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Sportmix Nicolas Kiefer vor Rückkehr auf den Tenniscourt
Sportbuzzer Sportmix Nicolas Kiefer vor Rückkehr auf den Tenniscourt
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07:25 07.04.2010
Tennisprofi Nicolas Kiefer will wieder angreifen. Quelle: ap
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Es ist still geworden um den Tennisprofi Nicolas Kiefer. Nach einem „Seuchen-Jahr“ mit zahllosen Rückschlägen ist die einstige Nummer 4 der Weltrangliste auf Position 139 durchgereicht worden, sein letztes Turniermatch hat er im vergangenen November bestritten. Als in Melbourne sein Lieblings-Grand-Slam gespielt wurde, musste sich der 32-Jährige an der Leiste operieren lassen und konnte nur im Traum an die Rückkehr auf den Tennisplatz denken.

„Aber ich habe die Motivation nie verloren“, erzählt der Hannoveraner und kündigt an: „Jetzt brenne ich auf mein Comeback.“ Schon in Monte Carlo könnte es in einigen Tagen soweit sein. Kiefer flog gestern zum am Sonntag beginnenden Masters-Turnier, wo die Veranstalter eine Wildcard für ihn bereithalten. Danach könnte ein Start in Barcelona folgen. Allerdings muss er nicht nur fit sein, sondern dort dann auch durch die Mühlen der Qualifikation. „Ich muss mich anstellen bei den Turnieren“, weiß der einst als Erbe des dreimaligen Wimbledonsiegers Boris Becker gehandelte Kiefer und hofft darauf, nicht nur in Monte Carlo eine Wildcard zu ergattern.

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Am liebsten auch für die Mannschafts-Weltmeisterschaft in Düsseldorf. „Der World Team Cup ist eines meiner Lieblingsturniere. Ich habe schon mit dem Turnierdirektor und mit Teamchef Patrik Kühnen telefoniert. Jetzt warte ich auf seine Zusage. In dieser Phase würde ich mich auch mit einer Rolle als Doppelspieler anfreunden können.“

Die Chancen stehen nicht einmal schlecht. Denn viele deutsche Tennisprofis bieten sich derzeit nicht an für die Nationalmannschaft. Das wurde vor dem verlorenen Daviscup-Auftakt in Frankreich allzu deutlich, als es Absagen hagelte. „Es ist eben vor allem eine Sache der Einstellung“, betont Kiefer heute. „Man hatte zeitweise den Eindruck, dass der am meisten motivierte Akteur Patrik Kühnen war – nur saß der ja leider als Teamchef auf der Bank.“

Auf der Zielgeraden seiner Karriere sieht Kiefer vieles klarer, manches auch in einem anderen Licht: „Der Daviscup ist das Größte. Das ist eine Einschätzung, die mit dem Alter und der langen Erfahrung zu tun hat.“ Das Wir-Gefühl fehle ihm, und deshalb wolle er zurück: „Alleine die Woche zusammen im Team, das ist einfach super. Auch wenn es im September nur gegen den Abstieg geht: Ich stehe bereit.“

Kiefer will es noch einmal wissen. Daran lässt er keinen Zweifel. „Ich vermisse die Tour. Klar, die damit verbundene Schinderei und das Leben aus dem Koffer machen nicht immer Spaß, aber sie gehören zum Profileben dazu.“ Diese Erkenntnis konnte ihm die deutsche Tennis-Legende Becker vor Jahren nicht vermitteln. Das Verhältnis galt deshalb als gestört, wovon Kiefer heute nichts mehr wissen will: „Dass es auch mal Meinungsverschiedenheiten gab, ist völlig normal. Aber heute kann ich nur sagen: großer Dank an Boris!“

Der Kampfgeist eines Becker hat dem manchmal eigensinnigen Niedersachsen gefehlt. Sonst „wäre noch mehr drin gewesen“ als eine Silbermedaille im Doppel bei den Olympischen Spielen in Athen, sechs Turniersiege bei 19 Finals und der 4. Platz in der Weltrangliste am 10. Januar 2000. „Aber: Noch bin ich nicht am Ziel angekommen.“ Der Endpunkt seiner Karriere sollen die Sommerspiele 2012 in London sein. „Die Olympischen Spiele sind das Größte, ich habe drei mitgemacht und dies wäre ein super Abschluss.“

Und dann? „Ich möchte dem Sport verbunden bleiben“, erzählt der Fan von Fußball-Bundesligist Hannover 96 und fügt vielsagend hinzu: „Das muss nicht unbedingt im Tennis sein.“ Neue Aufgaben kommen in jedem Falle privat auf Kiefer zu: Seine Freundin erwartet in diesem Jahr ein Baby.

dpa