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NP-Sportlerwahl 2021 Auch ohne Olympia: Jakob Thordsen erlebt ein gutes Jahr – mit reichlich Edelmetall
Thema NP-Sportlerwahl 2021

NP-Sportlerwahl 2021: Jakob Thordsen erlebt gutes Jahr – ohne Olympia, mit Edelmetall

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16:43 07.12.2021
Er bleibt am Zug: Kanustar Jakob Thordsen, hier beim Training auf dem Kanal, will auch in den nächsten Jahren angreifen.
Er bleibt am Zug: Kanustar Jakob Thordsen, hier beim Training auf dem Kanal, will auch in den nächsten Jahren angreifen. Quelle: Debbie Jayne Kinsey
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Hannover

Ein kräftiger Schlag links, dann einer rechts. Drei-, viermal wiederholt Jakob Thordsen vom Hannoverschen Kanu-Club (HKC) diese Bewegung, dann hat er die Strecke von einem Ufer zum anderen mit seinem Kajak zurückgelegt. Das pink-blaue Boot hebt sich deutlich vom Dunkelgrau des Stichkanals Limmer und vom hellgrauen Himmel ab.

Sechs Grad zeigt das Thermometer an diesem Montagnachmittag im November an. „Wir paddeln so lange, bis der Kanal zugefroren ist“, sagt Thordsen. Dann hebt er mühelos das zwölf Kilogramm schwere Boot aus dem Wasser. Seine Hände sind rot – ebenso wie das Paar Badelatschen, in das Thordsen schlüpft. Zügig läuft er in Richtung Kraftraum, weg aus dem kalten Wind, rein in das geheizte Gebäude.

Das Wintertraining hat längst begonnen. An den Sommer erinnert Thordsen sich nicht nur wegen der höheren Temperaturen gern zurück. Der 22-Jährige holte zusammen mit Jakob Kur­schat im Zweierkajak Gold bei der U23-Europameisterschaft über 1000 Meter, belegte Rang fünf bei den Weltmeisterschaften der Elite auf der gleichen Distanz. Der größte Erfolg ist aus Thordsens Sicht die Silbermedaille, die die beiden bei der U23-Weltmeisterschaft Anfang September in Portugal gewannen. Dort fuhren sie die 500-Meter-Strecke, denn die 1000 Meter wurden nach den Spielen in Tokio aus dem olympischen Programm genommen.

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500 Meter statt 1000 – „das lief bei der WM nicht auf Anhieb“, berichtet Thordsen. Von Rennen zu Rennen hätten er und Kur­schat sich gesteigert. Bei den 500 Metern, erklärt Thordsen, treffen „Langstreckenfahrer auf Kurzstreckenfahrer“, vor allem auf die Spritzigkeit und einen schnellen Start komme es an.

Auch wenn Thordsen in diesem Jahr international eine Silber- und eine Goldmedaille gewonnen hat – den größten Wert hat für ihn etwas anderes als Edelmetall. Es ist ein Satz, den er nach seiner wohl schmerzlichsten Niederlage zu hören bekam. Beim Weltcup im ungarischen Szeged verpasste das Duo die Olympiaqualifikation um 1,68 Sekunden. Deutschlands Kanustar Max Hoff „hat nach dem Wettkampf zu mir gesagt, wir seien das erste deutsche Boot gewesen, dass sie richtig gefordert habe“, erzählt Thordsen. Hoff ist 17 Jahre älter als Thordsen und hat den kompletten Medaillensatz bei Olympischen Spielen gewonnen. In Tokio holte er kurz vor seinem Karriereende noch einmal Silber. Thordsen hat sich die Worte seines Vorbilds ganz genau gemerkt. „Das hat mir viel bedeutet.“

Die Aussicht motiviert Thordsen

Weiterhin der deutschen A-Mann­schaft angehören, an den Spielen 2024 in Paris teilnehmen, dann nach Möglichkeit im Einer über 1000 Meter – die Aussicht auf die kommenden Jahre ist das, was Thordsen jetzt motiviert. Bis zu 20 Stunden in der Woche trainiert er, knapp zwei Drittel davon auf dem Wasser. Daneben stehen Ausdauereinheiten wie Laufen, Rad fahren oder Schwimmen auf dem Programm. Hanteln und Gewichtsscheiben zeugen davon, dass auch das Krafttraining dazugehört. Während der 22-Jährige zwischen den Geräten sitzt und über sich und seinen Sport spricht, schaut immer wieder einer seiner Teamkollegen im Kraftraum vorbei. „Ich verstehe mich super mit meiner Trainingsgruppe. Ich mache viel mit denen“, sagt Thordsen.

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Die restliche Zeit nutzt er überwiegend für seine Ausbildung zum Mechatroniker bei Sennheiser. „Die unterstützen mich gut“, sagt er. Wenn er wegen des Sports Unterricht verpasst, holt sein Ausbilder den Stoff mit ihm nach. Ausbildung und Sport – Thordsen nimmt beides ernst. Wie ernst, das zeigt sich, als er aufsteht und sich in den roten Badelatschen auf den Weg macht. Raus aus dem geheizten Gebäude, rein ins Boot und in den kalten Wind.

Von Thea Schmidt