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14:05 17.05.2012
Fortunas Fans wollen noch vor Abpfiff das Spielfeld stürmen und werden von Sicherheitskräften zunächst zurückgehalten.
Fortunas Fans wollen noch vor Abpfiff das Spielfeld stürmen und werden von Sicherheitskräften zunächst zurückgehalten. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main/Düsseldorf

Nur drei Tage nach dem Skandalspiel von Düsseldorf urteilt das DFB-Sportgericht über den Einspruch von Hertha BSC. Für vier Berliner und einen Fortuna-Profi gibt es ein extra Nachspiel - und der deutsche Fußball wird sich noch weit über die Bundesliga-Saison hinaus mit den Vorfällen bei der Relegationsbegegnung beschäftigen müssen.

Morgen (13.30 Uhr) leitet Hans E. Lorenz die Verhandlung in der Verbandszentrale in Frankfurt/Main. Der Deutsche Fußball-Bund und der Ligaverband haben eine neue Strategie im Kampf gegen Gewalt angekündigt. "Grundsätzlich ist nach den Übergriffen dieser Saison ein Punkt erreicht, an dem neue Wege gegen Gewalt im Umfeld von Fußballspielen gegangen werden müssen", heißt es in einer von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Reinhard Rauball unterschriebenen Erklärung vom Mittwoch.

Noch vor der neuen Spielzeit in der 1., 2. und 3. Liga soll nun bei einer Zusammenkunft aller Präsidenten ein Verhaltenskodex entwickelt werden, der den Umgang zwischen Vereinen und Fans beschreibt. Außerdem sollen im Zusammenspiel mit Polizei und Justiz effektivere Vorgehensweisen gegen Gewalttäter auf den Weg gebracht und abgestimmt werden, heißt es. Hertha hatte Einspruch gegen die Wertung des Relegationsrückspiels (2:2) eingelegt. Nach Angaben von Anwalt Christoph Schickhardt strebt der Club ein Wiederholungsspiel an.

Der DFB-Kontrollausschuss leitete gegen beide Vereine Ermittlungen ein - wie auch gegen die vier Hertha-Profis Lewan Kobiaschwili, Thomas Kraft, Christian Lell und Andre Mijatovic sowie Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz. Kobiaschwili soll Schiedsrichter Wolfgang Stark nach dem Spiel in den Nacken geschlagen haben. "Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich", begründete Manager Michael Preetz den Protest.

Die Partie war am Dienstagabend unter unwürdigen Umständen zu Ende gegangen. Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, musste Stark das Spiel für 21 Minuten unterbrechen. Die Düsseldorfer, die sich nun doch noch nicht als Bundesliga-Aufsteiger feiern lassen dürfen, sehen der Verhandlung nach eigenen Aussagen gelassen entgegen. "Das Spiel ist ordnungsgemäß beendet worden. Es handelt sich um eine klare Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters", sagte Fortuna-Manager Wolf Werner. Die Aussichten von Hertha werden beim DFB intern als eher gering eingeschätzt.Der Heidelberger Sportanwalt Michael Lehner sagte hingegen bei "Spiegel online": "Der Verein hat Aussicht auf Erfolg."

Die gesamte Mannschaft sei in ihrem Spielfluss gestört worden. Unabhängig vom Ausgang am Grünen Tisch sind die Fußballfunktionäre gefordert, sich nach massiven Ausschreitungen zum Saisonende nicht nur in Düsseldorf etwas einfallen zu lassen. Immer wieder beriefen sich die Verantwortlichen von DFB und DFL in der Vergangenheit auf die gesellschaftliche Problematik bei jugendlichen Gewalttätern, die den Fußball als Bühne missbrauchten und von der Polizei nicht in den Griff zu bekommen sind. "Die jüngsten Ausschreitungen zum Saisonende machen einmal mehr auf traurige Weise deutlich, dass die bisherigen Konzepte und Maßnahmen allein nicht mehr ausreichen", räumten DFB und Ligaverband in ihrer Erklärung ein. Man sei sich darüber einig, dass solche "unverantwortlichen und die Gesundheit der vielen friedlichen Fans gefährdenden Szenen" in einem Fußballstadion nicht tolerierbar seien und konsequent geahndet werden müssen. Die Sportgerichtsbarkeit des DFB sei auch in diesem Fall dafür zuständig, das angemessene Strafmaß zu finden.

Düsseldorf muss jedenfalls mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Der neue DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock hatte bereits vor diesen Ausschreitungen ein Spitzengespräch mit der DFL über die zunehmende Gewaltproblematik angekündigt. Der 55-Jährige betonte aber auch: "Niemand von uns hat Patentrezepte in der Tasche." Die Vereine hätten als Hausherren "harte Sanktionsmöglichkeiten, die manchmal nur zum Teil ausgeschöpft werden".