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Ost Fledermäuse ziehen an die Schule
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07:14 28.02.2012
Von Conrad von Meding
Nistkästen für Fledermäuse und Mauersegler: Hochtief-Projektleiter Jörg Jungesblut mit der flachen Konstruktion für Fledermäuse.
Nistkästen für Fledermäuse und Mauersegler: Hochtief-Projektleiter Jörg Jungesblut mit der flachen Konstruktion für Fledermäuse. Quelle: Steiner
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Zoo-Viertel

In großer Zahl sind in den vergangenen Monaten Bäume im Zooviertel gefällt worden. Weil dabei auch Nisthöhlen unter anderem für die geschützten Fledermäuse zerstört worden sind, hat sich das Bauunternehmen Hochtief jetzt um Ersatz gekümmert. 56 Nistmöglichkeiten für Mauersegler und Fledermäuse werden an den Gebäuden benachbarter Schulen installiert: Am Montag war das Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (KWRG) dran, am Dienstag die Außenstelle der Sophienschule in der Lüerstraße.

Das Unternehmen habe schon bei den Fällungen alle Vorschriften zum Schutz der Vögel peinlich eingehalten, betont Projektleiter Jörg Jungesblut: „Jeder Baum wurde vorher von einer Ornithologin auf mögliche Nistplätze untersucht.“ Weder bei den Fällungen für das große Wohngebiet an der Mars-la-Tour-Straße noch bei denen auf dem Bunkergrundstück Lönsstraße seien besetzte Nisthöhlen gefunden worden. Wohl aber potenzielle Nisthöhlen. Für diese werde jetzt Ersatz geschaffen.

„Es gab mehrere Bäume, in denen Spalten oder andere Hohlräume Fledermäusen die Möglichkeiten für eine Höhlennutzung geboten hätten“, sagt Jungesblut. Sofort nach Freigabe durch die Ornithologin seien diese Löcher mit Bauschaum verschlossen worden, damit sie nicht vor der Fällung überraschend von Vögeln belegt werden konnten.

An der Klinkerfassade des KWRG wurden am Montag die ersten Ersatznistkästen montiert. 30 Nistplätze für Mauersegler, Meisen und Sperlinge (Hausspatzen) wurden von Jungesblut und seinen Kollegen ans Mauerwerk gedübelt. Zusätzlich montierte das Team zehn flache Nistkästen für Fledermäuse: Die geschickten Segler klammern sich in den spaltenähnlichen Hohlräumen aus Beton fest und halten dort ihren Winter- oder Tagesschlaf.

Am heutigen Dienstag ist die Außenstelle der Sophienschule an der Reihe. An dem ehemaligen Hauptschulgebäude werden zwölf Nistmöglichkeiten für Mauersegler, Meisen und Sperlinge sowie vier für Fledermäuse montiert.

„Wir hätten die Nistkästen auch an unseren eigenen Neubauten installiert“, sagt Jungesblut: „Aber die werden ja erst in anderthalb Jahren fertig.“ Der Region als Aufsichtsbehörde hingegen sei ein zeitnaher Ersatz wichtig gewesen. „Die Schulen haben Interesse bekundet“, sagt Jungesblut: „Dort können, wenn die Nistmöglichkeiten angenommen werden, künftig tagsüber und in der Dämmerung Vögel und Fledermäuse beobachtet werden.“

Wie berichtet, beklagen Naturschützer die zunehmende Zahl schwer verletzter Fledermäuse, die von Baumfällungen aus dem Winterschlaf gerissen werden. Starke Quetschungen, offene Brüche und schwere Splitterverletzungen trügen die gequälten Tiere davon, wenn Bäume unachtsam gefällt würden, sagt die Tierärztin und Fledermausexpertin Renate Keil aus Misburg. Im vergangenen Jahr seien bei ihr 350 verletzte Tiere behandelt worden – nicht alle nach Winterfällungen, sondern auch nach Dachausbauten oder anderen menschlichen Eingriffen.

Wer verletzte Tiere findet, sollte umgehend den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) unter Telefon (05 11) 66 00 93 informieren oder das verletzte Tier bei der Heimtierpraxis der Tierärztlichen Hochschule im Bünteweg abgeben. Beide nehmen dann in der Regel Kontakt zu Tierärztin Keil auf.