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Sportmix Vollbremsung empfohlen: Ex-Formel-1-Bosse raten zu Abbruch
Sportbuzzer Sportmix Vollbremsung empfohlen: Ex-Formel-1-Bosse raten zu Abbruch
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11:33 14.04.2020
Max Mosley rät zu einer Absage der kompletten Formel-1-Saison. Quelle: picture alliance / dpa
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London

Die Väter der modernen Formel 1 raten zur Vollbremsung. Nach dem langjährigen Geschäftsführer Bernie Ecclestone empfiehlt auch der frühere Weltverbandschef Max Mosley die Absage der kompletten Saison wegen der Corona-Pandemie.

"Dann hätten die Teams und die Rennveranstalter Sicherheit, um planen und Maßnahmen ergreifen zu können. Zurzeit sind sie in der Schwebe und viele verlieren Geld", sagte der frühere Präsident des Internationalen Automobilverbands Fia der Deutschen Presse-Agentur.

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Auch in der Formel 1 herrscht wegen der Corona-Krise Stillstand. Die ersten neun der 22 geplanten Saisonläufe sind bereits abgesagt oder verschoben. Nach der Ankündigung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, öffentliche Veranstaltungen bis Mitte Juli zu verbieten, muss wohl auch der für den 28. Juni angesetzte Grand Prix in Le Castellet verlegt werden. Formel-1-Sportchef Ross Brawn hatte zuletzt von einem möglichen Neustart der Saison im Juli in Europa gesprochen.

Der ehemalige Fia-Boss Mosley hält diese Taktik für falsch. "Mit Abwarten riskiert man, die Lage zu verschlimmern, ohne die Sicherheit zu haben, dass man etwas gewinnt", erklärte der Brite. "Es gibt keine Garantie, dass die Rennen im Juli wieder starten können, und es wirkt eigentlich zunehmend unwahrscheinlicher", sagte Mosley.

Auch sein früherer Weggefährte Ecclestone hatte bereits mehrfach für einen Verzicht auf die Saison 2020 plädiert. "Man müsste die Formel 1 jetzt absagen. Für die ganze Saison. Denn keiner weiß doch genau, wie es weitergeht", hatte der 89-Jährige bei Sport1 gesagt. Die Politik werde das Risiko einer Zulassung von Großveranstaltungen vorerst nicht übernehmen.

Als Ausweg aus der Notlage prüft die Formel 1 Rennen ohne Zuschauer. "Das sind mögliche Optionen", sagte Fia-Präsident Jean Todt. Sein Vorgänger Mosley lehnt diese Gedankenspiele ab. "Das wäre eine finanzielle Katastrophe für die meisten Rennveranstalter", sagte der 80-Jährige. Auch die Verkürzung der Grand-Prix-Wochenenden und mehrere WM-Läufe auf einer Strecke würden Mosley zufolge "nur geringe Auswirkungen auf die Kosten haben".

Der Jurist, der die Fia von 1993 bis 2009 geführt hatte, schlägt stattdessen einen kompletten Neuanfang für die Rennserie im nächsten Jahr vor. Es sei besser für die Fia und die Rechteinhaber, "jetzt zu handeln und die Chance zu nutzen, die Formel 1 neu zu organisieren und zu strukturieren, um sie auf eine viel solidere finanzielle Basis für die Zukunft zu stellen".

Aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Zwangspause hat der Weltverband die geplante Regelreform bereits um ein Jahr auf 2022 verschoben. Zudem verhandeln die Spitzen der Rennserie um eine weitere Absenkung der für das nächste Jahr beschlossenen Budgetgrenze von rund 160 Millionen Euro pro Saison für jedes Team. Auf eine Reduzierung auf rund 137 Millionen Euro haben sich die Rennställe schon verständigt. Gegen die von den kleineren Teams erhoffte weitere Kürzung auf rund 110 Millionen Euro gibt es noch Widerstand.

Mosley bestärkte seinen Nachfolger Todt, das Etatlimit noch deutlich weiter zu reduzieren. "Ich bezweifle, dass das Problem der Ungleichheit gelöst werden kann, weil die vorgeschlagenen Budgets außerhalb der Reichweite der meisten der kleineren Teams sind. Außerdem gibt es zu viele Ausnahmen bei den geplanten Regeln", warnte Mosley.

Vor allem die Top-Teams Ferrari und Red Bull sollen sich noch gegen weitere Ausgabenbeschränkungen sperren. "Ich hoffe wirklich, dass alle das große Gesamtbild im Auge behalten - und nicht nur auf sich selbst schauen", hatte Fia-Chef Todt dazu gesagt. Noch in dieser Woche soll eine weitere Krisenrunde eine Lösung der Frage bringen.

dpa