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Sportmix Sieben Ironman-Wettkämpfe in sieben Tagen
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20:09 29.12.2011
Der amerikanische Extremsportler Scott Ragsdale bei den Vorbereitungen auf seinen Triathlon-Wahnsinn. Quelle: dpa
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Gehört hat man den Satz schon öfter. Er habe, sagt der Amerikaner Scott Ragsdale, „eine neue Herausforderung“ gesucht. Doch während die meisten, die so etwas sagen, kurz darauf ihren Job kündigen, hat Extremsportler Ragsdale das mit der Herausforderung wörtlich genommen. Innerhalb von sieben Tagen hat der 40-Jährige im Dezember sieben Ironman-Wettkämpfe bestritten: 26,6 Kilometer ist er in dieser Zeit geschwommen, 1260 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren und fast 300 Kilometer gelaufen, insgesamt war er gut
1580 Kilometer in Bewegung. Oder in anderen Worten: Ragsdale kommt innerhalb von einer Woche von Hannover bis nach Rom und benötigt dafür nicht einmal ein Busticket.

Ragsdales Story ist die Geschichte einer Selbstverwirklichung. Die eines außergewöhnlichen Unternehmers, eines Draufgängers. 39 Jahre alt war er gerade geworden, als ihm die wahnwitzige Triathlon-Idee kam. „Ich habe etwas gesucht, das mehr Konzentration von mir verlangt als alles andere jemals zuvor“, sagt er. Neun Monate lang drehte sich Ragsdales Leben nur um die Vorbereitung auf jene Extremmutprobe, für die er die Vereinigten Arabischen Emirate ausgesucht hatte. Der erste Triathlon in der Küstenstadt Fudschaira, der letzte in Abu Dhabi.

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Triathlon war das Einzige, worüber ich in dieser Zeit nachgedacht, worüber ich gesprochen habe“, sagt Ragsdale. „Ich mag Herausforderungen, weil die Willenskraft im Fokus steht, etwas Außergewöhnliches zu erreichen.“ Als Chef eines weltweit operierenden Dienstleistungsunternehmens sollte er genug um die Ohren haben, doch Ragsdale hält nichts von Auszeiten und Entspannung, seine Maxime ist das Maximum. Jederzeit.

„Zu viele Menschen wollen ein schönes, leichtes und bequemes Leben“, sagt er. „Das Leben ist nicht dafür da, um schön und bequem zu sein“, behauptet Ragsdale. Für ihn selbst gilt das wohl auch deshalb, weil er sich immer an sein Credo gehalten hat. Wahrhaftig ist er ein Vorbild an Beharrlichkeit, Disziplin, an Unnachgiebigkeit. Am Ende der quälenden Woche bewegte er sich vor lauter Schmerzen zeitweise nur noch mit dem Tempo einer lahmen Ente – aber er hielt durch.

Ein Vorbild will er sein, nicht zuletzt für seine Mitarbeiter. Hunderte von ihnen standen bei Ragsdales letzter Etappe des Triathlon-Wahnsinns in Abu Dhabi an der Strecke und feuerten ihren Vorgesetzten an. „Ich weiß nicht mehr viel von den letzten drei Tagen. Zum Schluss habe ich vor mehr als 2000 Leuten noch eine Rede gehalten, selbst daran kann ich mich kaum noch erinnern“, sagt er.

Drei Tage lang habe er danach mit hohem Fieber im Bett gelegen – die Anstrengungen hatten seinen Körper heillos überfordert. Egal, findet Ragsdale. Er ist das Leiden gewöhnt, vielleicht ist er auch verrückt danach. Mitten in der Vorbereitung musste er sich an beiden Knien operieren lassen, im April am linken, im Juni am rechten, dennoch ließ er sich nicht von seinem Weg abbringen. „So ist es auch eine großartige Geschichte darüber, Hindernisse zu überwinden, fokussiert zu bleiben, einfach weiterzumachen“, findet er.

Vergangenes Jahr schwamm er durch den Ärmelkanal, neue Ziele hat er aber auch schon: einen Ironman in weniger als zehn Stunden schaffen, den höchsten Berg in Südamerika erklimmen. Neue Herausforderungen lassen sich ja überall finden.

Michael Brehme