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Sportmix Neue Widrigkeiten für Löw & Co. - Bangen um Özil
Sportbuzzer Sportmix Neue Widrigkeiten für Löw & Co. - Bangen um Özil
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11:50 10.10.2010
Angeschlagen: Der Einsatz von Mesut Özil beim Spiel in Kasachstan ist noch fraglich.
Angeschlagen: Der Einsatz von Mesut Özil beim Spiel in Kasachstan ist noch fraglich. Quelle: dpa
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Ob WM-Müdigkeit, türkischer Fanatismus oder Verletzungen - nichts und niemand scheint den neuen Masterplan von Joachim Löw stören zu können. Das junge deutsche Nationalteam um den derzeit angeschlagenen Fan-Liebling Mesut Özil hat beim 3:0-Sieg gegen den ärgsten Gruppen-Rivalen Türkei nicht nur allen Widrigkeiten getrotzt. Der WM-Dritte gerät nach drei bisher makellosen Auftritten in der EM-Qualifikation auch bei der Konkurrenz immer mehr in eine Ausnahme-Rolle für das europäische Championat. „Die Mannschaft ist in allen Bereichen gut“, attestierte der erfahrene Trainerfuchs Guus Hiddink dem DFB-Team einen klaren Vorteil gegenüber seinen Türken.

Joachim Löws Kurswechsel nach der EURO 2008 hin zu noch jüngeren Protagonisten und noch mehr Automatismen geht auch nach der erfolgreichen, aber im Halbfinale gestoppten WM-Safari in Südafrika weiter auf. „Wenn wir nach dem Spiel am Dienstag in Kasachstan zwölf Punkte haben, dann bin ich absolut zufrieden“, erklärte der Bundestrainer nach der auch ohne die Chefs Bastian Schweinsteiger und - nicht zu vergessen - Michael Ballack mit Bravour bestandenen Härteprüfung gegen die Türken. Wie andere Youngster immer wieder die Lücken schließen, das ist derzeit das wirklich Beeindruckende in Löws Ensemble. „Wir haben die Qualität, solche Spieler für das eine oder andere Spiel zu ersetzen“, betonte der Bundestrainer.

Möglicherweise muss Löw auch in der „Astana Arena“ gegen den Außenseiter Kasachstan wieder improvisieren. Denn ausgerechnet Ideengeber Özil plagt sich mit einer schmerzhaften Knöchelprellung. Zwar hat die medizinische Abteilung laut Löw inzwischen signalisiert, dass bis zur ungewöhnlichen Anstoßzeit am Dienstagabend um 23.00 Uhr Ortszeit Özil wieder einsatzbereit sein könnte. „Es ist keine schwerwiegende Verletzung“, sagte der Bundestrainer. Doch einen Ersatzplan wird er sich am Montag auf dem fünfstündigen Flug in die neu geschaffene Kasachen-Hauptstadt Astana schon einmal zurechtlegen.

Die Entscheidung über Özils Einsatz fällt erst im Abschlusstraining vor Ort, wo nicht nur vier Stunden Zeitunterschied und ein ungewohnter Kunstrasen, sondern zur Spielzeit auch Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt warten. „Wir müssen uns den Begebenheiten anpassen. Wir sind noch nicht am Ziel“, betonte Löw und fordert von seinem Personal nochmals volle Konzentration im letzten Pflicht-Länderspiel des Jahres. „Diese Energieleistung wird die Mannschaft noch einmal vollbringen“, versprach der Bundestrainer den deutschen Fans schon in der ARD.

Wie gefestigt das junge DFB-Team inzwischen ist, zeigte sich beim verdienten 3:0-Sieg gegen die Türkei exemplarisch an Jungstar Özil, der am kommenden Freitag 22 Jahre alt wird. Unfaire Pfiffe und Buhrufe der Halbmond-Fans in der deutschen Hauptstadt stellten den Enkel türkischer Einwanderer brutal in die Ecke eines angeklagten Überläufers. Özil antwortete erst auf dem Platz - mit Ruhe und einem Super-Tor zum 2:0. „Ich habe das ausgeblendet und mich allein auf mein Spiel konzentriert“, sagte Özil dazu in einem DFB-Interview. „Aus Respekt vor der Heimat meiner Vorfahren“ jubelte er nur still.

Der Bundestrainer zollte Respekt. „Mesut hat sich nicht beeindrucken lassen. Das hat er auch gezeigt“, sagte Löw. „Dass Mesut dann das Tor gemacht hat, das freut mich. Es war toll gemacht.“ Die Umstände vor 74 244 Fans im Berliner Olympiastadion waren nicht nur für Özil eine Herausforderung. „Es war schon eine besondere Situation, die türkischen Fans waren in der Mehrheit“, meinte Löw.

Zwei Treffer steuerte erneut Phänomen Miroslav Klose bei, der mit nun 57 Länderspiel-Toren immer näher an die Rekordmarke von „Bomber“ Gerd Müller (68) heranrückt. An „Kaiser“ Beckenbauer, der 103 Mal für Deutschland gekickt hatte, ist Klose mit seinem 104. Einsatz schon vorbeigezogen. „Ich habe zwar nun Franz Beckenbauer überholt, was die Zahl der Länderspiele angeht, aber wenn man sich die Namen Klose und Beckenbauer ansieht, da ist da schon noch ein Unterschied“, sagte der Angreifer nach seinem zwölften Tore-Doppelpack im DFB-Trikot.

Noch in der Kabine des Olympiastadions hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff persönlich ihre Glückwünsche überbracht. Merkel hielt nach dem Erfolg im Spitzenspiel der Gruppe A sogar eine Rede, gratulierte Özil besonders herzlich. „Das war eine tolle Leistung“, betonte die Kanzlerin. Ersatz-Torwart Tim Wiese bedankte sich im Namen der Mannschaft. Auch die verletzten Nationalspieler Schweinsteiger und Arne Friedrich waren mit dabei.

Beeindruckend war, wie Toni Kroos die Rolle des verletzten Scheinsteigers in der Mittelfeldzentrale ausfüllte. „Ich bin nicht der Schweinsteiger. Ich versuche die Position auf meine Art zu interpretieren. Ich denke auch, dass das gut geklappt hat“, meinte Kroos. „Jeder weiß, was auf dem Platz zu tun ist“, bemerkte Kapitän Lahm - genau das macht das Team derzeit so stark.

dpa