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Brennpunkt Hochwasser: Region Hannover säuft ab
Thema Specials Brennpunkt Hochwasser: Region Hannover säuft ab
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19:57 27.05.2013
Nach dem Dauerregen sind einige Straßen in Hannover überschwemmt. Das Wasser wird aus den Gullys gedrückt. Die Feuerwehrpumpen laufen auf Hochtouren. Quelle: Mast
Hannover

Die große Welle kam in der Nacht. Innerhalb weniger Stunden stieg das Wasser, es kam aus von der Beuster, einem Nebenfluss der Innerste. Es gluckerte aus den Gullys, lief in einen kleinen Stall, dann in einen großen. Rudolf Schünemann, stellvertretender Vorsitzender des Reitvereins Hubertus in Marienburg (Hildesheim), war in Sorge um die Tiere. Und von oben kam immer mehr Wasser dazu.

„Bis drei Uhr ist der Pegel angestiegen“, sagt er. „Schließlich haben wir die Pferde evakuiert.“
30 Tiere hat der Verein auf seinem Hof. Neun brachten Schünemann und seine Helfer noch in der Nacht aus ihrem kleinen Stall in die Reithalle. Dort hatte der Verein aus Sprunghindernissen Behelfsboxen gebaut. „Inzwischen haben wir die Pferde zu befreundeten Vereinen gebracht“, sagt Schünemann.

Fotos: Elsner, Wilde, Dröse, Dillenberg

Der Reitverein hatte sich vorbereitet. Als sich das Hochwasser andeutete, bestellte Schumann die anderen Vereinsmitglieder zum Helfen. In der Nacht mussten sie anpacken: Sie holten die Pferde aus dem Stall. 30 Zentimeter hoch stand das Wasser hier. Im anderen Stall stapelten sie Sandsäcke. Dann kämpften sie gegen das Wasser, das von außen eindrang. „Wir haben den Stall leergeschippt“, sagt Schünemann.
Doch irgendwann hatte sie keine Chance mehr. Sie alarmierten die Feuerwehr. Für Ortsbrandmeister Friedel Beeg der letzte große Einsatz. Am Freitag geht der 62-Jährige in Feuerwehrrente. Seine Kameraden und er pumpten das Wasser ab und ließen es auf benachbarte Felder laufen.

Foto: Mast

Sie mussten damit rechnen, die Menschen in Marienburg und in anderen Orten in der Region Hildesheim. Denn durch den ständigen Regen wurde die Innerste immer voller, verstärkt durch den Druck des Wassers aus dem Harz. Das fließt über die Innerste und deren Nebenflüsse ab. Von dort aus gelangen die Wassermassen normalerweise in die Leine - doch diesmal war es einfach zu viel.
In Hildesheim passierte das auch in der Innenstadt. In der Nacht zu Montag mussten Häuser mit Tausenden von Sandsäcken gesichert werden. Probleme bereite zudem das Grundwasser, das in die Keller drücke, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Gemeinden Holle und Bad Salzdetfurth haben Krisenstäbe eingerichtet.
In Sottrum sperrten Feuerwehrleute die Straße in Richtung Holle. Dort stand das Wasser 30 Zentimeter hoch. Auch am Ortsausgang von Holle war kein Durchkommen. Auch dort hatten die Feuerwehrleute eine Sandsackbarriere aufgebaut. Die Säcke schützen auch die Häuser am Dorfrand vor dem Wasser. Die Feuerwehr habe „ganz tolle Arbeit“ gemacht, meint eine Anwohnerin.
Schließlich wissen sie in Holle noch ganz genau, was Schreckliches passieren kann. Vor sechs Jahren waren Dämme gebrochen. „Das Wasser stieg schier unaufhörlich. Bei mir hat es das Schmutzwasser aus der Toilette wieder nach oben gedrückt“, erinnert sich die Frau. „Die Leute waren dieses Mal schon darauf eingestellt“, sagt ihr Mann.
In Heinde, an der Messstation der Innerste, lag der Pegel am Nachmittag bei 640 Zentimetern - Tendenz: gleichbleibend. Doch damit lag das Hochwasser nur 35 Zentimeter unter dem von 2007.
Auch Feuerwehrmann Friedel Beeg meint: „Das Hochwasser hat die gleiche Qualität wie 2007“. Dennoch konnte er leichte Entwarnung auf dem Hof des Reitvereins Hubertus geben: „Die Lage entspannt sich langsam“, sagt der Ortsbrandmeister.

Christian Franke