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Sportmix Geschichten, die die Relegation schreibt
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19:27 09.05.2012
Von Carsten Schmidt
Foto: Vom Buhmann zum Helden: Dortmunds Jürgen Wegmann (jubelnd rechts) hatte erst seinen Wechsel zum Erzrivalen FC Schalke verkündet und rettete dann den BVB.
Vom Buhmann zum Helden: Dortmunds Jürgen Wegmann (jubelnd rechts) hatte erst seinen Wechsel zum Erzrivalen FC Schalke verkündet und rettete dann den BVB. Quelle: imago sportfotodienst
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Die Bundesligasaison ist vorbei, doch Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf müssen nachsitzen: In der Relegation kämpfen die Berliner als Drittletzter der 1. Liga und die Rheinländer als Dritter der 2. Liga am Donnerstag und am Dienstag nächster Woche in der Hoffnungsrunde um das Ticket zur Fußball-Bundesliga. Spiele, die durchaus Hoffnung machen können, wie ein Blick zurück zeigt: Auch Meister Borussia Dortmund benötigte vor 26 Jahren den Umweg Relegation, um die Erstklassigkeit zu retten - mit viel Kampfgeist und noch mehr Glück.

Denn eigentlich war Kontrahent Fortuna Köln 1986 schon aufgestiegen. Die Rheinländer hatten das Hinspiel mit 2:0 gewonnen und lagen im Westfalenstadion vier Tage später bis zur Schlussminute nur mit 1:2 zurück. Doch dann konnte Kölns Torwart Jacek Jarecki einen Schuss von Ingo Anderbrügge nicht festhalten - und Jürgen Wegmann stocherte das Leder zum 3:1 über die Torlinie. „Kobra“ Wegmann wurde vom Buhmann zum Helden: Beim Anpfiff war er ausgepfiffen worden, weil er zur neuen Saison ausgerechnet beim Ruhrrivalen Schalke 04 unterschrieben hatte.

Die Entscheidung musste also in einem dritten Spiel fallen, das auch noch um eine Woche verlegt werden musste, weil Fortunas Profis von einer Grippewelle heimgesucht wurden. Gegen die geschwächten Kölner gewann Dortmund in Düsseldorf mit 8:0 und ebnete den Weg in die goldene Zukunft. „Ich glaube, wir wären bei einem Abstieg nicht so schnell zurückgekommen“, sagte später der damalige BVB-Profi Marcel Raducanu.

1983: Schalke – Uerdingen

Dieses Westduell bringt den spektakulärsten Favoritensturz. Obwohl die „Königsblauen“ eine katastrophale Bundesligasaison gespielt und nur mit viel Glück den 16. Rang erkämpft haben, gelten sie als klarer Favorit gegen die „Bayer-Zweigstelle“ aus Krefeld. Haudegen wie Bernard Dietz, Werner Lorant, Theo Bücker und Manfred Drexler sowie der unberechenbare Stürmer Wolfram Wuttke sollen ein weiteres Erstligajahr für Schalke sichern. Doch das erste Spiel in der Grotenburg am 15. Juni gewinnen die Uerdinger mit 3:1.

Vier Tage später schießt Drexler im Parkstadion das 1:0 für die Westfalen nach gut einer Stunde, doch die Schalker Hoffnung stirbt 20 Minuten später. Einwechselspieler Michael Schumacher gelingt der Ausgleich, und er leitet damit die erfolgreichste Zeit der Uerdinger ein: Sieben der 13 Bayer-Spieler, die in der Relegation gegen Schalke bestehen, werden 1985 DFB-Pokalsieger gegen Bayern München (2:1).

1988: Mannheim – Darmstadt

Das kurpfälzisch-hessische Nachbarduell – beide Städte trennen nur etwa 50 Kilometer – setzt in puncto Dramatik das Nonplusultra. Der Bundesliga-16. aus Mannheim führt sowohl am 2. Juni in Darmstadt als auch am 5. Juni in Ludwigshafen mit 2:0. Doch der kampfstarke Zweitligist schafft im Hinspiel die Wende zum 3:2-Sieg, und im Rückspiel rettet Uwe Kuhl mit seinem Treffer zum 1:2 in der 88. Minute die Südhessen ins dritte Spiel. Besonders feiert übrigens 98-Trainer Klaus Schlappner, der ein Jahr zuvor noch beim SV Waldhof tätig gewesen ist. Doch für ihn und die Hessen folgt im 3. Spiel in Saarbrücken das ganz bittere Ende.

Nach 120 torlosen Minuten kommt es zum Elfmeterschießen. Darmstadt führt nach vier Versuchen auf jeder Seite mit 3:2, doch dann vergibt mit Karl-Heinz Emig ausgerechnet ein früherer Waldhofer die Entscheidung. So gewinnen die Kurpfälzer letztlich mit 5:4 und bleiben noch zwei Jahre erstklassig.

1991: St. Pauli – Stuttgarter K.

Am Millerntor werden zumindest die Älteren sich nicht ärgern, dass die „Kiez-Kicker“ als Zweitliga-Vierter die aktuelle Relegation verpasst haben. Diese Ausscheidungsspiele liegen den Hamburgern einfach nicht. 1987 geht es gegen den FC Homburg in die Hose, und vier Jahre später sind die Stuttgarter Kickers stärker. Dabei gilt der Bundesliga-16. St. Pauli 1991 sogar als leichter Favorit nach einer ganz ordentlichen Saison, in der es gegen Meister Kaiserslautern und beim „Vize“ FC Bayern sogar 1:0-Siege gab. Doch die Schwaben schießen am 19. Juni im Hinspiel kurz vor Schluss den Ausgleich am Millerntor.

Vier Tage später heißt es dann im Neckarstadion wieder 1:1, sodass ein Entscheidungsspiel angesetzt wird. Und der Austragungsort Parkstadion Gelsenkirchen bietet das schlechte Omen für St. Pauli: Wie 1983 zieht der vormalige Erstligist den Kürzeren. Die Stuttgarter sind besser, ihr 3:1-Sieg steht bereits nach 45 Minuten fest.

2012: Hertha BSC – Düsseldorf

Natürlich dreht sich vor den Duellen am Donnerstag in Berlin und am Dienstag darauf in Düsseldorf (Beginn jeweils um 20.30 Uhr, live in der ARD) alles um Hertha-Trainer Otto Rehhagel. Der 73-Jährige hat auch Bezüge zum rheinischen Kontrahenten: Rehhagel formte Fortuna-Coach Norbert Meier bei Werder Bremen in den achtziger Jahren zum Nationalspieler, und „König Otto“ gewann mit der Fortuna seine erste Trophäe – den DFB-Pokal 1980. Zwiespältige Reminiszenzen verbinden Hertha-Manager Michael Preetz mit der Modemetropole: Er stieg als Spieler 1987 mit Düsseldorf aus der 1. Liga ab, zwei Jahre später schaffte er die Rückkehr mit den Rheinländern.

Als leichter Favorit gilt der Erstligist aus der Hauptstadt nach der fast wundersamen Rettung auf den 16. Platz am letzten Ligaspieltag. Die Rückrunde der Berliner indes bot mit drei Siegen viel zu selten Anlass zum Jubel, allerdings schafften die Düsseldorfer in der 2. Liga im selben Zeitraum auch nur vier „Dreier“.

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