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Sportmix Vettel bleibt F1-Pilot: "Neues Abenteuer" mit Aston Martin
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Vettel bleibt in der Formel 1: Ab 2021 bei Aston Martin

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17:25 10.09.2020
Hat ein neues Team ab der Saison 2021: Sebastian Vettel. Quelle: Luca Bruno/AP Pool/dpa
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Mugello

Hinter seiner roten Ferrari-Maske war immer wieder Sebastian Vettels Grinsen zu erahnen. Bestens gelaunt und locker wie lange nicht präsentierte sich der viermalige Formel-1-Weltmeister in Mugello, nachdem seine Rennfahrer-Zukunft endlich gesichert war.

"Es fühlt sich gut an, dass die Neuigkeiten raus sind. Viele Fragen haben sich jetzt erledigt", sagte der 33-Jährige. Ab 2021 wird Vettel für das neue Aston-Martin-Team, den Nachfolge-Rennstall von Racing Point, fahren. Wie die Engländer mitteilten, bindet er sich langfristig sogar über die kommende Saison hinaus an das Projekt.

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"Ich glaube daran, dass es das Beste für mich ist, was ich jetzt entschieden habe", sagte Vettel, der "nahe dran" war, seine Karriere vorzeitig zu beenden. Nach einem bislang desaströsen sechsten Jahr bei Ferrari hat der Heppenheimer eine reizvolle Perspektive, fährt aber künftig nicht mehr für eines der drei Spitzenteams. "Es ist ein neues Abenteuer für mich mit einem wahrhaft legendären Autobauer", sagte Vettel und ergänzte später: "Ich freue mich sehr auf den Wechsel, weil ich daran glaube, dass es nach oben gehen kann."

Das Ziel ist klar: Sein Traum vom fünften WM-Titel lebt, auch wenn er das so offen natürlich noch nicht formulieren will. "Ich trage noch so viel Liebe für die Formel 1 in mir, und meine einzige Motivation ist es, an der Spitze des Feldes zu fahren. Das mit Aston Martin anzugehen, wird ein großes Privileg", sagte Vettel vor dem nächsten Rennen in der Toskana am 13. September (15.10 Uhr/RTL und Sky). Der Grand Prix in Italien sollte eigentlich ganz im Zeichen des 1000. Rennens von Ferrari in der Motorsport-Königsklasse stehen. Doch nun stiehlt Vettel seinem Noch-Arbeitgeber vorerst die Show.

"Glücklich zu wissen, dass du auch nächstes Jahr dabei bist!", twitterte Ferrari und reagierte damit auf den neuen Job seines einstigen Hoffnungsträgers. Im Mai hatte der Traditionsrennstall die Trennung von Vettel verkündet, der ab 2021 vom Spanier Carlos Sainz Junior ersetzt wird. Nach monatelangen Spekulationen bekommt Vettel künftig das Cockpit von Sergio Perez. "Es hat nichts mit meiner Leistung zu tun, da war einfach ein anderer Fahrer", sagte der Mexikaner, der von der Schritt überrascht wurde: "Alles sah so aus, dass das Team mich behalten wollte." Am Vortag habe er nun einen Anruf erhalten, dass Schluss ist: "Das habe ich nicht erwartet."

Eigentlich hätte der 30-Jährige noch einen Vertrag über den Jahreswechsel hinaus besessen. Es war aber schon länger angenommen worden, dass Perez gehen muss, um ab 2021 für einen Piloten mit ganz großem Namen Platz zu machen: nämlich Vettel. "Ich kann mir keinen besseren Fahrer vorstellen, der uns auf dem Weg in diese neue Ära helfen könnte", sagte Teamchef Otmar Szafnauer. Bis wann Vettel unterschrieb, wurde nicht veröffentlicht. Spekuliert wurde über drei Jahre. Vettel sagte nur: "Das Ziel ist nicht auf die Kürze ausgelegt, sondern darauf, dass man längerfristig zusammenarbeitet."

Vorher muss er die Scuderia Ende 2020 ohne den ersehnten WM-Titel verlassen. Vergeblich versuchte er seinem Kindheitsidol Michael Schumacher nachzueifern, der als Rekordweltmeister im Ferrari zur Legende wurde. Unsanft wurde Vettel im Mai vor die Tür gesetzt. Seitdem führte der 53-malige Grand-Prix-Gewinner, der seit fast einem Jahr auf ein Erfolgserlebnis wartet, Gespräche über die Zukunft.

Auch ein frühzeitiger Rücktritt war immer wieder ein Thema, wie der Rennfahrer selbst bei einer Pressekonferenz im Autodromo Internazionale del Mugello bestätigte, ehe er sich entspannt in seinen Sessel zurückfallen ließ. Dauerweltmeister Mercedes hatte mit Hinweis auf sein Fahrerduo Lewis Hamilton/Valtteri Bottas abgewunken, Red Bull setzt voll auf den Niederländer Max Verstappen und Renault holte lieber den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso aus Spanien zurück.

Für Aston Martin ist Vettel nun der ersehnte Top-Mann. Die Briten wollen die Spitze angreifen und setzen voll auf die Erfahrung und den weiter vorhandenen Siegeshunger des Deutschen. Seine außergewöhnliche Formel-1-Laufbahn hatte Vettel 2007 als Ersatzfahrer im BMW-Sauber begonnen. 2008 fuhr er im unterlegenen Toro Rosso im Regen von Monza als damals jüngster Sieger der Geschichte durchs Ziel. Im Red Bull wurde er dann 2010 der jüngste Champion und gewann auch in den drei folgenden Jahren die Titel. Doch die großen Hoffnungen auf weitere Triumphe nach seinem Wechsel zu Ferrari 2015 erfüllten sich nicht.

Bei Aston Martin könnte er im Gegensatz zum lahmenden Ferrari in diesem Jahr jedoch 2021 wieder um vordere Plätze mitfahren. Die vergangenen Monate waren für Vettel eine einzige Enttäuschung. Nicht nur, dass er in diesem Jahr bislang weder gewinnen konnte noch einen Podestplatz belegte, im SF1000 musste er außerhalb der Punkteränge Positionskämpfe führen oder sah wie zuletzt in Monza wegen eines Defekts gar nicht erst die Zielflagge. Mit gerade 16 WM-Punkten hat er in der Gesamtwertung keine realistische Chance mehr auf den Titel.

Das soll bei Aston Martin, das auch weiterhin mit Mercedes zusammenarbeiten wird, anders werden. Vettel fährt dort künftig an der Seite von Lance Stroll. Der Sohn des kanadischen Milliardärs und Miteigentümers Lawrence Stroll hat seinen Platz sicher und wird künftig eher in Vettels Schatten stehen. Der einstige Seriensieger betonte, er wolle mit Aston Martin "etwas sehr Besonderes aufbauen".

Wie groß die Vorfreude der Engländer auf ihren neuen Star ist, wurde schnell in den sozialen Netzwerken deutlich. Der Autohersteller platzierte schon mal einen neuen Wagen mit speziellem Nummernschild für Vettel vor der Firmenzentrale. "An einem Samstag- oder Sonntagnachmittag ist Sebastian einer der Besten auf der Welt", sagte Teamchef Szafnauer: "Er wird eine entscheidende Rolle spielen, das Team auf das nächste Level zu heben."

© dpa-infocom, dpa:200910-99-501188/6

dpa