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NP-Sportlerwahl 2021 „Da ist noch Luft nach oben“: Andreas Toba überrascht Kritiker – und sich selbst
Thema NP-Sportlerwahl 2021

NP-Sportlerwahl 2021: Andreas Toba überrascht Kritiker – und sich selbst

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10:12 05.01.2022
Der Höhepunkt des Jahres: Andreas Toba turnt Ende April in Basel zur Silbermedaille am Reck.
Der Höhepunkt des Jahres: Andreas Toba turnt Ende April in Basel zur Silbermedaille am Reck. Quelle: IMAGO/Schreyer
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Hannover

Andreas Toba (31) sitzt in seiner Wohnung in Döhren – und daddelt auf der Spielkonsole. „Es ist mir fast peinlich, zuzugeben, dass ich das mache. Aber ich habe mir sagen lassen, seit Corona zocken auch Männer in meinem Alter“, sagt das Turn-Ass schuldbewusst und lacht. Immerhin haben seine Spiele mit Sport zu tun: Er zockt „Formel 1“ und „Fifa“.

Feilt da jemand an einer neuen Karriere als E-Sportler? Auf keinen Fall, Toba bleibt Turner bis zum bitteren Ende. „Ich sehe es ja bei meinem Vater, ohne Sport können wir nicht. Unser Körper fällt dann auseinander“, erzählt der Sohn des einstigen Turners Marius Toba. „Gerade ist eine Art Trainingspause – und es fällt mir extrem schwer, abzuschalten. ‚Formel 1‘ zu spielen entspannt mich irgendwie. Vielleicht, weil ich es sonntags beim Mittagsschlaf oft geschaut habe“, sagt er.

Eigentlich habe er sich vorgenommen, den kompletten Dezember die Turnhalle nicht zu betreten. „Hat nicht so wirklich geklappt“, sagt der 31-Jährige grinsend. Doch an einen Aspekt hat er sich gehalten: Statt zu turnen, macht er Krafttraining, dehnt sich, läuft, schnuppert beim Boxtraining rein „und lasse mich von Mädels verprügeln“.

Die Distanz zu seinem Sport war nötig. Hinter ihm liegt das sportlich beste und erfolgreichste Jahr seines Lebens. EM-Silber in Basel, Teamfinale bei seinen dritten Olympischen Spielen. „Viele haben nach Rio gesagt, dass ich es nicht mehr zu den Spielen schaffe“, sagt Toba. Doch er hat es allen Kritikern gezeigt.

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Erst recht mit der Silbermedaille am Reck bei der EM. „So viele Menschen, die mir sogar etwas bedeutet haben, haben gesagt: Ist ein guter Sportler, ein netter Kerl, aber er kann nur der Mannschaft helfen, mehr nicht.“ Diese Worte haben wehgetan. „Diese Medaille hat gezeigt, dass ich doch mehr bin. Es ist das Beste, das mir je im Sport passiert ist.“

Mit 30 – „in meinem hohen Alter“ – war er der beste Toba aller Zeiten. Und damit nicht genug: „Ich bin mir sicher, dass ich noch mehr kann, dass da noch Luft nach oben ist. Vielleicht kann ich meine Form 2022 sogar noch toppen.“

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Ins neue Jahr ist er mit Freundin Daniela Potapova (26), der ehemaligen rhythmischen Sportgymnastin, ganz romantisch in Island gerutscht. Im ersten Halbjahr wird wenig von ihm zu hören sein, da will er sich auf die Vorbereitung der Heim-EM im Sommer konzen­trieren. Die Vorfreude ist groß: „Es gibt nichts Schöneres, als zu Hause zu turnen“, sagt er.

Das kommt bei ihm nicht allzu häufig vor, seit fast zehn Jahren startet er in der Bundesliga für den TV Wetzgau. Im Saisonfinale 2021 musste er gegen Hannover antreten: Der TuS Vinnhorst holte schließlich den Sieg und den Titel. „Im Wettkampf ist jeder, der gegen mich turnt, ein Feind. Heimat hin oder her“, so Toba. „Trotzdem freue ich mich für den Verein. Als ich zu Wetzgau gegangen bin, war Vinnhorst noch gar nicht richtig auf dem Radar.“ Zwar sei der zweite Platz für seine Mannschaft am Ende ein bitterer Abschluss gewesen, aber er gönnt den Vinnhorstern die erste deutscher Meisterschaft.

Silber in Basel – Ende April erlebt Andreas Toba den sportlichen Höhepunkt des Jahres 2021. Quelle: IMAGO/Schreyer

So ist Toba eben: einer der besten Turner in Deutschland – und gleichzeitig einer der bodenständigsten, unkompliziertesten und nettesten. „So sind wir Turner“, sagt Toba. „Deshalb liebe ich diesen Sport. In der Halle zählt nur unsere Leistung und nicht irgendwelche Erfolge oder Bambi-Preise, die wir bekommen haben.“ Der Hannoveraner hat nach seiner Olympiateilnahme 2016 in Rio den Publikumspreis bekommen – und den Spitznamen „Hero de Janeiro“.

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„Uns wird schon als Kindern beigebracht, dass uns das nicht zu anderen Menschen macht“, sagt Toba. „Turner werden oft als Einzelgänger dargestellt, aber wir haben einen großen Teamgeist.“ Diese Werte hat er auch von seinem Vater mit auf den Weg bekommen.

Von Josina Kelz