Nachdem der Firmensitz Itzehoe als Produktionsstandort aus dem Rennen ist, soll jetzt ein neuer, zentraler Ort ausfindig gemacht werden, an dem die Produktion im nächsten Jahr aufgebaut werden kann. Anfang 2024 werden dann, so der Plan, die ersten Kundenfahrzeuge ausgeliefert.

Auch Isetta-Erbin Evetta soll an den Start gehen

Als zweites, nicht minder spannendes E-Auto-Projekt wollen die Norddeutschen endlich die Neuauflage der legendären Isetta als Vollzeitstromer verwirklichen. Artega, ein ursprünglicher Sportwagenhersteller aus dem nordrhein-westfälischen Delbrück, wollte die neuzeitliche Version des einstigen BMW-Minis mit Fronttür als Modell Karo, basierend auf dem Schweizer Microlino, auf den Markt bringen.

Langwierige rechtliche Streitigkeiten mit den Eidgenossen führten schließlich in die Insolvenz. Im April dieses Jahres hat nun Electric Brands mit der Übernahme von Artega auch die Rechte an dem Isetta-Klon erworben. Als Evetta ist nun der Neustart für 2023 angekündigt. Dabei soll es den E-Cityflitzer im Retrolook, der über den gleichen Elektroantrieb wie der Xbus verfügt, sogar als Cabrio geben.

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