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Ost Container-Kita hinter der Sophienschule geplant
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00:15 12.10.2013
Von Stefanie Kaune
Zwischen KWR und Sophienschule will die Stadt eine temporärer Kita in Containern einrichten – so wie hier am Welfenplatz.
Zwischen KWR und Sophienschule will die Stadt eine temporärer Kita in Containern einrichten – so wie hier am Welfenplatz. Quelle: Kostyrko (Archiv)
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Hannover

Der Druck, neue Kita-Plätze zu schaffen, lässt die Stadt zu strittigen Maßnahmen greifen: Auf einem Teilstück der gemeinsam genutzten Außensportanlage von Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (KWR) und Sophienschule in der Lüerstraße will die Verwaltung schnellstmöglich eine Kindertagesstätte mit 80 Plätzen als eingeschossigen Containerbau errichten - was Schulleitern und Elternvertretern gar nicht passt. Mit Bestürzung und Verärgerung haben sie auf die jetzt bekannt gewordenen Pläne reagiert. Der Sportunterricht werde durch die Bebauung unzumutbar eingeschränkt, betonen sie. Zudem fühlen sich die Schulleitungen und die Eltern von der Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt.

„Die Verwaltung hat uns Ende September nur noch mit den Fakten konfrontiert, ohne dass wir unsere Bedenken hätten einbringen können“, sagt Ruth Völker, die das KWR leitet. Die Kita, die für eine temporäre Nutzung auf drei Jahre angelegt ist, soll bereits im Frühjahr den Betrieb aufnehmen, wie Stadtsprecherin Konstanze Kalmus bestätigt. Schon in den Herbstferien sollen auf dem Sportrasenfeld vorbereitende Arbeiten für die Außenanlagen der Tagesstätte mit vier Gruppen beginnen, die insgesamt 3200 Quadratmeter beanspruchen wird. „Das wäre in etwa die Hälfte der betreffenden Rasenfläche“, kritisiert Völker. Die Oberstufenkurse für das Sport-Abi seien durch den Wegfall ebenso gefährdet wie Bundesjugendspiele und Sportfeste.

Auch Jochen Degner, stellvertretender Leiter der Sophienschule, deren Außenstelle für die fünften bis siebten Jahrgänge sich in der Lüerstraße befindet, bemängelt die Planungen. „Die Außenfläche ist in ihrer kompletten Größe zwingend erforderlich“, sagt er. Das gelte insbesondere, um die Leichtathletikangebote im gewohnten Umfang zu erhalten. Insgesamt nutzten im Sommer rund 1700 Schüler die Sportflächen, unterstreicht Degner. Er fürchtet zudem massive Problem bei der geplanten Erschließung der Kita über die relativ schmale Zufahrt zum Lehrerparkplatz der Sophienschule. „Das ist schon jetzt ziemlich eng dort“, gibt Degner zu bedenken

Die Verwaltung begründet ihre Pläne damit, dass die Kita-Plätze im Stadtbezirk Mitte, zu dem auch das Zooviertel gehört, kurzfristig nötig seien, weil ein geplantes dauerhaftes Neubauprojekt dort erst 2016 fertig wird. Zudem blieben Laufbahn, Sprunggruben und Tennisplätze komplett erhalten, nur die Rasenfläche mit dem Ballspielfeld sei betroffen. Die Stadt biete zudem an, zu prüfen, ob Sportvereine in nicht allzu weiter Entfernung Ausweichflächen für den Schulsport zur Verfügung stellen könnten, sagt Kalmus. Mit rund 1,3 Millionen Euro beziffert die Stadt die Kosten für das Kita-Gesamtprojekt inklusive Miete und Rückbau des Containergebäudes.

Kurz vor der Sommerpause Ende Juni wurde diese Summe per Eilentscheidung im Verwaltungsausschuss des Rates bewilligt. Dass die Schulen indessen erst Ende September offiziell über die Planungen informiert wurden, sei „ein echter Fehler“ gewesen, räumt Kalmus ein. „Das war ein totaler Schnellschuss“, ärgert sich Thomas von Hodenberg, Elternratsvorsitzender des KWR. „Offenkundig war keine Diskussion mit den Beteiligten gewollt“, vermutet er. Es möge zwar den Zwang für die Stadt geben, den Rechtsanspruch auf Kita-Plätze umzusetzen. „Dennoch wäre ein planvolles Verfahren nötig.“ Andrea Mehring aus dem Schulelternrat der Sophienschule sieht unterschiedliche Interessen gegeneinander ausgespielt: „Der Preis für neue Kita-Plätze ist ein eingeschränkter Sportunterricht.“

Norbert Gast (Grüne), Bürgermeister des Stadtbezirks Mitte, warnt ebenfalls davor, über eine Interessenlage die andere zu vergessen. Wie CDU-Fraktionschef Dieter Prokisch zeigt er sich zudem „irritiert“ über den schnellen Verlauf des Verfahrens. „Wir stehen zur Forderung nach Kita-Plätzen, aber man hat den Eindruck, die Verwaltung hat sich nicht die Mühe gemacht, intensiv überall zu suchen“, meint Prokisch. Um Vermittlung bemüht zeigt sich der stellvertretende Bezirksbürgermeister Michael Sandow (SPD): „Wir stehen in einer Gesamtverantwortung, und ich bin zuversichtlich, dass wir nach einem gemeinsamen Ortstermin eine Lösung finden, die allen gerecht wird.“

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