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Sportmix Probleme mit dem Kunstrasen und Defensivtaktik in Moskau?
Sportbuzzer Sportmix Probleme mit dem Kunstrasen und Defensivtaktik in Moskau?
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22:08 07.10.2009
Löws Elf hat doch Probleme mit dem Kunstrasen.
Löws Elf hat doch Probleme mit dem Kunstrasen. Quelle: DDP
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Die Vorstellung sollte hinter verschlossenen Türen stattfinden, aber im Umfeld der deutschen Fußball-Nationalmannschaft lässt sich selten alles geheim halten. Dabei wäre es Bundestrainer Joachim Löw lieber gewesen, wenn das Ereignis ignoriert worden wäre.

Alles halb so schlimm, sagte Löws Assistent Hansi Flick, „das Ergebnis interessiert uns nicht“. Es sei vor allem um einen Lerneffekt gegangen vor dem Showdown um die direkte WM-Qualifikation in Moskau am Sonnabend (17 Uhr, live im ZDF) gegen Russland.

Die Lektion war ernüchternd. Auf Kunstrasen stieß die deutsche Elf gegen den Viertligisten schnell an Grenzen. „Die Spieler haben erfahren, dass man selbst gegen Unbekannte auf Kunstrasen nicht das gewöhnliche Spiel aufziehen kann“, sagte Flick. Zu dieser schlichten Analyse gesellten sich weitere unschöne Erkenntnisse: Nach den Trainingseinheiten und der Partie klagten die Spieler über muskuläre Probleme. „Das ist, als würde man auf Asphalt statt auf weichem Boden laufen. Man spürt danach mehr Verspannungen“, erklärte Flick.

Kurzerhand änderten Löw und sein Assistent den Trainingsplan: Mehr Regeneration und Pflege wurden eingeplant. Vor dem Abflug heute nach Moskau wurde eine Trainingseinheit vom Kunst- auf Naturrasen verlegt. Die Gewöhnung an das Spielfeld, das die deutsche Elf in Moskau erwartet, fällt schwer. Mit einem Unentschieden hätte es die Mannschaft weiter in der Hand, das WM-Ticket mit einem Sieg vier Tage später in Hamburg gegen Finnland zu lösen, und auch wenn Löw und Flick das nicht offen aussprechen: Bastian Schweinsteiger ließ durchblicken, wie die offensivstarken Russen in Schach gehalten werden sollen. „Als Erstes muss die Defensive gut stehen. Denn wenn wir kein Gegentor kassiert haben, dann haben wir unsere Sache gut gemacht“, sagte der Münchener.

Löw und Flick arbeiten an einer defensiven Aufstellung mit nur einem Stürmer, die in Mainz getestet wurde. Ein System wie bei der EM 2008 im Viertelfinale gegen Portugal und im Halbfinale gegen die Türkei erfolgreich praktiziert, scheint die bevorzugte Variante zu sein. Eine Personalie könnte dabei interessant werden: In der Viererkette gegen das Mainzer Team stand rechts Debütant Jerome Boateng. Und Simon Rolfes kann sich Hoffnungen auf einen Einsatz im defensiven Mittelfeld machen.

Der Leverkusener scheint als technisch geprägter Spieler besser für den Kunstrasen-Kick geeignet als Thomas Hitzlsperger. „Wir beschäftigen uns damit, welche Spieler prädestiniert sind, die Aufgabe auf Kunstrasen zu bewältigen“, sagte Löw. Die Aufstellung für Moskau erfolgt nach recht speziellen Kriterien. Im Testspiel kam Lukas Podolski als einzige Spitze zum Einsatz. Mario Gomez und Miroslav Klose durften nur in der B-Elf ran.

Die Wahl der Sturmspitze für Moskau dürfte wahrscheinlich zwischen Podolski und Klose getroffen werden. Für den Erstgenannten spricht die Konterstärke, für den Zweiten die Fähigkeit, den Ball zu halten. Löw wird sich genaue Gedanken machen – denn am Sonnabend interessiert das Ergebnis umso mehr.

von Gregor Derichs