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Sportmix Kaum Platz für Sympathien im Nordderby
Sportbuzzer Sportmix Kaum Platz für Sympathien im Nordderby
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21:01 21.04.2009
Schenken sich nichts: Hamburg und Bremen treffen am Mittwoch im DFB-Pokal aufeinander. Quelle: David Hecker/DDP
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Die originellste Idee hatte Werder Bremens Verteidiger Petri Pasanen. Warum, fragte der Finne trocken, solle man innerhalb von 19 Tagen viermal auf den Hamburger SV treffen? Er schlage vor, „einen Derbytag festzulegen, wir spielen viermal 90 Minuten am Stück, und die Karten kosten 150 Euro“. Daraus wird leider nichts: Am Mittwochabend (20.30 Uhr, live im ZDF) wird im Halbfinale des DFB-Pokals das erste von vier Derbys angepfiffen, es folgen Hin- und Rückspiel im Halbfinale des UEFA-Cups (30. April in Bremen und 7. Mai in Hamburg) sowie das Bundesligaduell am 10. Mai.

Was im Eishockey oder Basketball während der Play-offs normal ist, dass zwei Teams bis zu siebenmal in kürzester Zeit aufeinandertreffen, ist im Fußball so unüblich, dass der frühere Bremer Nationalspieler Marco Bode gar nicht „weiß, wie sich das anfühlt“. Vor allem aber haben die beiden Nordklubs, obwohl es echte Freundschaften wie die des HSV-Sportchefs Dietmar Beiersdorfer (der zwischen 1992 und 1996 für Werder spielte) zu Bremens Trainer Thomas Schaaf oder Bode gibt, inzwischen eine Rivalität, die fast so brisant ist wie zwischen den Ruhrpott-Erzfeinden Dortmund und Schalke.

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Alles begann 1982 mit dem Tod des 16 Jahre alten Bremers Adrian Maleika, der bei einer Schlacht zwischen den Fangruppen von einem mauersteingroßen Brocken am Kopf getroffen wurde. Und selbst, als 1983 nach dem Sieg des HSV im Europacup der Landesmeister langsam die Vorherrschaft der Bremer begann, ebbte der Hass des vermeintlich Kleineren auf den Nachbarn nie ab. Dabei waren die Hamburger lange Zeit kein ebenbürtiger Widersacher mehr.

Während der HSV nur noch 1987 zum Abschied der Trainerlegende Ernst Happel den DFB-Pokal holte und 26 Jahre lang kein europäisches Halbfinale mehr erreichte, ist der kleine hanseatische Bruder mit drei Meisterschaften, vier Pokalsiegen, 1992 dem Europacup der Pokalsieger und zuletzt fünf Teilnahmen an der Champions League am Klub aus der dreimal größeren Stadt vorbeigezogen. Selbst vom 2. Platz in der „ewigen“ Bundesliga-Tabelle nach dem FC Bayern München hat Werder den HSV verdrängt.

Nur beim Zuschauerschnitt (HSV rund 55 000, Werder 40.000) und beim Umsatz (im Wirtschaftsmagazin „Forbes“ liegt der HSV international auf Rang 15, Werder auf Rang 18) liegen die Hamburger vorn. Und den Ruf, bester Einkäufer der Liga zu sein, muss Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs inzwischen wohl Beiersdorfer überlassen. „Dukaten-Didi“, wie ihn die Boulevardpresse nennt, hat mit 25 Millionen Euro Einsatz unter anderem Spieler wie Khalid Boulahrouz, Rafael van der Vaart oder Nigel de Jong für 71 Millionen Euro verkauft und dafür weitere gute Profis verpflichtet. Selbst Allofs bescheinigte dem Kollegen eine „erstklassige Einkaufspolitik“. Am Dienstag verlängerte HSV-Kapitän David Jarolim seinen Vertrag vorzeitig bis zum Jahr 2012.

Doch je mehr die Klubs sich wirtschaftlich annähern, desto argwöhnischer betrachten sie sich. Als der HSV 2007 wie Werder den Brasilianer Carlos Alberto verpflichten wollte, warf ihm die Bremer Führung „Preistreiberei“ vor. Dass Allofs den genialen, aber schwierigen Carlos Alberto bekam, hat seinem Ansehen im Nachhinein geschadet, während Beiersdorfer froh sein konnte, dass es nicht klappte. Er hatte damals noch nicht das Gewicht eines Allofs, dem der Fehleinkauf intern verziehen wurde.

So werden die Fans beider Lager ihre Mannschaften wieder mit angriffslustigen Choreografien auf die Spiele einstimmen. Vor vier Jahren haben die Bremer eine zerbröselte HSV-Raute gemalt, dazu die grün-weiße Werder-Raute mit Meisterschale, die Bremer Wahrzeichen Stadtmusikanten, Dom und Windmühle sowie den Satz: „Das ist eine Raute.“ In diesem Jahr tragen die HSV-Fans ihr Vereinslogo mit Stolz, immerhin haben die Hamburger im Unterschied zu den Bremern noch die Möglichkeit, Meister zu werden – und den Nachbarn obendrein noch in zwei weiteren Wettbewerben vorzuführen.

von Jörg Marwedel