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NP-Sportlerwahl 2021 Er will nach ganz oben: Ivan Martinovic ist einer der besten Schützen der Liga
Thema NP-Sportlerwahl 2021

NP-Sportlerwahl 2021: Ivan Martinovic TSV Hannover-Burgdorf Recken Torschütze

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08:13 21.12.2021
Mit Perspektive: Ivan Martinovic ist der beste Torschütze der TSV Hannover-Burgdorf. Der Linkshänder wechselt im Sommer nach Melsungen.
Mit Perspektive: Ivan Martinovic ist der beste Torschütze der TSV Hannover-Burgdorf. Der Linkshänder wechselt im Sommer nach Melsungen. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Nach der Partie am Mittwoch gegen Göppingen wird Ivan Martinovic wieder bei seinem Papa Zoran in Wien anrufen. „Das mache ich nach jedem Spiel, er guckt sich immer alle an.“ Der Vater ist Ivans größter Kritiker und Ratgeber. „Er weiß so viel, er könnte Trainer sein“, lobt der 23-Jährige. Von Mutter Dubravka „gibt es immer eine nette Nachricht, egal wie das Spiel ausgegangen ist“, erzählt Ivan Martinovic und lächelt.

Grund für Kritik und Aufmunterungen gab es zuletzt wenig. Martinovic befindet sich in der Form seines Lebens. Der Linkshänder hat sich in Hannover zu einem der besten Spieler der Liga im rechten Rückraum entwickelt – und damit zu einem der besten der Welt. In der vergangenen Saison war er mit 155 Treffern erfolgreichster Recken-Schütze. Auch in der laufenden Spielzeit führt er die teaminterne Liste mit 79 Toren an. Keine Seltenheit, dass Martinovic dem Gegner zehn Tore in einem Spiel reinhämmert. So wie neulich gegen Lemgo. Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten saß später praktisch jeder Wurf. Einer spektakulärer als der andere. Der wendige Martinovic, ausgestattet mit Spielwitz und Spontaneität, trifft in und aus allen Lagen.

Der Eindruck, dass er immer besser wird, täuscht nicht. Es ist seine tägliche Motivation. „Ich will mich immer weiterentwickeln, mich immer verbessern, in jedem Training, in jedem Spiel“, sagt der Österreich-Kroate. Zufrieden gibt er sich selten, auch nach zehn Toren nicht. „Ich denke immer, dass es noch besser geht. Ich bin einfach ehrgeizig.“

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Fleiß und Gene sind Martinovics Vorteil. Er stammt aus einer sportlichen Familie, auch sein Bruder Marin und die Schwestern Ana und Kris­ti­na spielen Handball. Der talentierteste von allen ist sicher Ivan.

Und im neuen Trainer Christian Prokop hat er jemanden gefunden, der sein Talent weiter fördert. „Wir machen spezifische Übungen für Eins-gegen-eins-Situationen, das bringt mich sehr weiter.“ Im Gegensatz zu Vorgänger Carlos Ortega lässt Prokop ihn auch in der Abwehr vermehrt ran. „Tore zu werfen ist das Coolste“, sagt Martinovic, „aber in der Abwehr gibt es auch Genugtuung, wenn man es dem Gegner schwer macht und ihm die Bälle klaut. Die Aggressivität gefällt mir.“

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Ausgebremst hat ihn in diesem Jahr eigentlich nur ein unsichtbarer Gegner: das Coronavirus. Martinovic hatte sich im Frühjahr infiziert – er blieb aber ohne Symptome. Sportlich ist es mit den Recken in diesem Jahr auf und ab gegangen, mit der Nationalmannschaft Kroatiens erlebte Martinovic nur Enttäuschungen. Neben der Familie half auch Freundin Miriam, die Rückschläge wegzustecken. Martinovic ist dankbar, dass die Sportwissenschaftsstudentin „sehr oft den langen Weg von Wien auf sich nimmt und mich besucht“. Ab Sommer ist der Weg etwas kürzer. Dann muss Miriam nach Kassel fahren, um ihren Ivan zu sehen. Dessen Wechsel zur MT Melsungen steht schon lange fest. Es ist kein Geheimnis, dass die Nordhessen weit mehr Gehalt zahlen können. Aber Martinovic, der 2019 aus Gummersbach nach Hannover kam, nennt auch sportliche und persönliche Gründe. „Manchmal muss man sich im Leben neue Ziele setzen. Was ich hier geschafft habe, kann man auch in einem anderen Verein versuchen.“

Klar wäre aus Recken-Sicht Vereinstreue wünschenswert gewesen, aber dass Martinovic für Topteams bestimmt ist, steht außer Frage. „Höhere sportliche Ziele“, gibt er ebenso an. „Melsungen will regelmäßig ins internationale Geschäft. Mein Ziel ist es, international zu spielen und mich dort zu beweisen.“

So kann man ihn: Ivan Martinovic nimmt es auch mit drei Spielern von Meister THW Kiel auf. Quelle: Florian Petrow

Seiner Loyalität können sich die Recken bis dahin gewiss sein. Daran lassen Martinovics Leistungen keine Zweifel. Zumal er sich auch menschlich sehr wohl im Team und in der Stadt fühlt. Die Recken seien wie eine zweite Familie. „Ich werde Hannover mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen.“

Einen anderen Wechsel hat er schon im vergangenen Sommer vollzogen. Martinovic gab das Amt des Team-DJs an Jannes Krone weiter. „Ich bin jetzt Harz- und Ölminister“, sagt er und lacht: „Das ist ein bisschen weniger anstrengend.“

Von Simon Lange