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13:23 10.10.2013
Von Daniel Junker
Auftrag Abfall: Jürgen Hoffmann und seine Kollegen sind mit den aha-Fahrzeugen von der Karl-Wiechert-Allee aus im Stadtgebiet unterwegs. Quelle: Daniel Junker
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Groß-Buchholz

Wenn ein guter Teil Hannovers noch schläft, trudeln auf dem Betriebshof des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) an der Karl-Wichert-Alle schon die ersten Mitarbeiter ein. Bereits um 6.45 Uhr ist Dienstbeginn. Vorher ziehen sich die Abfallwerker natürlich noch um und bereiten sich auf ihren Dienst vor. In einer Besprechung werden den Müllwerkern ihre jeweiligen Touren zugewiesen. 22 Besatzungen fahren täglich von der Karl-Wiechert-Allee aus durch die Stadt, um all das abzuräumen, was die Leute so wegwerfen.

Peter Linnemann und Rolf Denecke sind heute zusammen mit ihrem Fahrer Jürgen Leder in Misburg unterwegs. Pünktlich um 6.50 Uhr verlassen sie den Betriebshof, zehn Minuten später erreichen sie ihr Einsatzgebiet. Während Leder das große Fahrzeug souverän durch den Verkehr lenkt, laufen Linnemann und Denecke von Haus zu Haus und schieben die Müllcontainer heran. „Wir bieten einen Vollservice an“, sagt aha-Sprecher Stefan Schlutter dazu. „Die Behälter werden direkt von den Grundstücken geholt und auch wieder dorthin zurückgebracht.“ Dieser Service gilt bis zu 15 Metern von der Bordsteinkante.

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Bis zu drei Stunden dauert eine Tour. Danach steuert Leder direkt die Mülldeponie in Lahe an. Dort wird das Fahrzeug entleert, und nach einer Frühstückspause kommt dann auch schon wieder das nächste Wohngebiet an die Reihe. Bis zu 40 Wagenladungen werden so täglich aus dem Stadtgebiet zur Deponie nach Lahe transportiert. „Je nach Tour und Containertyp sind zwei oder drei Mann in einer Kolonne unterwegs“, sagt Betriebsstättenleiter Uwe Öhlerking. Dazu kommt jeweils ein Fahrer. Im Umland der Landeshauptstadt wechseln sich hingegen häufig ein Fahrer und ein Müllwerker ab. „Dieses Vorgehen ist durch die Sackabfuhr im Umland so gewachsen“, erklärt Öhlerking.

Fast der gesamte Bereich der Stadt Hannover wird von der Karl-Wiechert-Allee aus angefahren, die Gemeinden des ehemaligen Landkreises werden dagegen von den Betriebshöfen in Laatzen, Garbsen und Burgdorf versorgt. „Die Region Hannover hat in etwa die Größe des Saarlandes“, sagt Öhlerking. Durch die Aufteilung in die vier Betriebsstätten seien die Orte besser und wirtschaftlicher zu erreichen. Im Stadtgebiet werden lediglich Linden, Herrenhausen und Stöcken aus Garbsen angesteuert. „Von dort ist das ein Katzensprung, die Mitarbeiter müssen dann nicht erst durch die ganze Innenstadt fahren“, sagt Öhlerking. „Schließlich soll die Müllentsorgung ökologisch und ökonomisch sein.“

