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NP-Sportlerwahl 2021 Er will für das Team da sein: Sebastian Ernst steigt mit Fürth auf und kehrt zu 96 zurück
Thema NP-Sportlerwahl 2021

NP-Sportlerwahl 2021: Sebastian Ernst steigt mit Fürth auf und kehrt zu 96 zurück

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12:58 30.12.2021
Leider ein eher seltenes Bild bei 96 im Jahr 2021: Jubel nach einem Sieg. Sebastian Ernst freut sich nach der Partie in Kiel.
Leider ein eher seltenes Bild bei 96 im Jahr 2021: Jubel nach einem Sieg. Sebastian Ernst freut sich nach der Partie in Kiel. Quelle: IMAGO
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Hannover

Die große Sause war ohnehin verboten am 23. Mai in Fürth. Feierverbot in der Stadt, trotz Aufstieg in die Bundesliga nach einem 3:2 gegen Düsseldorf. Gut, das Stadion haben die Fürther dann doch ein wenig abgerissen. Mittendrin, mit Tränen der Rührung: Sebastian Ernst. Er kommt aus Neustadt am Rübenberge. Mit den Franken feierte er den Aufstieg, schoss sieben Tore und legte sechs vor. Seine stärkste Saison, sagt er. Deshalb ist er nominiert als Sportler des Jahres in Hannover. Weil es sein Jahr war – oder die Hälfte des Jahres. In der zweiten steckt Ernst mitsamt der 96-Mannschaft im Abstiegskampf der 2. Liga. Im März 2021 hatte er sich zur Rückkehr nach Hannover entschlossen. Bereut hat er es nie. Ernst erinnert sich, wie er Ende Mai, am Tag nach dem Aufstieg, heimkehrte: „Ich war überwältigt von Ge­füh­len.“

Er verzichtete auf die erste Liga, dennoch hatte er sich „auf zu Hause gefreut, ich war einfach nur glücklich“. Er habe den Aufstieg „ein paar Tage sacken lassen“ und sei bei seiner Freundin Charline in Neustadt eingezogen. Lange Feiernächte wa­ren ohnehin nie sein Ding. Als Ju­gend­li­cher gab es für ihn „bis zum Abi nur Schule und Fußball. Ich habe auf alles verzichtet. Ich kann mich an nicht eine Party erinnern, auf der ich war.“ Was man nicht kennt, vermisst man auch nicht. Was der 26-Jäh­ri­ge vermisst, ist der Erfolg mit seiner aktuellen Mannschaft.

2006 war er aus Poggenhagen zur 96-Jugend gewechselt. Daniel Stendel sei sein größter Förderer in der B- und A-Jugend gewesen: „Er hat mir viel gezeigt: immer Vollgas, immer an sich glauben, die Mentalität haben, über die Grenzen hinaus zu gehen. Ich bin immer am Limit, im Spiel und im Training und will für die Mannschaft da sein.“

Diese schöne Tugend ist vielleicht eine seiner Schwächen, seit er wieder bei 96 spielt. Er kümmert sich, hilft, lässt sich in Duelle verwickeln, die er nicht gewinnen kann, er gehörte zwischenzeitlich zu den Zweitligaspielern mit den meisten gewonnenen Zweikämpfen. Er sagt es ja selbst: „Ich muss mich da unterordnen, es ist meine Pflicht, gegen den Ball zu arbeiten.“ Dabei sind Spieler wie er, mit der Rückennummer 10, eher Typen für die Kür. Sie brauchen Freiheiten statt Pflichten, so wie Ernst in Fürth.

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Auf der Zehnerposition hatte Ernst bei 96 nie gespielt. Das sagt er selbst. Mal spielte er zwischen Defensive und Offensive auf der sogenannten „Acht“, mal auf der defensiven „Sechs“. „Auf der Doppelsechs steht natürlich vor allem das Pflichtbewusstsein für die De­fen­si­ve im Vordergrund“, erklärt er, „je näher ich zum Tor komme, desto eher kommen meine Qualitäten zum Vorschein. Ich bin einfach viel zu weit weg vom Tor. Das hat mich eigentlich in der letzten Saison ausgezeichnet.“

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Hätte er die gleiche Rolle bei 96 gespielt, wäre er jetzt Top-Favorit bei der Wahl zum Sportler des Jahres. Die 96-Hoffnung war gewesen, einen Nachfolger für einen der ganz Großen gefunden zu haben. Ernst spricht selbst von ihm, angesprochen auf seine Vorbilder auf der Zehnerposition: „Lars Stindl zum Beispiel hat hier eine große Rolle gespielt. Lars ist ein Topspieler, zwar kein Linksfuß, aber von der Art und Weise her überragend.“ Ernst machte es mit links „auf der perfekten Position als Zehner in dem System von Fürth“. 96 spielt ein System, in dem seine Zehner-Position bisher nicht vorkam. Dennoch: Er bedauert seine Rückkehr keine Se­kun­de.

Zweikampf kann er: Hier luchst Sebastian Ernst Bremens Romano Schmid den Ball ab. Quelle: IMAGO

Was er bedauert, sind die Unterschiede in der Bezahlung im Leistungssport: „Fußball hat die größte Aufmerksamkeit. Ich finde, dass es gerechter verteilt werden könnte unter Leistungssportlern.“ Wer viel verdient, muss auch Kritik einstecken. Gerade Ernst, den in Hannover so viele kennen, wird häufig angesprochen. „Das ist normal“, sagt er, „ich nehme das auf, aber man darf sich das nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Es reißt mich nicht aus dem Schlaf.“ Die Kritik richtet sich eher an 96 allgemein.

Ernst auf der Position aufstellen, wo er Fürth Richtung Aufstieg schoss, wäre so naheliegend. Er macht keine große Sache daraus, sondern glaubt fest dran, dass 2022 besser wird für 96. 2021 war alles in allem ein gutes Jahr für Ernst, den Aufsteiger, den Heimkehrer, einen ohne Starallüren, einen aus Hannover.

Von Dirk Tietenberg