Von 0 auf 100 in 3,3 Sekunden

Elektromotorrad Zero SR/F: Maximale Beschleunigung, mediokre Reichweite

Elektrisches Kraftpaket: Die Zero SR/F imponiert mit ihren Fahrleistungen – mit der Reichweite allerdings hapert es noch ein wenig.

Elektrisches Kraftpaket: Die Zero SR/F imponiert mit ihren Fahrleistungen – mit der Reichweite allerdings hapert es noch ein wenig.

„Am Nagelsbaum“ im Bergischen Land, in der Nähe von Burscheid, ist die Welt noch in Ordnung. Zwischen Feldern, Wiesen und Wald liegen eine Handvoll Häuser – das ist fast schon alles, was es hier zu sehen gibt. Fast. Denn die neu asphaltierte, zurzeit nur bis zu den erwähnten Anliegerinnen und Anliegern befahrbare und an diesem Sonntag verkehrsfreie Landstraße ist genau die Versuchung, der weder die Zero SR/F noch ihr Fahrer widerstehen kann. Und dann zeigt die SR/F, was in ihr steckt. Sie schnell ist, sehr schnell, rasend schnell. Wobei das beinahe noch eine Untertreibung ist für die Art und Weise, wie dieses Motorrad Geschwindigkeit aufbaut.

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Drei Wimpernschläge bis Tempo 100

Gewaltig, brachial – das trifft es schon wesentlich besser, denn nur ein klein wenig mehr als drei Wimpernschläge (in Sekunden: 3,3) braucht es, damit das Naked Street Bike des US-Elektro-Motorrad-Pioniers Zero Tempo 100 erreicht. Damit liegt die rund 23.700 Euro teure SR/F fast schon auf Supersportwagenniveau. Zum Vergleich: ein McLaren 720 S, ein Lamborghini Aventador LP 700-4 oder ein Porsche 911 GT2 RS schaffen die 100 km/h in 2,9 Sekunden. Aber es ist nicht nur dieser Messwert, der begeistert, sondern vor allem auch die Leichtigkeit, mit der die Maschine diese Leistung zur Verfügung stellt. „Mühelose Kraftentfaltung“ nennt Zero selbst das, und „mit einem einfachen Dreh am Gasgriff“ liefert die SR/F ein Drehmoment von 190 Nm und 110 PS.

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Nun sollte ein Motorrad gewiss nicht nur danach bewertet werden, wie schnell es die 100-km/h-Marke erreicht. Viel entscheidender ist, ob – im Allgemeinen – ein Elektrobike dasselbe Motorradfeeling bieten kann wie eine Maschine mit traditionellem Verbrenner, und ob – im Besonderen – Zero dem Ruf gerecht wird, der Tesla der Motorradbranche zu sein – was sich auf die Innovationskraft der Marke bezieht, nicht aber auf die Verarbeitungsmängel, die man Tesla wohl zurecht immer wieder nachsagt. Wie auch immer, die Verarbeitungsqualität der Zero ist ordentlich, die Wahl der Komponenten sogar erstklassig. Bremsen (vorne Doppelscheibe) von der Brembo-Tochter J.J. Juan, Reifen von Pirelli, Federung von Showa – die Amerikanerinnen und Amerikaner haben sich hier nicht lumpen lassen und aus dem Vollen geschöpft.

Zu lang für die Zero: RND-Tester Andreas Kötter musste feststellen, dass sich die SR/F nicht für Menschen eignet, die größer sind als 1,80 Meter.

Zu lang für die Zero: RND-Tester Andreas Kötter musste feststellen, dass sich die SR/F nicht für Menschen eignet, die größer sind als 1,80 Meter.

Statt eines Fauchens erklingt ein hochfrequentes Pfeifen

So gediegen wie sich das liest, so unkompliziert verhält sich die SR/F auch auf der Straße. Umsteigerinnen und Umsteiger sollten keine Probleme haben, und selbst Einsteigerinnen und Einsteiger dürften unmittelbar zurechtkommen, wenn sie beim Drehen des Gasgriffes etwas Vorsicht walten lassen. Abgesehen davon, dass es kein Getriebe und damit auch keine Kupplung/keinen Kupplungshebel am Lenker gibt, funktioniert alles so oder ganz ähnlich, wie man es von einer BMW, einer Honda, einer KTM etc. gewohnt ist. Einzig der Sound ist gewöhnungsbedürftig. Statt eines Fauchens, Röhrens oder Blubberns erklingt ein hochfrequentes Pfeifen, ganz so als ob man einer Nähmaschine eine Art Turbo spendiert hätte. Das mag ganz sicher nicht jeder Biker oder jede Bikerin, dürfte aber auch Gewöhnungssache sein.

Ob in Sachen „Akku/Reichweite“ Gewöhnung auch hilft, muss jeder für sich selbst entscheiden. Grundsätzlich verhält sich die SR/F wie jedes andere Elektrofahrzeug auch. Heißt: wer die Möglichkeiten ausschöpft, der kommt nicht allzu weit. Die Werksangabe – Zero nennt für innerorts bis zu 272 Kilometer –, ist jedenfalls ein rein theoretischer Wert. Erstens möchte man mit einem Motorrad wie der SR/F nicht nur im Großstadtgedränge unterwegs sein, sondern gerade auch über Land fahren, und zweitens besagte Möglichkeiten, wenn nicht gleich ausreizen, so doch zumindest einmal antesten.

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Schon zehn Minuten Autobahn lassen die Reichweite schrumpfen

Fakt ist, dass schon eine etwa zehn Kilometer lange Autobahnpassage mit Geschwindigkeiten zwischen 130 und 150 km/h die Restreichweite rapide abnehmen lässt. Wer über die Anschaffung einer SR/F nachdenkt, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass längere Autobahnanfahrten, etwa zu einem Urlaubsort, (noch) nicht das Metier eines Elektromotorrads sind. Immerhin aber sollten je nach Fahrweise/Fahrmodus (vier stehen zur Wahl) auf der Landstraße durchaus 180 Kilometer drin sein, auch weil die SR/F hier anständig rekuperiert. Als Ladezeit gibt Zero im Übrigen rund zwei Stunden an; an der Haushaltssteckdose sind es etwa vier Stunden.

Und eine zweite Einschränkung gibt es: die Größe des Piloten. Obwohl die SR/F eine durchaus stattliche Erscheinung ist, ist sie für Menschen, die größer als 1,80 m sind, nicht zu empfehlen. Schon nach 30, 40 Kilometern wird das Sitzen für Größere (der Autor misst 1,88 m) unbequem und gerät dann zunehmend zur Qual. Die Ursache: die Sitzposition ist (trotz Wechselsattel für größere Fahrer) schlichtweg zu niedrig, der Kniewinkel dadurch zu eng, sodass sich die Muskulatur zwangsläufig verspannt. Zudem sind die Fußrasten so angebracht, dass man ständig die rechte Fußspitze krampfhaft anziehen oder den Fuß weit außen auf der Fußraste platzieren muss, will man nicht dauerhaft auf der Bremse stehen. Auch das würde zwar wahrscheinlich der Rekuperation dienen, wäre aber letztendlich eher nicht zielführend.

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