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NP-Sportlerwahl 2021 Auf zu neuen Ufern: Susann Beucke zieht nach Silber in Tokio nach Frankreich
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NP-Sportlerwahl 2021: Susann Beucke zieht nach Silber in Tokio nach Frankreich

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11:09 29.12.2021
Sie trotzen Wind und Wellen: Tina Lutz (rechts) und Susann Beucke feiern die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen. Im finalen Rennen fahren sie auf Platz zwei vor. Ob die Crew auch 2024 bei den Spielen von Paris dabei sein wird, ist noch offen.
Sie trotzen Wind und Wellen: Tina Lutz (rechts) und Susann Beucke feiern die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen. Im finalen Rennen fahren sie auf Platz zwei vor. Ob die Crew auch 2024 bei den Spielen von Paris dabei sein wird, ist noch offen. Quelle: IMAGO/Lavandeira Jr.
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Hannover

Susann Beucke und Tina Lutz hätten gleich zu Beginn kentern können, dann wäre die Chance auf eine Medaille vielleicht schon versenkt gewesen. Das ist im riesigen Jubel über Silber im 49er-FX-Skiff bei Olympia in Tokio etwas untergegangen. „Es ist ein Sport in der Natur, deshalb gehört auch immer viel Glück dazu“, sagt die 30-jährige Beucke vom Hannoverschen Yacht-Club (HYC). Das Segeln ist für sie in erster Linie die ganz große Freiheit. Nun bricht sie im Wortsinn zu neuen Ufern auf und zieht aus Kiel an die französische Atlantikküste nach Lorient – um Hochseeseglerin in einem Profiteam zu werden. Und die Spiele 2024 von Paris würde Beucke auch gern mitnehmen: „Wenn sich das alles zeitlich vereinbaren lässt, denn das geht ja nur mit Tina, das ist ganz klar.“

Die Bedingungen im Segeln, sagt Sportsoldatin Beucke, sind nicht immer fair. Und das hat nicht nur mit Wind und Wellen zu tun. In der ersten Wettfahrt in der Bucht von Enoshima verlor die norwegische Crew die Kontrolle über ihr schnelles Boot und rammte das von Lutz/Beucke. „Das kann schon mal passieren bei starken Böen. Nur zehn Zentimeter haben gefehlt, dann hätten sie uns am Rumpf erwischt. So war es nur der Flügel“, sagt Vorschoterin Beucke. Und der war über Nacht repariert. So hielten sich Lutz/Beucke gut im Feld und fuhren schließlich im Medal Race, dem finalen Medaillenrennen, auf Platz fünf. Das reichte, um in der Gesamtwertung von Platz drei auf zwei zu rücken.

Inzwischen ist der Trubel längst verebbt, wenngleich Lutz, 30 Jahre alt, in Innsbruck lebende Steuerfrau und Wirtschaftspsychologin, und Beucke die erste olympische Medaille bei den Frauen für den DSV seit 21 Jahren holten. Amelie Lux hatte damals Windsurfsilber gewonnen. Jüngst war die Silbercrew von Tokio bei der Sportlerwahl des Jahres ins Fernsehstudio des ZDF eingeladen. „Uns kannte keiner“, so Beucke, „und vom Segeln wurde auch kein Einspielfilm gezeigt.“ Dabei hatte es insgesamt drei Medaillen für Deutschland in Japan in dieser Sportart gegeben. Daher hat sie es sich mit Beucke zur Aufgabe gemacht, dem Segeln mehr Rückenwind zu geben. „Es ist ja so einfach und wunderbar, am Anfang brauchst du nur einen Neoprenanzug, und der muss nicht teuer sein.“ Ein ihr sehr wichtiges Projekt ist Segeln für blinde und gehörlose Menschen. Beucke unterstützt „Gelebte Inklusion auf der Regattabahn“ des Norddeutschen Regatta-Vereins, der Segelabteilung des FC St. Pauli und des Hamburger Gehörlosen-SV. Dabei sind gemischte Crews an Bord. „Was das für eine Freude ist, das kann man sich nicht vorstellen“, sagt Beucke.

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Das Gefühl der großen Freiheit will sie für sich nun noch erweitern. Zwar nicht gleich mit einer Weltumsegelung wie der berühmten Vendée Globe – wenngleich sie mit dem zu einiger Berühmtheit gelangten Hamburger Boris Herrmann befreundet ist und der Tipps geben könnte – „aber das wäre aktuell lebensmüde, da braucht man sehr viel Erfahrung. Und so eine Kampagne kostet unfassbar viel Geld.“

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Im Team um die Welt zu segeln, das ist für Beucke aber gar nicht so weit weg, beispielsweise bei der „Imoca-Globe-Serie“ mit sieben Langstreckenregatten auf hoher See. Lorient, wo sie leben wird, ist ein Stützpunkt der Profisegler. Dort gehen die vor Anker, die große Pläne haben. Und die Spiele in Paris, deren Regatten auf dem Atlantik ausgetragen werden, sind ebenfalls nicht mehr weit weg. „Das Gute ist, Tina und ich kennen uns so lange, da können wir mal eine Pause machen und dann wieder voll angreifen“, bekräftigt Beucke. 14 Jahre sind die beiden eine Crew, sie waren 2017 und 2020 Europameisterinnen. „Wenn wir also die Spiele von Paris in Angriff nehmen, dann kann das Ziel für uns nur erneut eine Medaille sein“, unterstreicht Susann Beucke.

Von Stefan Dinse