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Landtagswahl 2017 Düzen Tekkal unterstützt das Wahlkampfteam von Bernd Althusmann
Thema Specials Landtagswahl 2017 Düzen Tekkal unterstützt das Wahlkampfteam von Bernd Althusmann
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00:16 07.10.2017
Düzen Tekkal (2. v.l.) verstärkt das Wahlkampfteam von Bernd Althusmann (CDU) als Integrationsbeauftragte. Quelle: Randermann
Hannover

Frau Tekkal, Sie sind nun offiziell im Kompetenzteam der CDU als Integrationsbeauftragte und Staatssekretärin. Wie kam es dazu?

Ich bin ja bereits länger gesellschaftlich aktiv und im vergangenen Jahr habe ich mich entschlossen, auch für eine demokratische Partei Flagge zu zeigen. Endgültig überzeugt hat mich dann Kongress „Vergewaltigung ist eine Kriegswaffe“ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Sommer, für den sich auch unsere Bundeskanzlerin Zeit nahm. Gesellschaftspolitisches Engagement ist wichtig. Aber um zu gestalten und zu verändern, muss man sich eben auch parteipolitisch in Prozesse einbringen. Und dafür gibt es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt.

Warum?

Ganz einfach: Weil ich glaube, dass sich auch bei der Bundestagswahl gezeigt hat, dass Demokratie ein zarter dünner der Lack ist, den wir tagtäglich verteidigen müssen. In meiner Arbeit als Journalistin, Kriegsberichterstatterin und Menschenrechtsaktivistin habe ich gelernt zu erkennen, wo der Schuh drückt. Und nun habe ich gemerkt, dass die Menschen nicht mitgenommen worden sind und sich das im Wahlergebnis deutlich gezeigt hat. So haben wir Menschen Hasspredigern und Populisten überlassen, von rechter, linker und religiöser Seite. Wir müssen unsere Demokratie leben und verteidigen! Ärmel hochkrempeln und Probleme lösen, statt nur Talkshows zu bespielen.

Wie wollen Sie das schaffen?

So wie ich es bisher auch gemacht habe, nicht über, sondern mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Bislang tabuisierte Themen ansprechen, leise Stimmen hörbar machen. Die Menschen spüren genau, wenn sie im Konzert der öffentlichen Meinung ignoriert oder an den Rand gedrängt werden. Wir müssen Vertrauen wieder zurück gewinnen und beweisen, dass wir berechtigte Sorgen ernst nehmen, wirklich ernst nehmen. Wer Migranten in unsere Gesellschaft aufnehmen will, kann doch nicht gleichzeitig Einheimische an den Rand drängen! So entsteht kein Zusammenhalt und keine gemeinsame Zukunft! Ich will verändern. Glaubwürdigkeit ist hart erarbeitet, aber schnell verloren. Das Lebensmotto „Weiter so“ passt einfach nicht mehr.

Das dürfte auch für Politiker gelten.

Die Insel der Seligen gibt es auch in den Parlamenten nicht mehr. Es wird zur Sache gehen müssen, auf allen Ebenen. Manche schlucken, wenn ich sage: Flüchtlinge an der Grenze aufzunehmen bedeutet, dass nur junge Männer und Leute durchkommen, die Schlepper bezahlen können. Das ist weder klug noch gerecht! Ich denke, dass wir intensiver, streitbarer und provokativer diskutieren müssen und die Probleme ganz offen ansprechen, die wir zu meistern haben.

Welche sind das Insbesondere?

Wir haben in Niedersachsen, etwa in Salzgitter, Delmenhorst und Wilhelmshaven, AfD-Wahlergebnisse, die uns nicht zufriedenstellen können. Viele dieser Menschen haben lange demokratische Parteien gewählt, die können wir nicht als rechtsextrem abschreiben! Da müssen wir zuhören und auch erkennen, wo wir besser werden müssen. Solche Dinge müssen wir ansprechen. Wir tun uns keinen Gefallen damit, Themen und letztlich Menschen wegzudrücken.

Sie sind Hannoveranerin, die in Berlin lebt. Hat das Amt etwas von nach Hause kommen?

Ja! Als Kind wurde ich als Vierjährige an der Hand meines Vaters in die Demokratie eingeführt, da hat er mich das erste Mal mit in unseren Landtag genommen. Heute komme ich alleine zurück, das Kind ist erwachsen geworden. Ich habe Niedersachsen eine glückliche Kindheit zu verdanken und will etwas zurückgeben.

Zum Beispiel was?

Zum Beispiel, dass jedes Kind seine Chancen erhält. Unabhängig davon, wie viel Geld die Eltern haben und woher sie kommen. Und auch unabhängig davon, ob sie Jungen oder Mädchen sind. Denn an verpassten Chancen sind eben nicht immer nur Staat oder Gesellschaft schuld, sondern ganz oft auch kulturelle und religiöse Vorstellungen, die nicht hierher gehören. Dass kleine Mädchen Kopftuch tragen müssen, Schulkinder wochenweise fasten oder Frauen und damit auch Lehrerinnen verachtet werden, sind Dinge, die wir nicht länger hinnehmen dürfen. Gerade auch als Kind von Flüchtlingen, dass selbst gegen überkommene Traditionen kämpfen musste, kann und will ich da deutlich und ohne falsche Toleranz auftreten.

Warum haben Sie ich eigentlich für die CDU entschieden? Aufgewachsen sind Sie ja eher in einem SPD-Umfeld.

Ich hatte schon früh das Gefühl, dass sich Deutschland nicht nur durch seinen Wohlstand und dessen Verteilung definiert, sondern durch Werte. In der CDU bin ich Du auf Menschen getroffen, die diese Werte leben und wo nötig auch verteidigen. Außerdem wurde ich nicht zum Opfer stilisiert, um dass man sich kümmern muss, sondern als eigenständiges Wesen wahrgenommen, dass Selbstverantwortlich handeln kann. Es kommt mir weniger ideologisch vor und ich habe das Gefühl, dass ich kritischer sein kann, insbesondere in Migrationsfragen. Die SPD hat es geschafft, die Elterngeneration der Einwanderer abzuholen. Aber sie hat es nicht geschafft, sich um die zweite Generation zu kümmern.

Von Mirjana Cvjetkovic