Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
NP-Sportlerwahl 2021 Havelses historischer Aufstieg: TSV feiert Rückkehr in Profifußball nach zwei Jahrzehnten
Thema NP-Sportlerwahl 2021

NP-Sportlerwahl 2021: TSV Havelse feiert Rückkehr in den Profifußball

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:40 28.12.2021
Partystimmung: Die Havelser feiern im Juni nach dem Heimsieg gegen Schweinfurt den Aufstieg.
Partystimmung: Die Havelser feiern im Juni nach dem Heimsieg gegen Schweinfurt den Aufstieg. Quelle: Debbie Jayne Kinsey
Anzeige
Hannover

Verkürzte Saison, Aufstiegshickhack, aber am Ende schaffte der TSV Havelse im Sommer Historisches: Nach zwei 1:0-Siegen in den Aufstiegsspielen stand nach zwei Jahrzehnten die überraschende Rückkehr in den Profifußball fest. Wenn Havelses Kapitän Tobias Fölster daran denkt, so sagt er, „bekomme ich immer noch Gänsehaut“. Jetzt lebt der kleine Klub aus Garbsen den Traum von der 3. Liga.

Dabei lief es zeitweise ziemlich unstet in Liga 4. Wegen der Corona-Lage wurde die Regionalliga-Saison erst unter- und dann vorzeitig abgebrochen. „Das war schon nervig“, erinnert sich Innenverteidiger Fölster an die Ungewissheit. Doch Havelse machte das Beste aus der Situation: mit Videotraining per Internet während des Lockdowns und Einheiten auf dem Platz, wann immer es erlaubt war. Aufstiegstrainer Jan Zimmermann war schließlich „immer überzeugt davon, dass es irgendwie weitergeht“, berichtet der Kapitän. „Klar gab es da als Spieler auch mal schwierige Phasen, ohne richtiges Ziel zu trainieren und sich immer zu motivieren. Aber es hat sich ausgezahlt!“

Havelse wurde am grünen Tisch zum Nord-Kandidaten für die Aufstiegsspiele ernannt. Die Bilanz bis dahin: sechs Siege, zwei Unentschieden, nur eine Niederlage. Und jede Menge Selbstvertrauen! „Zimbo hat uns von Anfang an gesagt, dass wir aufsteigen werden. In der Kabine haben wir immer gesagt: ganz schön hoch gegriffen. Aber er hat uns das eingetrichtert.“ Wie erfolgreich das war, bekam in den Aufstiegsspielen der favorisierte Süd-Gegner Schweinfurt zu spüren. „Von außen haben nicht viele an unsere Chance geglaubt. Aber wir haben immer fest daran geglaubt.“

Der TSV Havelse wirbt um Ihre Stimme!

Im Hinspiel sorgte Innenverteidiger Fölster selbst für die Partystimmung – in der letzten Minute der Nachspielzeit, mit einem eigentlich ungefährlichen Freistoß. „Der war schon schlecht geschossen“, gibt der Verteidiger zu, der sich den Ball geschnappt hatte, weil die eigentlichen Freistoßschützen nicht mehr auf dem Feld standen. „Als ich den Ball habe fliegen sehen, habe ich nur gedacht: Okay, den hält er jetzt fest. Aber plötzlich haben die Jungs um mich rum gefeiert.“ Der lasche Freistoß war dem Schweinfurter Keeper durch die Hände geflutscht, Havelse feierte den ersten Streich „feuchtfröhlich“ auf der Rückfahrt. „Aber ab dem Morgen lag unser Fokus auf dem Rückspiel.“

Hier geht’s direkt zur Abstimmung!

Das fand eine Woche später im heimischen Wilhelm-Langrehr-Stadion statt. Schweinfurt machte eine halbe Stunde lang das Spiel, aber der TSV das Tor: Kevin Schumacher nutzt die erste Großchance, das gab Sicherheit. Fölster: „Danach habe ich nur gedacht: So viel, wie die danebenschießen, kann das heute was werden.“ Für den Rest sorgte der starke Havelser Torwart Norman Quindt.

Kapitän Tobias Fölster zeigt, wohin die Reise geht: in die 3. Liga. Quelle: Debbie Jayne Kinsey

Mit Abpfiff begann die Riesenparty: Erst liefen die Spieler von der Ersatzbank auf den Rasen im Wilhelm-Langrehr-Stadion, dann die Fans von der Tribüne. Fölster habe den historischen Erfolg „nicht sofort realisiert. Das kam erst, als ich später in der Kabine zum ersten Mal ein bisschen zur Ruhe gekommen bin.“ Die Ruhe hielt aber nicht lange: erst wegen der vielen Glückwunschnachrichten auf dem Handy, die Partynacht der Havelser ging dann bis 6.30 Uhr.

Neues aus dem NP-Newsroom

Unsere Übersicht zu den wichtigsten Nachrichten aus Hannover täglich gegen 13 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Jetzt kicken Fölster und Kollegen im Profifußball. „Jeder, der Fußball spielt, will dorthin“, freut sich der Kapitän, der seit 2015 für Havelse kickt. Auch sonst hat sich die Mannschaft nicht groß verändert außer wenigen Abgängen (Schumacher zu Zweitligist Rostock), punktuellen Verstärkungen und dem neuen Trainer Rüdiger Ziehl. Zimmermann unterschrieb nach dem Havelser Aufstieg bei 96, dort lief es aber weniger erfolgreich. Auch die Havelser haben in der 3. Liga zu kämpfen, sind Tabellenletzter – sportlich aber nicht abgehängt. Sie haben weiter Hoffnung auf den Klassenerhalt. „Ich sehe viel Potenzial in der Rückrunde“, betont Fölster. „Seit dem ersten Spiel ist eine stetige Steigerung zu sehen.“

Und falls es nicht klappt: Den historischen Aufstieg kann ihnen keiner nehmen.

Von Jonas Szemkus