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Sportmix Schach-Weltmeister Anand will Titel verteidigen
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14:33 11.05.2012
Foto: Schachweltmeister Viswanathan Anand will in Moskau seinen Titel verteidigen.
Schachweltmeister Viswanathan Anand will in Moskau seinen Titel verteidigen. Quelle: Archivfoto: dpa
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Moskau

Was Arjen Robben für den FC Bayern München, ist Viswanathan Anand für die Ooser Schachgesellschaft Baden-Baden (OSG): einer der Garanten für Siege und Meisterschaften. Und ebenso wie der Fußball-Rekordmeister verfügt die OSG über etliche weitere Spitzenspieler. Im Moment richten sich alle Augen auf ihren Star. Seit diesem Freitag verteidigt Anand in Moskau seinen WM-Titel gegen Boris Gelfand aus Israel - auch zur Ehre seines Vereins.

Die Schachgesellschaft aus der Casino-Stadt ist Ende der 1990er Jahre wie Phönix aus der Asche aufgestiegen. Vater des Erfolgs ist Christian Bossert, ehemaliger Kadertrainer des Badischen Schachverbandes. „Mein Vorbild waren die Fechter in Tauberbischofsheim, die es mit einem Zentrum in der Provinz bis an die Weltspitze geschafft haben“, erzählte er.

Vom Georgischen Schachverband, der über Jahrzehnte die Szene beherrschte, schaute er sich die Trainingsprogramme ab und holte Großmeister als Trainer nach Baden. Möglich war das mit dem Sponsor Wolfgang Grenke, der mit IT-Leasing sein Geld verdient. Er investiert Schätzungen zufolge jährlich einen sechsstelligen Betrag in den Denksport. Daneben bietet er einigen Schachspielern - darunter auch Bossert - einen Job.

Nicht zuletzt mit Blick auf das Marketing stellte Bossert das Team zusammen: „Wir haben den jeweils besten Schachspieler aus Dänemark, Spanien, England, Frankreich, Norwegen, Rumänien und natürlich aus Deutschland in unseren Reihen.“ Jeder bekannte Name zog weitere Interessenten an.

„Zudem gilt die deutsche Schachliga als die stärkste der Welt“, erklärte der Vizepräsident des Deutschen Schachbundes (DSB), Niklas Rickmann. „Fast alle Weltstars hinterlassen hier ihre Duftmarke.“ Zurzeit tun sie dies vornehmlich bei der OSG, zum Unbehagen der Konkurrenz. Siebenmal in Serie holten die Badener den Männer-Titel und verwiesen den Hauptkonkurrenten Werder Bremen auf die Plätze.

Die Reaktionen schwanken ähnlich wie beim FC Bayern zwischen Neid und Hochachtung. Unter dem Strich sieht Rickmann die OSG als „Aushängeschild für das deutsche Schach“. Eine Werbung, die der Randsport gut gebrauchen kann. Zurzeit zählt der DSB etwa 92 000 Spieler im Land, organisiert in rund 6000 Vereinen. „Aber die Zahl ist rückläufig. Auffällig ist, dass vor allem in Süddeutschland Spieler zwischen 20 und 40 Jahren die Vereine verlassen“, sagte Rickman.

Auch die anderen 15 Bundesligavereine könnten von der OSG-Stärke profitieren. Wenn sie auch kaum noch Chancen auf den Titel hätten, so könnten deren Spieler doch mal gegen den Weltmeister antreten. Anand, der im hessischen Bad Soden eine Wohnung besitzt, saß in der vorigen Ligasaison aber nur bei vier Partien am Tisch. Ansonsten ist er weltweit unterwegs. „Schachspieler sind ein wenig wie Musiker - sie dürfen auch in anderen Kapellen, sprich Vereinen spielen“, erklärte Bossert.

Auch die anderen OSG-Großmeister sind immer wieder mal unabkömmlich. Deshalb ist für Bossert der Abstand in der Liga nicht so groß, wie immer behauptet wird. „In der vergangenen Saison haben wir gleich in der ersten Runde verloren und mussten auf Aufholjagd gehen.“ In manchen Spielen habe die OSG auch den sprichwörtlichen Bayern-Dusel gehabt. „Allerdings haben gute Spieler immer auch das Glück - durch ihr Können und ihre Erfahrung.“

Nur bei einem Titelkampf konnte der Verein diese Glückskarte bislang nicht ziehen: Der Sieg im Europacup fehlt noch in der Sammlung. „Wir waren zwei, dreimal ganz nah dran“, erzählte Bossert. „Aber um dort gegen die Konkurrenz aus Osteuropa zu gewinnen, muss einfach alles zusammenpassen.“ Sollte Anand seinen WM-Titel in Moskau behalten, würde das neuen Ansporn geben.

dpa