Lokale Mitarbeitende sorgen für Authentizität

Grafiken auf der Google-Homepage – Wie ein Doodle entsteht

Diese Doodles waren in der jüngeren Vergangenheit in Deutschland zu sehen.

Diese Doodles waren in der jüngeren Vergangenheit in Deutschland zu sehen.

Ein Leopard saust mit einem Snowboard den Hang hinab. Buchstaben tragen medizinische Masken. Eine Pizza muss in neun Teile geschnitten werden, damit alle satt werden. Diese Szenen beobachteten Menschen aus ganz verschiedenen Regionen der Erde in den vergangenen Monaten, wenn sie www.google.com in ihren Browser tippten.

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Denn das Unternehmen Google zeigt auf der Homepage seiner gleichnamigen Suchmaschine nicht nur das bekannte Logo mit den serifenlosen bunten Buchstaben. Immer wieder sind dort Grafiken zu sehen, die sogenannten Doodles. Manche davon spielt Google beinahe weltweit aus. Andere dagegen bekommen nur Ein­wohnerinnen und Ein­wohner bestimmter Länder zu Gesicht.

Doodles ohne Klischees

Der Dichter Wilhelm Busch, „Die Sendung mit der Maus“ und die Weiberfastnacht haben etwas gemeinsam: Alle drei dienten als Inspiration für eine Doodle-Grafik, die nur in Deutschland zu sehen war. Allerdings, es müssen gar nicht immer große Namen oder Feste sein. Mitte Mai vor vier Jahren etwa feierte Google mit einer Collage im Popartstyle den Beginn der Erdbeerzeit. Solche länderspezifischen Doodles kreiert das Unternehmen für verschiedenste Staaten auf der Welt.

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Mittlerweile kümmert sich ein ganzes Team bei Google um die animierten Grafiken. Doch warum betreibt das Unternehmen eigentlich solch einen Aufwand für Bilder, die in der Regel nur ein paar Stunden auf der Startseite der Suchmaschine zu sehen sind? „Ich sehe die Doodles als Bestandteil der Netzkultur, die aus einer kleinen Idee entstanden ist und sich etabliert hat“, sagt Thomas Pleil, Spezialist für Online-PR.

Google positioniert sich mit den Doodles regelmäßig zu zu relevanten Themen, erklärt der Professor für Public Relations an der Hochschule Darmstadt. „Zugleich hat das Ganze natürlich eine sehr starke Wirkung auf das Branding von Google und liefert immer wieder Gesprächsstoff“, sagt er.

Nicht immer authentisch

Zu den Aufgaben des Doodle-Teams zählt es unter anderem, dass Doodles nicht versehentlich Klischees zeigen – sondern Ereignisse und Persönlichkeiten, die für die Menschen vor Ort tatsächlich von Bedeutung sind. Diversity und Inklusion seien dabei sehr wichtig, sagt eine Sprecherin von Google.

Doch Authentizität gelingt nicht immer. Passend zu den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking zeigte Google einen Drachen, der Basketball spielt. Das Fabelwesen in dem Doodle hat drei Krallen – was allerdings typisch für japanische und nicht für chinesische Drachen sei, berichtet die Zeitschrift „Horizont“. Gravierender war ein Fehler im Jahr 2015. Damals gratulierte Google dem zentral­amerikanischen Land Nicaragua zum Nationalfeiertag – allerdings mit der sehr ähnlich aussehenden Flagge El Salvadors.

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Was ein Local Doodle Manager macht

Damit solche Fehler nicht passieren, sammelt Google einerseits Ideen von Nutzerinnen und Nutzern. Jeder kann dem Konzern via Mail einen Vorschlag für ein Doodle schicken. Andererseits beschäftigt Google spezielle Mitarbeitende vor Ort. „Wir setzen oft auf die kulturelle Expertise unserer lokalen Doodle-Manager und ‑Managerinnen auf der ganzen Welt“, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens. Diese lieferten „den kulturellen Hintergrund, um sicherzustellen, dass lokale Doodles zu einem bestimmten Land passen“.

Die lokalen Doodle-Manager sollen also die Region, in der sie eingesetzt sind, so gut kennen, dass dem Konzern mit seinen interaktiven Grafiken eben keine peinlichen Fauxpas unterlaufen. Man wolle keine Motive oder Farben wählen, die von Usern in dem Land falsch aufgefasst werden könnten, nennt Erich Nagler, Art Director bei Google, gegenüber der Zeitung „Welt“ ein Beispiel.

Kriterien für ein Doodle

Manche Doodles entstehen in ein paar Stunden, für manche braucht es Wochen – je nach Aufwand. Denn oft handelt es sich bei den Doodles nicht nur um Bilder, sondern etwa um Animationen oder sogar Minispiele. Außerdem plant der Konzern langfristig. Das Doodle-Team trifft sich jährlich, um zu entscheiden, welche Themen im kommenden Jahr als Grafik auf der Suchmaschinen-Startseite zu sehen sein werden. „Insgesamt zielt das Doodle-Auswahl­verfahren darauf ab, eine vielfältige Mischung von Themen zu feiern, die die Haltung von Google widerspiegeln, den Menschen Neues aufzeigt und vor allem für die lokale Kultur von Bedeutung sind“, erklärt die Google-Sprecherin. Außerdem sollen Doodles niemals werblich sein – und es kommen nur Personen vor, die bereits verstorben sind.

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Ein Team aus Illustratorinnen und Illustratoren sowie Entwicklerinnen und Entwicklern setzt die Doodles um. Manchmal beauftragt der Konzern zudem Künstlerinnen und Künstler damit, ein Doodle für ihr Herkunftsland zu entwerfen. Auf der Startseite der Suchmaschine sind die Werke dann zwar nur für eine kurze Zeit zu sehen. Google veröffentlicht aber alle Grafiken in einem Onlinearchiv. Neben dem Leoparden mit Snowboard und dem Pizzaminispiel gibt es dort mehr als 5000 weitere Doodles zu entdecken.

Info: In Doodles stöbern und Ideen einreichen

  • Weltweites Doodle-Archiv: Auf der Startseite von Google sind die Doodles nur für kurze Zeit zu sehen. Doch der Konzern bewahrt sie für alle zugänglich auf – samt Infos zu den Anlässen oder Personen, sowie in welchen Ländern die Grafik gezeigt worden ist. Das weltweite Doodle-Archiv ist zu erreichen unter www.google.com/doodles#archive. Wer durch Doodles stöbern möchte, die in Deutschland zu sehen waren, folgt diesem Link: www.google.com/doodles?q=germany.
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  • Eigene Ideen einreichen: Wer eine Idee für eine Doodle-Grafik hat, kann sie Google vorschlagen. Dafür hat das Unternehmen die Mailadresse doodleproposals@google.com eingerichtet. Zwar bekommen nicht alle eine Antwort – aber der Konzern verspricht, dass jede Mail gelesen wird.

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