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Ahlem Moshe Miedzinski: "Ich denke noch jeden Tag daran"
Thema Specials So lebt Hannover West Ahlem Moshe Miedzinski: "Ich denke noch jeden Tag daran"
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16:50 08.10.2009
Von Vergangenheit verfolgt: Moshe Miedzinski am Mahnmal Quelle: Christian Behrens

Eigentlich wollte er nicht hierher kommen, nie wieder. Aber seine Kinder, sie mussten es einmal sehen. Denn vorstellen werden sie es sich wohl nie können.

Miedzinski ist im November 1944 in das Außenlager Ahlem des Konzentrationslagers Neuengamme gekommen. 65 Jahre später steht der 81-Jährige wieder genau dort, wo er misshandelt, geschlagen, ausgebeutet wurde. „Schön ist es jetzt hier“, sagt er langsam. Sein Deutsch ist gut, den polnischen Akzent hört man aber klar. Dort, wo das KZ stand, wachsen jetzt Bäume, ein Weg führt zu einem Grundstück. Das Gebiet ist jetzt Privatgelände. Dieses Mal musste Miedzinski fragen, ob er kommen darf.

1944 hatte er keine Wahl. 1940 wurde er in das Juden-Ghetto seines Geburtsortes Lodz gezwungen, im Juni 1944 nach Auschwitz deportiert. Einen Monat später mussten sein Vater und er nach Stöcken in die Conti-Produktion. In Ahlem sollten sie dann eine unterirdische Rüstungsfabrik mit aufbauen. Miedzinski war 15. Zwölf-Stunden-Schichten, jeden Tag, arbeiten bis zum Zusammenbruch. Es war kalt und feucht. Pausen verboten. Miedzinski überlebte, weil er für die Todesmärsche nach Bergen-Belsen zu Kriegsende als zu schwach eingestuft wurde und die Befreiung durch die Amerikaner am 10. April 1945 in Hannover erlebte.

In Ahlem zeigt Miedzinski das Fundament einer Baracke, zugewuchert von Sträuchern. Wo genau was war, will sein Sohn Ofer wissen. Miedzinski zeichnet eine Skizze. Den SS-Turm. Die Küche. Die Schlafgebäude. Und den Raum, hinten rechts, aus dem fast nie jemand wieder zurückkam. Seine Erinnerung ist ungetrübt.

„Ich denke noch jeden Tag daran. Ich träume davon. Ich werde das nie wieder los.“ Er wirkt stark, er sagt, Deutschland habe sich geändert. Wiederkommen will er nicht, denn auch einen starken Mann wie ihn kostet ein Besuch in dieser Vergangenheit zu viel Kraft.

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