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Hamilton siegt in der Eifel und stellt Schumacher-Rekord ein

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18:20 11.10.2020
Lewis Hamilton hat einen Helm Michael Schumachers von dessen Sohn Mick erhalten. Quelle: Matthias Schrader/Pool/AP/dpa
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Nürburg

In einem Gänsehaut-Moment nahm Lewis Hamilton nach der Einstellung von Michael Schumachers Formel-1-Siegrekord ein besonderes Geschenk von dessen Sohn entgegen. Mick überreichte dem sichtbar gerührten Mercedes-Piloten einen roten Rennhelm der berühmten Motorsport-Ikone.

"Es ist Wahnsinn, hier zu stehen", meinte Hamilton, nachdem er ausgerechnet auf einer der Heimatstrecken Schumachers seinen 91. Grand-Prix-Sieg gefeiert hatte. "Für die Menschen ist es schwer zu verstehen, wie er diese 91 Siege holen konnte, und es wird vom ersten bis zum 91. nicht einfacher."

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25 Jahre nachdem Schumacher als erster Deutscher auf dem Traditionskurs in der Eifel siegreich gewesen war, erreichte Hamilton beim Formel-1-Comeback auf dem Nürburgring diesen Meilenstein. "Das ist unglaublich. Ich werde eine Weile brauchen, um das zu realisieren. Ich habe großen Respekt vor Michael", sagte Hamilton (35). 2013 war er Schumachers Mercedes-Nachfolger geworden.

"Das ist ein historischer Tag", würdigte am Sonntag Daimler-Boss Ola Källenius seinen Star-Piloten und sprach von "Gänsehaut pur" während der bewegenden Szene zwischen Hamilton und Mick Schumacher, als der Engländer einen Helm aus der letzten Formel-1-Saison von dessen Vater Michael 2012 bekommen hatte: "Was er macht, ist einmalig." Für ihn stehe Michael über allen, "er ist eine Ikone und Persönlichkeit", meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff, "diesen Rekord einzustellen, ist aber fast surreal".

Mit seinem Erfolg im elften Saisonrennen näherte sich Hamilton auch wieder dem siebten WM-Triumph und der nächsten Rekordmarke von Schumacher. Hamilton profitierte dabei auch von einem Aus wegen Motoren-Defekts am Silberpfeil seines von der Pole gestarteten Teamkollegen Valtteri Bottas in dessen 150. Grand Prix.

Zweiter wurde der Niederländer Max Verstappen im Red Bull, auf Rang drei schaffte es der Australier Daniel Ricciardo im Renault. Sebastian Vettel konnte wie befürchtet bei seinem Heimspiel im Ferrari nichts ausrichten und musste sich mit Platz elf begnügen. "Ich bin natürlich nicht zufrieden. Wir hätten heute ein paar Punkte mitnehmen können", meinte Vettel zerknirscht.

In die Zähler fuhr dagegen sein Landsmann Nico Hülkenberg bei seinem nächsten Aushilfseinsatz für Racing Point. Der Rheinländer raste vom letzten Startrang aus sogar bis auf Rang acht. "Nicht so schlecht für einen Halbzeitarbeiter", fand es Hülkenberg hocherfreut. "Für den Moment bin ich glücklich und dankbar."

Das war auch Hamilton, der im WM-Klassement seine Führung mit dem siebten Saisonsieg weiter ausbaute. Er kommt nun auf 230 Punkte, Bottas bleibt als Zweiter bei 161 Zählern. Verstappen sammelte bisher 147 Punkte.

Als zum ersten Mal nach 2013 die roten Lampen für ein Formel-1-Rennen ausgingen, suchte Hamilton seine Siegchance in der Attacke. In die enge Rechtskurve nach der kurzen Beschleunigung bog Hamilton mit minimalem Vorsprung vor Bottas ein, beide trug es weit raus, Bottas hielt dagegen. Fair, aber knallhart rasten sie nebeneinander.

Bottas's Vorteil: Als nächstes kam eine Linkskurve, er war innen und behauptete damit nach dem packenden Zweikampf der Silberpfeile die Führung. Verstappen, der sich Hoffnungen gemacht hatte, das Duo splitten zu können, kam nicht ran, zusammen zogen die drei dem Feld danach aber schnell davon.

Auf die beiden deutschen Piloten mussten die 13.500 Zuschauer zunächst noch etwas länger warten. Vettel, gestartet von Rang elf, kämpfte, um wenigstens in die Top Ten zu kommen, nachdem auch sein Start nicht optimal gelaufen war. Bei einem Überholversuch leistete sich der viermalige Weltmeister auch noch einen Verbremser und kam mit qualmenden Reifen von der Strecke ab.

Hülkenberg hingegen, vom letzten Rang nach seinem Blitzengagement gestartet, machte mit einer Werbefahrt in eigener Sache für einen Vertrag im nächsten Jahr Position um Position gut. In der 42. Runde kam es sogar zum deutschen Duell: Der Ersatzmann für Racing-Point-Pilot Lance Stroll, der wegen Magenbeschwerden passen musste, lag hinter Vettel, der zuvor schon über seine Reifen geklagt hatte. Problemlos passierte "Hulk" im rosa Wagen des künftigen Vettel-Arbeitgebers (dann allerdings als Aston Martin) den Hessen im lahmen Ferrari. Und das alles ohne jede Vorbereitung für Hülkenberg.

Auch an der Spitze tat sich was, vorher schon. In der zwölften Runde verbremste sich Bottas, Hamilton ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen und überholte seinen Teamkollegen mit einem erneuten strammen Manöver. Trümmerteile nach einer Kollision sorgten für eine virtuelle Safety-Car-Phase. Alarm herrschte aber auch im Wagen von Bottas: "Ich habe keine Leistung mehr", funkte der Finne. Kurze Zeit später kam der Bescheid vom Kommandostand: Aufgabe.

Teamkollege Hamilton büßte beim nächsten Reifenwechsel über zwei Sekunden auf Mittlerweile-Verfolger Verstappen ein, verteidigte aber die Spitze. Es sollte aber noch mal richtig spannend werden. Durch einen Ausfall von Lando Norris im McLaren musste das Safety Car raus, das Feld rückte zusammen und die neu aufgezogenen Reifen kamen bei 16 Grad auf dem Asphalt nicht auf Temperatur. Hamilton ließ dem Feld aber keine Chance, als das Safety Car wieder in den Garage steuerte, und fuhr souverän zur historischen Rekordeinstellung.

© dpa-infocom, dpa:201011-99-905141/7

dpa