Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportmix Schiedsrichter verteidigt übersehenes Handspiel in der Fußball-Bundesliga
Sportbuzzer Sportmix Schiedsrichter verteidigt übersehenes Handspiel in der Fußball-Bundesliga
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:34 15.11.2010
Wolfsburgs Trainer Steve McClaren diskutiert nach dem Spiel mit Schiedsrichter Wolfgang Stark.
Wolfsburgs Trainer Steve McClaren diskutiert nach dem Spiel mit Schiedsrichter Wolfgang Stark. Quelle: dpa
Anzeige

Schwacher Wolfgang Stark: Ausgerechnet am einzigen deutschen WM-Schiedsrichter hat sich die Kritik entzündet - nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Der Referee aus Ergolding wehrt sich nach dem Wolfsburg-Spiel gegen den Vorwurf der Arroganz. „Dem kann ich in keiner Weise zustimmen“, sagte der 40-Jährige am Montag der Nachrichtenagentur dpa. „Meine Körpersprache ist relativ ausgeglichen und ruhig - wie die der anderen Schiedsrichter auch.“

Schützenhilfe erhält Stark von Herbert Fandel: Der Vorsitzende der neuen Unparteiischen-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wollte bei der Managertagung an diesem Montag in Frankfurt/Main erst gar keine Missstimmung zwischen den Proficlubs und der schwarzen Zunft aufkommen lassen. Und er findet es „unfair und anmaßend“, Stark Selbstherrlichkeit zu unterstellen. Fandel: „Es wäre fatal, einen Schiedsrichter aufgrund eines Einzelfehlers infrage zu stellen.“

Nach dem 2:2 zwischen dem VfL Wolfsburg und Schalke 04 am Samstag hatte sich Stark in Sicherheit bringen müssen: Dem Ausgleich der Gäste war eine klare Regelwidrigkeit von Klaas-Jan Huntelaar vorausgegangen. „Ich kann nur sagen, dass wir das Handspiel nicht wahrgenommen haben. Mir wäre es auch lieber gewesen, wir hätten die Szene auf dem Radar gehabt“, sagte Stark über sich und seine WM- erprobten Assistenten Jan-Hendrik Salver und Mike Pickel. „Ansonsten hat er das Spiel souverän geleitet“, attestierte ihm Fandel.

Der DFB beschäftigt sich nun mit Starks Sonderbericht: Von der Tribüne gab es Bierduschen, Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß ließ Schimpftiraden ab („Eine Schande, dass so ein Mann Deutschland vertritt“) und VfL-Coach Steve McClaren klatschte hämisch Beifall. „Er demonstriert, dass er die Macht hat“, kritisierte Hoeneß. „Mit ihm kann man nicht reden, er ist arrogant“, sagte VfL-Torjäger Edin Dzeko und forderte gar eine Strafe: „Das ist keine Kleinigkeit, der Schiedsrichter entscheidet Spiele.“

Fandel stellt sich vor seinen prominentesten Schützling. „Wolfgang Stark ist immer er selbst geblieben, er hat sein Verhalten nicht verändert“, sagte der frühere FIFA-Referee. „Man darf jetzt nicht den Stab über Wolfgang Stark brechen, sondern sollte die Kirche im Dorf lassen.“ Fandel sprach von einer „einzelnen Fehlentscheidung“, ansonsten habe er das Spiel souverän geleitet.

Stark zählte bei der WM in Südafrika zu den Besten der oft gescholtenen Referee-Gilde und leitete seine drei Spiele souverän. Doch im „Arbeitsalltag“ danach sieht das anders aus: Das Fachmagazin „kicker“ gab dem gelernten Bankkaufmann in seinen sieben Bundesliga- Spielen dieser Saison dreimal die Note 5.

Beim 1:1 zwischen Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim am 24. Oktober zog er sich den Zorn der Hoffenheimer zu, weil ein heftig umstrittener Freistoß zum Ausgleich durch Antonio da Silva in der Nachspielzeit führte. Davor hatten sich Wolfsburger und Hannoveraner nach dem 2:0 des VfL über den Unparteiischen beklagt. So echauffierte sich 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke, Diego habe Stark „fünf Minuten lang den Vogel zeigen dürfen“.

Zuletzt hatten sich die Mainzer auf Stark eingeschossen, da dieser beim 0:1 in Freiburg einen Elfmeter gegen die Spitzenmannschaft pfiff - zurecht übrigens. „Herr Stark ist ja bekannt dafür, dass er gerne mal Spiele entscheidet“, urteilte damals 05-Torwart Christian Wetklo. Stark sieht sich als WM-Referee „mehr im Fokus stehen, da fällt die Kritik manchmal harscher aus“. Für Fandel ist Stark weiterhin „unser Bester und deshalb werden an ihn ganz andere Erwartungen gestellt. Es wird erwartet, dass er fehlerlos ist - aber das ist niemand.“

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

dpa