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Sportmix Schuon bedroht - Cichon bestreitet
Sportbuzzer Sportmix Schuon bedroht - Cichon bestreitet
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16:32 09.12.2009
Weitere Details über den Wettskandal kommen ans Licht.
Weitere Details über den Wettskandal kommen ans Licht. Quelle: ddp (Archiv)
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Im größten Manipulationsskandal der europäischen Fußball-Geschichte kommen weitere Details über die Methoden der Wettmafia ans Licht. Der teilgeständige Profi Marcel Schuon fühlte sich von einem inzwischen in U-Haft sitzenden Betreiber eines Wettbüros massiv unter Druck gesetzt. „Er hat mich bedroht. Er sagte, er werde mich immer finden, wo immer ich auch hingehe“, sagte er der „New York Times“. Ein Mann aus dem Wettbüro, in dem Schuon Geld setzte, hatte ihm nach Angaben der US-amerikanischen Tageszeitung im April dieses Jahres eröffnet, dass sein Chef eine Waffe besitze. Beim nächsten Treffen habe Schuon dann zugesagt, dass er die Partie des VfL Osnabrück beim FC Augsburg für einen Schuldenerlass von 20.000 Euro absichtlich verliere.

Nach dieser Absprache sei es allerdings auf dem Feld nicht zur Manipulation gekommen, bekräftigte Schuon. Das hatte der 24-Jährige bereits vor anderthalb Wochen bei der Staatsanwaltschaft Bochum ausgesagt. Da Osnabrück dennoch wie gewünscht mit 0:3 verlor, wurden Schuon diese Schulden erlassen.

Sein Fall illustriert, wie Sportler in die Fänge der Wettmafia geraten können: Nach Angaben der „New York Times“ soll Schuon bereits im Alter von 22 Jahren in Osnabrück bei einem Monatsgehalt von etwa 8000 Euro bis zu 1000 Euro gewettet haben - zunächst einmal die Woche, später täglich. Im Dezember 2008 habe er neben einem fünfstelligen Bankkredit auch beim Wettbüro 5000 Euro Schulden angehäuft. Daraufhin sei der Besitzer an ihn herangetreten, sagte Schuon: „Ich dachte, er würde mir eine Frist geben, um zu bezahlen. Als ich verstand, was er wollte, war ich noch mehr geschockt. Ich sagte nein, ich werde das nicht machen. Ich bin noch jung, ich habe eine Karriere vor mir.“

Wie die Zeitung schreibt, nahm der Profi einen zweiten Bankkredit auf, den er binnen Wochen auch verspielte. Im Januar habe der Mann sein Angebot wiederholt und soll 25.000 Euro für ein erfolgreich manipuliertes Spiel offeriert haben. Schuon verweigerte nach eigenen Angaben erneut. Im März sei der Druck auf ihn erhöht worden, sagte er. Zwei Tage vor der Partie zwischen Osnabrück und Augsburg habe er ein codiertes Signal im Wettbüro erhalten. „Du wirst das Spiel sowieso 0:3 verlieren“, habe der Besitzer zu ihm gesagt. Vor jedem weiteren Auswärtsspiel dieser Saison habe das Wettbüro ihn weiter unter Druck gesetzt, sagte Schuon.

Ein früherer Teamkollege von Schuon hat hingegen seine angebliche Verwicklung in den Wettskandal bestritten. „Ich habe nie Geld dafür bekommen, dass ich schlecht spiele oder dafür, dass ich absichtlich schlecht gespielt habe. Mit den unterstellten Spielmanipulationen habe ich nichts zu tun“, sagte Thomas Cichon der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Kürzlich hatte die „Süddeutsche Zeitung“ aus zwei Akten der Staatsanwaltschaft Bochum zitiert und den Namen Cichon ins Spiel gebracht. Konkrete Hinweise gegen ihn gibt es bislang nicht: Es fand weder eine Hausdurchsuchung noch eine Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft statt. Zugleich gab Cichon aber zu, wegen Wettschulden einen Gehaltsvorschuss von rund 20.000 Euro von seinem damaligen Arbeitgeber Osnabrück bekommen zu haben.

Ein weiteres Dementi im Wettskandal kommt vom Fußball-Kreis Olpe im Fall des vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) kurzfristig für eine Partie ausgetauschten Schiedsrichters. „Nach meinem Kenntnisstand taucht der Name Thorben Siewer in den staatsanwaltlichen Ermittlungsakten im Fall des Wettskandals nicht auf“, sagte der Jurist und Vorsitzende des Fußball-Kreises Olpe, Andreas Hebbeker, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der 22 Jahre alte Referee aus Drolshagen im Sauerland war am vergangenen Freitag als Assistent für die Samstag-Partie der 3. Liga zwischen dem VfL Osnabrück und Wacker Burghausen ersetzt worden, da er „nach DFB-Informationen namentlich in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bochum zu möglichen Spielmanipulationen in Deutschland auftauchen soll“. Hebbeker kritisierte diese Maßnahme als „vorschnelles Vorgehen“ des DFB: „Sie haben einen 22-Jährigen im Regen stehen lassen. Das ist ein absolutes Unding.“

lni

09.12.2009