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Sportmix WM-Qualifikationsspiel: Eher Freude als eine Belastung
Sportbuzzer Sportmix WM-Qualifikationsspiel: Eher Freude als eine Belastung
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19:34 09.10.2009
Von Stefan Knopf
Die deutsche Nationalmannschaft beim Training.
Die deutsche Nationalmannschaft beim Training. Quelle: afp
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Das erste deutsch-russische Duell dieses Wochenendes endete unentschieden. Harald Stenger, der Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes, hatte auf der abschließenden Pressekonferenz der Nationalmannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel am Sonnabend gegen Russland (17 Uhr, live im ZDF) einige Mühe, den eifrigen russischen Dolmetscher zu bremsen, der ihm in seinem Übersetzungsdrang immer wieder ins Wort fiel. Sollte dieser Hang zum Nach-vorne-preschen beispielhaft sein für das Spiel der russischen Elf am Abend im Luschniki-Stadion von Moskau, dann kann sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw wohl auf einiges gefasst machen.

In den letzten Stunden vor einem Spiel, zumal vor einem so wichtigen, werden selten Überraschungen ausgeplaudert. Niemand will sich in die Karten schauen lassen, und so trat Löw eine verbale Reise durch die vergangenen Tage an: Ja, die Mannschaft habe zunächst Probleme mit dem ungewohnten Kunstrasen gehabt, und ja, sie habe sich inzwischen an den Untergrund gewöhnt. Nein, Sorgen habe er nicht, alle Spieler seien fit. „Was mir ein gutes Gefühl gibt“, sagte Löw, „ist die Tatsache, dass wir das Spiel nicht unbedingt gewinnen müssen. Wir müssen nicht auf Teufel komm raus alles auf eine Karte setzen, auch mit einem Unentschieden haben wir gute Chancen, uns direkt für die WM zu qualifizieren.“

Löw ist zwar ein Analytiker und Taktiker, aber der Bundestrainer hat auch ein feines Gespür. Die Anspannung und die Konzentration in der Mannschaft steige von Stunde zu Stunde, hat der Bundestrainer beobachtet, nicht jedoch die Nervosität vor dem vermeintlich wichtigsten Spiel des Jahres: „Einige unserer Spieler haben solche Situationen schon erlebt – sei es bei der WM im eigenen Land oder bei der EM. Für sie ist es eher eine Freude, solche Spiele zu bestreiten, als eine Belastung.“

Nun lassen sich Fußballspiele selten allein mit guter Stimmung gewinnen, und an dieser Stelle meldet sich dann wieder der Analytiker Löw zu Wort, der, wenn ihm etwas sehr wichtig ist, gern das Wörtchen „absolut“ einfügt und dabei besonders betont. Die Mannschaft müsse die „Konzentration absolut über die ganze Zeit hochhalten“, forderte der Bundestrainer „wir dürfen uns keine Nachlässigkeiten, kein Stehenbleiben erlauben. Wenn einige Spieler nur auf 90 Prozent kommen an diesem Tag, dann werden wir sehen, dass die Russen brandgefährlich sein können.“

Um zu skizzieren, was er damit meint, diente Löw das Hinspiel gegen Russland als Schablone, das die deutsche Elf fast auf den Tag genau vor einem Jahr mit 2:1 gewonnen hatte und in dem sie vieles richtig gemacht hat, aber Löws Ansicht nach auch einiges falsch. Damals habe sein Team in der 2. Halbzeit genau diese Konzentration nicht mehr gezeigt und so die Kontrolle über das Spiel verloren, „und wir hätten auch zwei Punkte abgeben können“.

Von einer „kontrollierten Defensive“ ist im Umfeld der Nationalmannschaft daher viel die Rede in diesen Tagen. Wie schon zuletzt gegen Südafrika und Aserbaidschan wird die Mannschaft wohl mit nur einem Stürmer beginnen, was Löw aber nicht als Mauertaktik verstanden wissen will.

Konzentration und Einsatz sei keine Frage des Systems, betonte der Bundestrainer: „Wir müssen den Mut und das Selbstbewusstsein haben, dass wir mit der Maxime antreten, das Spiel für uns zu entscheiden.“ Ein gutes Gefühl nach dem Spiel – das wäre doch noch um einiges schöner.