Kolumne „Auf der Couch“

Zu wenig Geld, zu wenig Verantwortung? Wie Sie Ihre Freude am Job schlagartig auffrischen können

Ob die eigene Arbeit Spaß macht, liegt auch an der Einstellung zu ebenjener.

Ob die eigene Arbeit Spaß macht, liegt auch an der Einstellung zu ebenjener.

Vor einiger Zeit kam ein Geschäftsführer auf mich zu und bat mich, in seiner Firma die Arbeits­zufriedenheit zu analysieren. In Einzel­gesprächen sollte ich herausfinden, wie zufrieden die Mitarbeiter waren. Der Geschäftsführer gab folgende Prognose ab: „Je höher die Leute in der Hierarchie stehen, je mehr sie selbst entscheiden können, desto glücklicher werden sie sein.“ Er ging davon aus, dass seine Ingenieure sehr zufrieden waren und die angelernten Arbeitskräfte, zum Beispiel der Hausmeister­gehilfe, eher nicht.

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Doch besagter Hausmeister­gehilfe war einer der glücklichsten Menschen in dieser Firma. Er schätze es sehr, dass er durch seine Arbeit, zum Beispiel das Kehren des Hofes, zum äußeren Erscheinungsbild der Firma beitragen könne, sagte er: „Jeder sieht das Ergebnis meiner Arbeit sofort.“ Außerdem freute er sich, dass er so frei in seiner Arbeit war. „Ich muss keinen Schlips tragen, ich muss nicht im Büro sitzen – ich bin hier draußen frei wie ein Vogel.“ Dieser Mann war rundum glücklich.

Konzentration auf das, was fehlt

Aber viele der Ingenieure derselben Firma und viele der leitenden Angestellten klagten mir im Gespräch ihr Leid. Zwar verdienten sie deutlich mehr als der Hausmeister­gehilfe, zwar hatten sie mehr Macht, aber worauf konzentrierten sie sich? Auf das, was ihnen angeblich noch fehlte. Der eine wollte unbedingt die nächste Beförderung – und grämte sich, dass sie nicht kam. Der nächste war sicher, er müsse noch ein paar Tausender mehr verdienen, um endlich zufriedener zu sein. Und einer der Abteilungsleiter ärgerte sich, dass sein Chef angeblich einen Kollegen bevorzugte und ihm nur einen schmalen Etat zugestand.

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Der Hausmeister­gehilfe erfreute sich an dem, was er schon hatte, er wusste es zu schätzen. Viele andere dagegen, die eigentlich mehr hatten, konzentrierten sich auf das, was sie gern noch gehabt hätten. Aber wer immer nach dem greift, was er gerade nicht besitzt, könnte auch gleich versuchen, seinen eigenen Schatten zu fangen: Er bekommt das Gewünschte nie zu fassen.

Schätzen Sie, was Sie an Ihrer Arbeit haben?

Wie sehr wissen Sie selbst zu schätzen, was Sie bei Ihrer Arbeit haben? Konzentrieren Sie sich auf Aufgaben, die Ihnen Freude bereiten – oder grämen Sie sich eher übers Ungeliebte? Konzentrieren Sie sich auf Freiheiten, die Sie nutzen können – oder eher auf Einschränkungen durch Vorgesetzte oder durch Bürokratie? Konzentrieren Sie sich auf Kollegen oder andere Berufstätige, die weniger als Sie verdienen – oder schielen Sie vor allem auf diejenigen mit den höheren Gehältern?

Viele meiner Klienten tun sich schwer damit, die Vorzüge Ihres Berufes im Arbeitsalltag zu erkennen. Sie neigen zu dem, was Psychologen eine „Problemhypnose“ nennen: Sie starren gebannt aufs Negative.

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In diesen Fällen lade ich die Menschen gern zu folgender Übung ein: „Stellen Sie sich vor, ein verzweifelter Langzeit­arbeitsloser bekäme die Chance, plötzlich in Ihre Haut zu schlüpfen und Ihr Berufsleben zu übernehmen. Welche Annehmlichkeiten, die für Sie schon selbstverständlich sind, wüsste er wohl zu schätzen und, nach einem Tag in Ihrer Haut, zu loben? Konzentrieren Sie sich einen ganzen Arbeitstag lang auf solche verborgenen Perlen. Und halten Sie das Ergebnis abends gern in einer kurzen Liste fest. Probieren Sie diese Übung aus, ich verspreche Ihnen: Es kann Ihre Freude am Job schlagartig auffrischen.

Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor. Sein aktuelles Buch: „Den Netten beißen die Hunde: Wie Sie sich Respekt verschaffen, Grenzen setzen und den verdienten Erfolg erlangen“.

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