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West Zur Befreiung wehte die Trikolore
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00:15 26.01.2014
Französische Häftlinge des Frauen-KZs Limmer nach ihrer Befreiung. Entgegen des bisherigen Forschungsstandes wurde das Foto nicht in Bergen-Belsen, sondern vermutlich in Limmer aufgenommen. Quelle: Historisches Museum Hannover
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Limmer

Bis zu 1000 Frauen waren es, die einst das KZ Limmer erleiden mussten und in Tag- und Nachtschicht bei der Conti Gasmasken produzierten. Von Juni 1944 bis April 1945 existierte das Konzentrationslager auf dem Gelände der Gummifabrik. Für ein würdiges Gedenken an die Inhaftierten setzt sich seit 2009 der Arbeitskreis „Ein Mahnmal für das Frauen-KZ Limmer“ ein. Er gab dazu bereits eine Broschüre heraus und fand zudem die Unterstützung des Bezirksrats, Straßen auf dem Terrain der künftigen Wasserstadt Limmer nach ehemaligen Inhaftierten des KZ zu benennen. Das Schicksal der Frauen geriet für die Initiative inzwischen zu einer echten Forschungsarbeit, aus der nun eine umfassende Publikation entstehen soll.

„Seit Kurzem wissen wir auch Näheres über den ‚Todesmarsch‘, den die Frauen mit der Evakuierung des Lagers antreten mussten“, berichtet Horst Dralle vom Arbeitskreis für das KZ-Mahnmal. Ausgehungert, geschwächt und in Holzpantinen wurden sie am 6. April 1945 aus ihren Baracken in Limmer getrieben. Den Kanal entlang ging es zur Steintormasch, an der Graft entlang und am Berggarten vorbei nach Stöcken. In Höhe der heutigen Autobahn 2 stießen die Frauen auf Leidensgenossen aus dem KZ Ahlem. Am ersten Tag schleppte sich die Kolonne bis nach Fuhrberg, am zweiten nach Hambühren und am dritten Tag weiter in Richtung Bergen-Belsen.

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Wer unterwegs entkräftet zusammenbrach, wurde kurzerhand von einem der SS-Wachmänner erschossen und am Wegesrand liegengelassen. Sieben Frauen aus dem KZ Limmer sowie zwei Männer aus dem KZ Ahlem rettete ein mutiger Bewohner aus Südwinsen das Leben. Der Tischler Wilhelm Scheinhardt versteckte sie in einem Stall und gab ihnen zu essen und zu trinken, bis das Schreckensregime der Nazis bald darauf ein Ende hatte.

In dem heutigen Stadtteil von Winsen an der Aller wird diskutiert, für das couragierte Handeln dieses Mannes eine Gedenktafel anzufertigen. In Limmer hat derweil die Initiative ihre Arbeit beständig erweitert. Kontakte pflegt sie unter anderem zur Gedenkstätte in Neuengamme, wo sich während der NS-Zeit die „Hauptstelle“ zahlreicher Konzentrationslager in Norddeutschland - auch für Limmer - befand. Auch Nachforschungen bei anderen Institutionen zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen, der Austausch mit Historikern und ausgiebige Internetrecherchen brachten beständig mehr Erkenntnisse.

Mit dem geplanten Buchprojekt hat sich der Arbeitskreis eine große Aufgabe gestellt. Zu der Runde zählen derzeit an die 15 Aktive. Etwa in zwei Jahren, schätzt Dralle, könnte der erste von zwei Bänden veröffentlicht werden. Es besteht Zuversicht, eine oder mehrere Stiftungen zu finden, die die Publikation finanziell fördern. In dem geplanten Buch wird auch ein ausführlicher Bericht von Simone Rohner zu lesen sein. „Ihre Erinnerungen an das KZ Limmer hat sie gleich nach dem Krieg aufgeschrieben und sie sind damit höchst authentisch“, erläutert Dralle.

Simone Rohner gehörte zu den 78 Frauen, die am 6. April 1945 nicht marschfähig waren und in den Baracken des KZ Limmer zurückblieben. Anfangs wurden sie noch von zwei SS-Leuten bewacht, die sich aber so schnell wie möglich verdrückten. Schreie, Prügel und Schikanen waren damit Vergangenheit. Im Lager herrschte plötzlich Ruhe, und gemeinsam warteten die Insassinnen auf die Ankunft der näher rückenden US-Soldaten. Vier Tage lang mussten die Frauen noch ausharren. Französinnen unter ihnen hatten während dieser Zeit eine provisorische „Tricolore“ - die französische Fahne - hergestellt. Mit stolz erhobener eigener Flagge begrüßten sie am 10. April 1945 ihre Befreier.

Von Gerda Valentin

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