Wenn Linnemann, Denecke und Leder die Betriebsstätte mit ihrem Müllfahrzeug um 6.50 Uhr verlassen, um den Abfall in den Wohngebieten abzuholen, wird einige Meter weiter in der riesigen Kfz-Werkstatt auf dem aha-Gelände schon längst geschraubt und geschweißt. Vier Teams mit insgesamt 50 Mitarbeitern kümmern sich darum, dass die Fahrzeuge verkehrssicher sind. „Wir haben drei Teams für Nutzfahrzeug und eins für Pkws“, sagt Teamleiter Klaus Huschke. Morgens werden in der Halle täglich um die 20 Nutzfahrzeuge durchgecheckt. Vom Austausch von Glühlampen bis zu großen Reparaturen ist alles dabei. In einer der 14 Gruben, über die die Mitarbeiter von unten an die Fahrzeuge herankommen, überprüft Julius Dörbeck gerade das Öl eines Müllfahrzeugs. Dörbeck ist einer von vier Auszubildenden im dritten Lehrjahr, die in der Werkstatt ihren Beruf erlernen. Gleich nebenan ist die Mechatronikerin Miriam Fischer an einer der vier Lkw-Bühnen damit beschäftigt, eine Stoßstange zu wechseln.

„Dazu kommen bis zu acht mögliche Großreparaturen“, sagt Huschke. „Sie dauern relativ lange, und auch die Wartungsarbeiten sind sehr intensiv.“ Bei einem Pressplattenwagen für Papier benötigen die Mechaniker zum Beispiel allein für die Aufbauwartung, die alle zwei Jahre fällig ist, bis zu 28 Stunden. Dazu kommen halbjährliche kleinere Wartungen. Für die Reifen ist allein André Hammerschmidt zuständig: 15 Minuten braucht er für einen kompletten Reifenwechsel, das Umziehen der Reifen dauert rund 30 Minuten. Pro Tag geht die Bereifung von rund 35 Fahrzeugen durch seine Hände.

Die Mitarbeiter der Werkstatt müssen sich mit allen Fahrzeugtypen auskennen. „Wir betreuen verdammt viele verschiedene Fahrzeuge“, sagt Huschke. Der Zweckverband aha hat allein fünf unterschiedliche Müllfahrzeuge im Einsatz. Dazu kommen die Containerwagen, die Kehrmaschinen der Stadtreinigung, Streufahrzeuge und viele weitere Typen. In der aha-Werkstatt werden übrigens auch die Autos der Stadt und der hannoverschen Feuerwehr in Stand gehalten. „Wir betreuen insgesamt rund 2700 Fahrzeuge“, sagt Huschke. Und aha hat sogar eine eigene Fahrschule. „So können wir besser und effizienter ausbilden und auch schneller auf aktuelle Anforderungen reagieren“, erläutert der Teamleiter. Dabei werden die Fahrer auch in Fragen der Sicherung von Ladungen sowie im verbrauchsarmen Fahren geschult. „Auf die gesamte Flotte gerechnet, kommen da richtige Summen an Treibstoff zusammen“, sagt Huschke.

Direkt neben der Autowerkstatt hat aha die Betriebstechnik mit eigener Metallwerkstatt und Tischlerei eingerichtet. „Wir fertigen hier zum Beispiel die Treppen für die Container auf den Wertstoffhöfen an“, sagt der technische Sachbearbeiter Thorsten Butzmann. Die Treppen hat aha selbst entwickelt. Mittlerweile werden sie sogar an andere Abfallunternehmen verkauft - zum Beispiel nach Hildesheim. „Die Treppen, die es auf dem Markt gibt, waren für uns nicht passend“, sagt Stefan Radtke, der die Stiegen mit konzipiert hat. Denn aha lege Wert darauf, dass die Auftrittshöhe für die Nutzer möglichst komfortabel sei. Die Mitarbeiter der Betriebstechnik halten auch die Gebäude von aha instand. Insgesamt sind dort drei Schlosser, zwei Klempner, drei Elektriker, zwei auszubildende Industriemechaniker, ein Dachdecker und ein Maler im Einsatz.

Übrigens kommen auch die Wertstoffsäcke, die kostenlos im Einzelhandel verteilt werden, von der Karl-Wiechert-Allee: Dort hat aha ein Großlager. Drei Lieferfahrzeuge bringen die Säcke zu den Geschäften in Stadt und Umland.

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