Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportmix Veh-Beurlaubung: Trennung mit Ansage
Sportbuzzer Sportmix Veh-Beurlaubung: Trennung mit Ansage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:32 25.01.2010
Von Stefan Knopf
Abgang: Gegen Köln saß Armin Veh zum letzten Mal als VfL-Trainer auf der Bank.
Abgang: Gegen Köln saß Armin Veh zum letzten Mal als VfL-Trainer auf der Bank. Quelle: dpa
Anzeige

Dieter Hoeneß sagte: „Zuletzt neun Pflichtspiele ohne Sieg und die hohe Anzahl von 38 Gegentoren in der Bundesliga sprechen eine deutliche Sprache“. „Wir waren nicht mehr der Überzeugung, dass wir die Situation mit Armin Veh in absehbarer Zeit hätten ändern können.“ Und dann hatte Hoeneß doch noch eine Überraschung parat: Zunächst übernimmt Amateurtrainer Lorenz-Günther Köstner die Mannschaft von Veh; er soll auch am Freitag im Bundesligaspiel beim HSV auf der Bank sitzen.

Nun wird sich Hoeneß also auf die Suche nach einem neuen Chefcoach machen; und zumindest dabei demonstrieren die Verantwortlichen beim VfL eine Gelassenheit, die sie in anderen Bereichen verloren hatten. „Wir sind nicht in einer Situation, in der wir zeitlich etwas übers Knie brechen müssen. Wir werden uns bei der Suche nach einem Nachfolger so viel Zeit lassen wie notwendig“, sagte Hoeneß der Tageszeitung „Die Welt“.

Die „Wölfe“ werden auch ein bisschen Zeit benötigen, denn die Suche nach einem neuen Trainer dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit einhergehen mit einer Strukturveränderung. Veh war wie sein Vorgänger Felix Magath zugleich Geschäftsführer des VfL, von diesem Modell werden sich die Wolfsburger wohl aber wieder verabschieden. Nicht umsonst war Veh im Dezember der neue Geschäftsführer und Manager Hoeneß vor die Nase gesetzt worden.

In den Wolfsburger Medien werden illustre Namen als mögliche Veh-Nachfolger gehandelt. Von Marco van Basten ist da die Rede und von Bernd Schuster – beide würden dem Klub in jedem Fall Aufmerksamkeit garantieren. Als Wunschkandidat von Hoeneß gilt allerdings Huub Stevens; beide haben schon bei Hertha BSC Berlin miteinander gearbeitet. Stevens hat derzeit noch einen laufenden Vertrag bei Red Bull Salzburg und sagte dem Internetportal „Sport1.de“ gestern: „Diese Saison stehe ich nicht zur Verfügung, so einfach ist das. Ich habe einen Vertrag unterschrieben, und dazu stehe ich. Was danach geschieht, muss man sehen.“ Womöglich ist aber auch das ein Denkmodell: Köstner bleibt als Interimstrainer bis zum Saisonende und übergibt dann an den Niederländer Stevens.

Sieben Monate hatte Veh die sportliche Verantwortung in Wolfsburg, doch nach dem 2:3 am Sonntag gegen den 1. FC Köln und dem Sturz auf den 10. Tabellenplatz hatte sich die Trennung mehr als angedeutet. „Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wir nach den vielen negativen Erlebnissen der vergangenen Wochen handeln mussten – auch um einen Neuanfang zu starten. Die Stimmung rund um den VfL wäre zu belastet gewesen, um daraus Kraft für künftige Erfolge schöpfen zu können“, sagte Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz. Während der Partie gegen die Kölner hatten die VfL-Fans lautstark Vehs Entlassung gefordert – nicht zum ersten Mal in dieser Saison.

Größtes Manko der „Wölfe“ in der laufenden Spielzeit ist die Abwehrleistung: Nur in Berlin steht das Scheunentor noch weiter offen als in Wolfsburg; der Tabellenletzte Hertha BSC hat mit 39 Gegentoren nur einen Treffer mehr kassiert als der abgestürzte deutsche Meister. Zum Vergleich: In der gesamten vergangenen Saison kassierte der VfL nur 41 Gegentreffer. „Solche Gegentore habe ich in meinem Leben noch nie bekommen“, hatte Veh nach der Niederlage gegen Köln verzweifelt geklagt – wer will, darf eine solche Bemerkung durchaus auch als Eingeständnis des Scheiterns verstehen.

(mit: dpa)