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NP-Sportlerwahl 2021 Der Trend stimmt: Recken der TSV Hannover-Burgdorf erleben Jahr mit Höhen und Tiefen
Thema NP-Sportlerwahl 2021

NP-Sportlerwahl 2021: Recken der TSV Hannover-Burgdorf erleben Jahr mit Höhen und Tiefen

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12:03 31.12.2021
Applaus, Applaus: Die Recken scheinen gegen Ende des Jahres den Dreh gefunden zu haben. Sie übrigens Titelverteidiger bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres.
Applaus, Applaus: Die Recken scheinen gegen Ende des Jahres den Dreh gefunden zu haben. Sie übrigens Titelverteidiger bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

2021? „Ein Jahr mit Höhen und Tiefen, nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten“, sagt Sportchef Sven-Sören Christophersen ehrlich. Das Beste kam für die Handball-Recken zum Schluss. Sie beendeten das schwierige Jahr mit einem souveränen Sieg bei zahnlosen Rhein-Neckar Löwen. Rang zwölf – das ist für die TSV Hannover-Burgdorf nach dem holprigen Start in die Saison eine versöhnliche Platzierung.

Vor zwölf Monaten hatten die Recken auf demselben Platz gestanden. Damals war es nach der zuvor besten Saison aller Zeiten mit Platz vier (bevor der coronabedingte Ab­bruch kam) eher eine Enttäuschung. Die TSV befand sich allerdings nach dem Ab­gang von Genie Morten Olsen und weiteren Stars wie Timo Kastening und Mait Patrail im Umbruch, der bis heute an­hält.

Anfang 2021 standen plötzlich die Übungsleiter im Vordergrund. Erst der angekündigte Abgang von Co-Trainer Iker Romero, dann die langersehnte Vertragsverlängerung mit Carlos Ortega, die sich wie ein Kaugummi hinzog. Kaum war der Vertrag unterschrieben, wollte Ortega weg. Zu seinem Herzensklub, dem FC Barcelona, mit dem er als Spieler sechsmal die Champions League gewonnen hatte. Die Katalanen suchten kurzfristig einen neuen Coach zum Sommer – und wählten Ortega. Der konnte das Angebot nicht ablehnen. Die Recken wiederum konnten ihrem Startrainer keine Steine in den Weg legen, brauchten aber Ersatz. Auch diese Personalproblematik zog sich. Sportchef Sven-Sören Christophersen verpflichtete den ehemaligen Bundestrainer und Anderten-Coach Christian Prokop – „eine gute Lösung“.

Die Recken werben um Ihre Stimme!

Zwischen Beginn und Ende des Wechseltheaters um Or­te­ga lagen schwierige Corona-Wochen, als sich nach und nach Profis infizierten und Spiele ausfielen oder vor Geisterkulisse ausgetragen wurden. Die Recken dümpelten im unteren Drittel der Liga herum, fuhren aber motiviert zum Pokal-Final-Four Anfang Juni nach Hamburg. Die Endrunde war ein Überbleibsel der Vorsaison – und nun der Höhepunkt des Folgejahres. Hannover hatte im Halbfinale Melsungen im Griff, dann kassierte Kapitän Fabian Böhm eine Rote Karte, die keine war. Die TSV verlor erst den Faden und dann das Spiel. Einzige Genugtuung: Melsungen un­ter­lag im Finale Lemgo. Ortega haderte mit der verpassten Chance. „Es ist hart und traurig, dass wir es nicht geschafft haben. Mein Herz ist gebrochen. Diese Mannschaft ist so super und hätte es verdient gehabt“, sagte der Spanier, der Hannover unbedingt mit einem Titel verlassen wollte. Immerhin kletterten die Re­cken zum Saisonende noch auf Platz elf. Ortegas und Romeros Abschied Ende Juni geriet hochemotional. Zu­schau­er auf der Tribüne: Christian Prokop.

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Nach der vierjährigen spanischen Ära mussten die Recken unvorbereitet „alles auf links drehen“, wie Chris­to­pher­sen schildert. Jetzt, ein halbes Jahr später, scheint der Bruch überwunden. Das Team setzt Prokops Vorgaben um, es hat das komplizierte wie anspruchsvolle Abwehrsystem verstanden und verinnerlicht. „Mit einem Trainerwechsel geht auch ein Systemwechsel einher“, erklärt der Sportchef, „das braucht Zeit und ist mit sechs Wochen Vorbereitungszeit nicht getan, das haben wir immer betont.“

Steht seit dieser Saison bei den Recken an der Seitenlinie: Christian Prokop. Quelle: IMAGO

Zumal auch der neue Spielmacher Jonathan Edvardsson aus Schweden nicht direkt durchstarten konnte. Wegen Olympia verpasste er viele Wo­chen Vorbereitung, dann verletzte er sich schwer. Veit Mävers musste nun die ganze Verantwortung tragen – und wuchs bravourös in diese Rolle hinein. Der Mittelmann ge­hört mittlerweile zum erweiterten Nationalmannschaftskader. Die Ausfälle von Kreisläufer Evgeni Pevnov und Torwart Domenico Ebner wo­gen schwerer. Eine ganze Achse war den Recken weggebrochen. „Das hat uns so komprimiert nicht gutgetan“, sagt Christophersen, „aber wir ha­ben trotz aller widrigen Um­stän­de das ganze Jahr über nie den Kopf verloren.“

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Auch nicht nach dem schwärzesten Tag der Ligazugehörigkeit. Am 26. September verlor die TSV blamabel und so hoch wie nie ein Spiel zuvor mit 16:38 in Wetzlar. Man rehabilitierte sich, der Trend ging seitdem langsam nach oben, wenn auch in Wellenbewegungen. Ziel: die Rückkehr in die obere Hälfte der Tabelle – und der Aufbruch in eine neue Zeit, die Prokop-Ära.

Von Simon Lange