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Sportmix Erste Medaille für Magdalena Neuner
Sportbuzzer Sportmix Erste Medaille für Magdalena Neuner
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19:13 02.03.2012
 Magdalena Neuner musste beim Schlusslauf um die erste Medaille bangen. Quelle: dpa
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Ruhpolding

Es kostet schon Mühe, die Bronzemedaille in der Mixedstaffel als Erfolg zu verkaufen. Die deutschen Biathleten versuchten es gestern zwar nach besten Kräften, aber Zweifel blieben, weil Gold in der ersten Weltmeisterschafts-Entscheidung von Ruhpolding bis kurz vor Schluss zum Greifen nahe war. „Super, wir sind Dritter“, rief Magdalena Neuner. „Wir haben Bronze gewonnen, nichts verloren“, sagte Andreas Birnbacher, und Startläuferin Andrea Henkel resümierte: „Wir haben das doch schon oft erlebt und sind immer vom Podest gefallen. Diesmal nicht.“

Alle drei bemühten sich vor allem, Arnd Peiffer zu trösten und aufzubauen. Doch der Schlussläufer wollte sich partout nicht freuen. Es sei zwar nett, dass die Mitstreiter ihn nicht als Idioten beschimpfen, sagte der Clausthal-Zellerfelder. „Aber ich ärgere mich total. Ich hätte den Sieg so gern nach Hause gebracht.“ Eine Minute Vorsprung hatte der deutsche Schlussläufer, als er auf die Strecke ging. Das entspricht in etwa einem Viertorevorsprung im Fußball. Doch beim letzten Stehendschießen unterliefen ihm gleich vier Fahrkarten, er musste in die Strafrunde und sowohl den norwegischen als auch den slowenischen Konkurrenten davonziehen lassen. Nichts war es mit dem ersehnten goldenen Auftakt. Und ein ganz schwacher Trost blieb dem Niedersachsen: „Ich bin froh, dass ich Magdalenas Medaillenziel nicht zerstört habe“, sagte Peiffer. Neuner will bei ihrer letzten WM-Teilnahme in all ihren sechs Rennen aufs Siegertreppchen.

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Dabei hatte es schon hakelig begonnen für die Deutschen. Henkel startete schwach, übergab nur als Sechste an Neuner und sagte anschließend: „Ich war nervös, das kenne ich gar nicht.“ Die Bayerin lief dann ein gutes Rennen und schob sich – auch dank der Schwäche ihrer Gegnerinnen – auf den 2. Rang vor. Birnbacher bot auf der 3. Position dann eine perfekte Vorstellung, schoss fehlerfrei. Die noch gut im Rennen liegenden Franzosen (Simon Fourcade) und Norweger (Ole Einar Björndalen) mussten dagegen in die Strafrunde. Björndalen allerdings zu Unrecht. „Die Scheibe blieb stehen, aber ich wusste genau, dass ich getroffen habe“, sagte er später. Umgehend legten die Skandinavier Protest ein, dem auch stattgegeben wurde. Noch während die letzten Läufer unterwegs waren, wurden die Teams informiert, dass Norwegen wegen des Defekts am Schießstand 28,4 Sekunden Zeitgutschrift erhalten werde. Exakt die Zeit, die Björndalen für einen Nachlader plus Strafrunde gebraucht hatte.

Diese Nachbesserung führte zu einer Kuriosität. Als Erster durchs Ziel lief Jakov Fak für Slowenien, doch er jubelte nicht, weil er wusste, dass sein Vorsprung nicht ausreichen würde, um den norwegischen Bonus auszugleichen. Auch die Freude des alten und neuen Weltmeisters hielt sich in Grenzen. „Es ist nicht schön, wenn man nicht als Erster ins Ziel kommt und trotzdem gewinnt“, sagte Björndalen.

So gab es bei der Siegerehrung kaum glückliche Gesichter. Und diese Stimmung passte zum Auftakt mit Hindernissen in Ruhpolding. Dabei hatten die Organisatoren allerdings nicht mit den Problemen widerspenstiger Schießscheiben gerechnet, sondern eher das frühlingshafte Wetter gefürchtet. Temperaturen von bis zu zwölf Grad Celsius hatten die Strecke extrem aufgeweicht. Sie sei 20 Zentimeter tief durchnässt gewesen, sagte Rennleiter Norbert Baier. Kurz nach 11 Uhr wurde daher tonnenweise Salz, genauer Brezel-Salz, auf die Loipe gestreut, das dem Schnee Wasser entziehen sollte. Das funktionierte, es gab keine Beschwerden.

Heiko Rehberg 02.03.2012
01.03.2012