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So lebt Hannover Ehepaar ist 26 Sekunden von 800 Euro entfernt
Thema Specials So lebt Hannover Ehepaar ist 26 Sekunden von 800 Euro entfernt
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17:17 06.07.2018
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Hannover

 Wer zahlt die Entschädigung bei Flugverspätungen? Nach Meinung eines Stuttgarter Ehepaars: die Fluggesellschaft. Klingt logisch.

Die beiden hatten ihren letztjährigen Flug in das portugiesische Faro bei dem hannoverschen Reiseunternehmen Tuifly gebucht. Das Flugzeug war allerdings mit einer Verspätung von drei Stunden und 18 Minuten abgehoben. Der Pilot konnte während des Fluges 19 Minuten wieder gutmachen. Das Resultat war eine verspätete Ankunft von zwei Stunden, 59 Minuten und 24 Sekunden. Für die eingeforderte Entschädigung von 800 Euro hätte das Ehepaar drei Stunden Verspätung haben müssen.

Richterin Dagmar Frost vom Amtsgericht Hannover
musste nun darüber entscheiden, ob Tuifly dennoch zahlen muss. Die Stuttgarter gaben an, dass durch das verspätete Verlassen des Flugzeugs die Rechtsgrundlage für eine Zahlung gegeben sei. Die Richterin, der das automatisch generierte Flugprotokoll vorlag, merkte an, dass die Öffnung der Flugzeugtür den juristischen Zeitpunkt der „Ankunft“ festlege. Diese hätte zehn Sekunden gedauert und somit seien die drei Stunden Verspätung offiziell um 26 Sekunden unterschritten worden.

Der Anwalt der Kläger be-zeichnete diese Regelung als „nicht lebensnah“, da es nach dem Öffnen der Türen eine beträchtliche Zeit bräuchte, bis man das Flugzeug verlassen könne. „Das hat die Fluggesellschaft aber nicht zu verantworten“, erläuterte die Richterin die gesetzliche Regelung des Europäischen Gerichtshofs, „wenn ich aus dem ICE von Berlin steige, braucht es auch gute zehn Minuten, bis ich auf dem Gleis stehe.“

Als Alternative bot Frost die Erstellung eines Gutachtens an, bei dem unter Beobachtung eine Flugzeugtür 100-mal geöffnet und geschlossen werden würde. Aufgrund der dafür anfallenden Kosten von bis zu 6000 Euro lehnte der Klägeranwalt allerdings das Angebot ab.

Von Jan Heemann