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Sportmix Triathleten werden richtig nass
Sportbuzzer Sportmix Triathleten werden richtig nass
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07:24 04.06.2012
Von Norbert Fettback
Wenigstens die Temperatur beim Schwimmen stimmte: 19 Grad warmes Wasser im Stichkanal empfanden die Triathleten als angenehm.zur Nieden (4) Quelle: zur Nieden
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Hannover

Dieser Regen! Diese Kälte! Der 6. Wasserstadt-Limmer-Triathlon machte am Sonntag seinem Namen mehr Ehre, als es Sportlern und Organisatoren lieb sein konnte. Schon am Vormittag öffnete der Himmel, allen Wetterprognosen zum Trotz, seine Schleusen. Und da die Temperaturen im Vergleich zum Vortag um rund zehn Grad auf 8 Grad Celsius gefallen waren, mussten die Starter bei Niedersachsens größtem Triathlon mit außergewöhnlichen Bedingungen kämpfen. Mehr als 200 Teilnehmer gaben nach Veranstalterangaben wegen Unterkühlung auf - die, die den Wettkampf beendeten, durften sich als wahre Helden fühlen. Nur beim Schwimmen im 19 Grad warmen Stichkanal kam gewisse Freude auf. Thomas Weis, Vizepräsident des Niedersächsischen Triathlonverbandes, sprach von „Extremsport“. „So etwas hatten wir noch nie“, sagte Veranstalter Peter Augath.

Dies spiegelte sich auch in den Siegerlisten wider. So mancher Name, auf den man normalerweise Wetten hätte abgeben können, tauchte hier gar nicht auf. Für Katrin Friedrich von Hannover 96, als Favoritin ins Rennen der Mitteldistanz gegangen, war der Tag schon beizeiten gelaufen. „Ich war so unterkühlt, dass gar nichts mehr ging“, sagte die Lokalmatadorin. „viel hat nicht gefehlt, und ich wäre ohnmächtig vom Rad fallen.“ In der 2. Runde stieg sie kurz vor Ahlem vom Sattel, ein Polizeifahrzeug brachte Friedrich zum Zielbereich, wo sie wie viele weitere Sportler eines der drei Wärmezelte aufsuchte, die die Malteser vorsorglich aufgestellt hatten.

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Kurios aus Sicht der Helfer: Am Sonnabend hatten sie, nicht zuletzt infolge der für einen Triathlon guten Wetterbedingungen, so gut wie nichts zu tun. Gestern aber herrschte Hochbetrieb im kleinen Zeltdorf, wo auch Tee und Decken ausgegeben wurden und von wo aus immer wieder Einsatzfahrzeuge auf die Strecke gingen, um völlig unterkühlte Sportler einzusammeln. „Das Zusammenspiel der Helfer, von der Feuerwehr bis zur Polizei, hat gut geklappt“, sagte Sven Albrecht, Einsatzleiter der Malteser. Obwohl auf der nassen Radstrecke in Kurven immer wieder Fahrer gestürzt seien, habe sich niemand schwerer verletzt. Es sei bei Hautabschürfungen geblieben.

Zu den vielen, die gestern an der Kreuzung Heisterbergallee/Carlo-Schmid-Allee den Wettkampf beendeten, gehörte auch manch „alter Hase“. „Ich bin jetzt zum fünften Mal in Limmer“, sagte Oliver Becker aus Berlin. „Aber Kälte und Regen sind einfach nicht auszuhalten.“ Auch Christiane Bader aus Leverkusen machte hier Schluss: „Ich habe in meinen Fingern kein Gefühl mehr.“ Ein Trio von Berlin 09 übte gar den Schulterschluss und schob die Räder vorzeitig Richtung Ziel. Ab unter die warme Dusche!

Denen, die durchhielten, standen die Strapazen ins Gesicht geschrieben. Der Niederländer Eddy Lamers, der die Langdistanz nach 9:14 Stunden für sich entschied, sank im Ziel völlig entkräftet zu Boden. Pascal-Nicolas Wildhage, gestern Dritter auf der kürzeren Distanz, sprach von seinem „schwersten Mitteldistanzrennen überhaupt“. Beim abschließenden Halbmarathon habe er seine Füße anfangs kaum gespürt, „die waren so was von kalt“. Aufzugeben, daran habe er aber nie gedacht. Den Sieg holte sich hier Steffen Schlumbohm. Damit hätte es Hannover 96 nach dem Erfolgen von Jan Raphael und Simon Heiden auf vier Einzelsiege gebracht - wenn nicht die Zeitmessung bei Rebekka Eßmüller versagt hätte, die auf der Sprintdistanz unter 59 Minuten geblieben war.

03.06.2012
Jörg Grußendorf 03.06.2012
03.06.2012