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Sportmix „Versuche, nach vorne zu schauen“
Sportbuzzer Sportmix „Versuche, nach vorne zu schauen“
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20:49 29.10.2010
Starkes Duo: Christian Ahlmann gewann 2009 mit Taloubet Z die German Classics.
Starkes Duo: Christian Ahlmann gewann 2009 mit Taloubet Z die German Classics. Quelle: Petrow
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VON MICHAEL LANGE

Herr Ahlmann, was für Erinnerungen haben Sie an die German Classics in Hannover 2009?

Sehr gute. Der Sieg im Großen Preis – und das Turnier war für mich auch sonst sehr erfogreich.

Das war – nach Ihrer Dopingsperre – einer Ihrer ersten Auftritte mit Ihrem Erfolgspferd Taloubet Z …

Ja, das war das erste Mal, das er ein wirklich schweres Springen gewonnen hat. Ich hatte ihn vorher schon ein Paar Wochen geritten, aber das war das erste Mal, das alle auf ihn aufmerksam geworden sind.

Taloubet Z ist im Besitz Ihrer Lebensgefährtin Judy-Ann Melchior. Wird er zur Dauerleihgabe oder müssen Sie ihn irgendwann zurückgeben?

Das ist noch nicht weiter besprochen worden. Das Pferd geht sehr gut, und so soll es auch bleiben. Er wird zwischendurch immer mal wieder zum Decken weggegeben, aber sonst soll er schon Sport machen.

Auch in Hannover?

Nein. Er hat ja gerade Oslo und Helsinki hinter sich gebracht. Er braucht ein bisschen Pause und wird dann in zwei, drei Wochen wieder gehen.

Mit welchen Pferden starten Sie hier?

Lorenzo ist dabei und der Sebastian.

Ihre Nummer zwei und drei sozusagen …

Ja, genau.

Eines Ihrer hoffnungsvollsten Pferde, Calvados Z, ist beim Weltcup in Oslo morgens in der Box tot zusammengebrochen. Abends haben Sie dann auf Taloubet das Weltcupspringen gewonnen. Wie schwer war das für Sie?

Das war ein Riesenschock und ist nach wie vor ein Schock. Das ist ja nicht nur einfach ein Tier, das ist viel mehr. Man muss versuchen, sich wieder zu konzentrieren, nach vorne zu sehen und es sportlich auf die Reihe zu bekommen, Aber das ist alles andere als einfach. Er ist morgens plötzlich gestorben, und es war nicht mehr so, dass man hätte helfen konnte. Dann wäre ein Start sicher nicht mehr in Frage gekommen.

Dennoch läuft es sportlich bei Ihnen derzeit prächtig, aber wegen Ihrer Dopingsperre bei den Reiterspielen von Hongkong mussten Sie kürzlich bei der WM in den USA Sie ebenso zusehen wie bei Olympia 2012. Stehen Sie da mittlerweile drüber, oder haben Sie das noch nicht weggepackt?

Weggepackt habe ich das mit Sicherheit nicht. Aber ich versuche auch da, nach vorne zu gucken, das Beste aus meiner Situation zu machen: meine Pferde zu fördern, so erfolgreich wie möglich das zu reiten, was ich reiten darf. Damit muss ich mich begnügen. Ich kann die Uhr nicht zurück drehen, alle Instanzen sind da ausgeschöpft. Ich habe versucht, mein Recht noch zu bekommen, aber ich habe es nicht geschafft.

Wie sehen Sie Ihren Fall heute?

Ich wurde verurteilt wegen Dopings, ohne dass mir irgendetwas bewiesen wurde. Die anderen sind als Medikationsfälle verurteilt worden (mit Ahlmann wurden drei weitere Reiter in Hongkong des Capsacain-Gebrauchs überführt, d. Red.). Das war für mich natürlich sehr ungerecht, gerade weil es auf Initiative der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) geschah, meines eigenen Verbandes. Das ist natürlich sehr unbefriedigend und traurig, aber ich kann es nicht mehr ändern und muss mit dieser Situation leben. Und das versuche ich.

Seit August sind Sie wieder im B-Kader. Denken Sie, dass Sie jemals wieder für Deutschland reiten werden?

Ich habe schon mit Otto Becker (Nationaltrainer, d. Red.) darüber gesprochen. Er hat mir signalisiert, dass für mich bei ihm alle Türen offen stehen. Ohne mein Spitzenpferd Cöster, das mit 17 Jahren in Rente gegangen ist, war WM oder Olympia vorher sowieso nicht im meinen Gedanken, es stand einfach kein Pferd zur Verfügung. Das hat sich mittlerweile geändert, mit Taloubet, Lorenzo und vor kurzem auch noch Calavados habe ich Pferde mit großer Perspektive. Da ist bei mir schon der Wille da, auch mal wieder einen Nationenpreis zu reiten. Aber ich kann auch gut schlafen, wenn das in den nächsten Wochen nicht passieren sollte.

Zeitgleich mit Hannover läuft in Lyon ein Weltcupspringen. Haben Sie nicht überlegt, dort zu reiten?

Ich hatte schon damit geliebäugelt, das wäre eine Option für mich gewesen. Aber Otto Becker hat mich für die Turniere in Oslo und Helsinki eingeteiilt und eben nicht für Lyon. So hatte ich die Möglichkeit, nach Hannover zu kommen. Aber das ist mehr die Planung von Otto Becker, denn die Plätze bei den Turnieren im Weltcup sind sehr begehrt. Aber da muss man auch mal nehmen, was man kriegen kann.

Sehen Sie auch ohne Taloubet Z eine Chance, Ihren Titel zu verteidigen in Hannover?

Ja, ich denke schon. Mit Lorenzo bin ich deutscher Vizemeister geworden, er ist in einer sehr guten Form. Er hat die saison beendet, eon paar wochen Pause gehabt und jetzt geht er das erste Mal wieder. Wenn er im gleichen Rhythmus ist wie zuvor, rechne ich mir sehr gute Chancen aus vorne mitzureiten. Um zu gewinnen, muss gerade in Hannover alles hundertprozentig stimmen.