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Sportmix Eishockey-Nationalspieler Nikolai Goc: "Jetzt die Russen ärgern"
Sportbuzzer Sportmix Eishockey-Nationalspieler Nikolai Goc: "Jetzt die Russen ärgern"
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10:38 14.05.2010
Von Björn Franz
Auch weiter Grund zu Jubeln? Deutschlands Torwart Dennis Endras.
Auch weiter Grund zu Jubeln? Deutschlands Torwart Dennis Endras. Quelle: apd
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Der Puck trudelte. Geradezu in Zeitlupe rollte er nach einem Schuss von Nikolai Goc in Richtung Torlinie – und wenige Zentimeter darüber hinweg. Zwar schlug der Däne Mikael Boedker die Scheibe noch einmal ins Spielfeld zurück, doch nach Überprüfung der Bilder von der Übertorkamera und der daraus resultierenden kurzen Unsicherheit entschieden die tschechischen Schiedsrichter auf Tor. Es war der erste Länderspieltreffer für den Verteidiger von den Hannover Scorpions. Und es war noch dazu ein ganz wichtiger. Denn Goc’ Tor besiegelte am Mittwochabend vor 18.623 Zuschauern in der ausverkauften Kölner Arena den 3:1 (1:1, 2:0, 0:0)-Sieg der deutschen Nationalmannschaft, die dadurch mit dem Einzug in die Zwischenrunde ihr erstes Ziel bei der Eishockey-Weltmeisterschaft erreicht hat.

Die drei Punkte, die der Gastgeber ebenso wie die Gruppengegner aus Finnland und Dänemark mit in die nächste Runde nimmt, versetzen ihn in eine hervorragende Ausgangposition. Während mit den USA einer der Medaillenfavoriten sensationell in die Abstiegsrunde muss, dürfen die Deutschen nun sogar vom Einzug ins Viertelfinale träumen. Wahrscheinlich würde in der morgen beginnenden Zwischenrunde schon ein Sieg aus den Partien gegen Russland (Sonnabend 20.15, live bei Sport1), Weißrussland und entweder die Slowakei oder Kasachstan genügen, um die Runde der letzten acht zu erreichen, in der das Nationalteam zuletzt vor sieben Jahren unter dem bisherigen Scorpions-Coach Hans Zach stand.

Und die Verwirklichung dieses nächsten Ziels erscheint angesichts der starken Vorstellung gegen das Überraschungsteam aus Dänemark, das zuvor Finnland und die USA geschlagen hatte, keineswegs unwahrscheinlich. Die Deutschen bearbeiteten ihren Kontrahenten von der 1. Minute an mit harten Körperchecks. „Es war unser Plan, die Scheibe immer wieder in die Ecken zu spielen und die Dänen dann zu checken“, verriet Nikolai Goc. „Deren Verteidiger wussten immer schon auf dem Weg Richtung Bande, dass jetzt wieder irgendjemand angeflogen kommt.“

Zwar kassierte die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp durch diese rustikale Spielweise in der Anfangsphase einige Strafzeiten, und die Dänen nutzten eine von zwei Fünf-gegen-drei-Situationen durch Philip Larsen zur 1:0-Führung (4. Minute). Doch spätestens nach dem Ausgleich durch Kapitän Marcel Goc (9.), den in der nordamerikanischen Profiliga NHL bei den Nashville Predators spielenden großen Bruder des Scorpions-Verteidigers, fanden die Deutschen endgültig das richtige Maß gesunder Härte. Durch die Treffer von Felix Schütz (Portland Pirates, 34.) und Nikolai Goc belohnten sie sich – abgesichert vom erneut starken Augsburger Torhüter Dennis Endras – selber.

Nun geht das deutsche Team mit viel Selbstvertrauen in die nächste Runde. „Wenn wir immer über 60 Minuten so weiterspielen, können wir jeden Gegner schlagen“, meinte der 23-jährige Scorpions-Verteidiger. Immerhin stellt der Gastgeber mit nur drei Gegentoren aus drei Spielen hinter der Schweiz die zweitbeste Deckung aller 16 WM-Teilnehmer. Und für die Zwischenrunde erhalten die Deutschen auch noch Verstärkung: Bereits am Donnerstag landete der in der Play-offs der NHL mit den Vancouver Canucks ausgeschiedene Christian Ehrhoff in der Heimat. Heute wird der 27-jährige Verteidiger erstmals mit der Mannschaft trainieren, und speziell in Überzahl dürfte er den Deutschen enorm helfen. Denn darauf, dass Nikolai Goc jetzt in jedem Spiel trifft, sollten sie sich dann doch lieber nicht verlassen.

Nationalspieler Nikolai Goc im Interview

Herr Goc, wie war die erste Nacht nach dem Erreichen der Zwischenrunde?

Nach dem Sieg natürlich sehr gut. Es war ja schließlich ein ganz wichtiger Erfolg für uns.

Haben Sie sich in Gedanken noch einmal Ihr erstes Länderspieltor vor Augen geführt?

Nein, das nicht. Aber ich habe es mir im Hotel noch ein paar Mal im Fernsehen angesehen, weil ich es auf dem Eis ja gar nicht richtig mitbekommen habe. Ich habe einfach nur draufgehalten, gesehen, dass der Torhüter hinter sich gegriffen und der Schiedsrichter Tor angezeigt hat. Da ich ja nicht der Typ bin, der so viele Tore schießt, hat es mich natürlich sehr gefreut. Zumal ja auch noch mein Bruder Marcel getroffen hat – so war es ein echter Goc-Abend.

Wie sehen Sie jetzt die Chancen, 
sogar ins Viertelfinale einzuziehen?

Ich denke, dazu müssen wir auf jeden Fall eine Mannschaft schlagen. Dann haben wir eine große Chance, ins Viertelfinale zu kommen.

In der Zwischenrunde warten jetzt unter anderem die Russen mit ihrem Superstar Alexander Owetschkin. Ist es etwas Besonderes, gegen ihn zu spielen?

Klar. Man bekommt ja nicht oft die Möglichkeit, gegen solche Leute zu anzutreten. Schon gar nicht bei einer WM im eigenen Land. Und wenn wir so weiterspielen wie bisher, dann glaube ich, dass wir auch die Russen ein bisschen ärgern können.

Zuletzt gegen die Dänen haben Sie 
viele Checks ausgeteilt. Owetschkin ist aber schon körperlich eine ganz andere Erscheinung. Werden Sie gegen ihn 
auch so aggressiv spielen?

Mir ist es eigentlich egal, gegen wen ich spiele. Ich versuche immer, meinen Stil zu spielen, und das ist nun einmal das Körperspiel. Gerade gegen die Russen werden wir noch härter agieren müssen als bisher, weil die sich dann vielleicht aufregen und sich vielleicht zu dem einen oder anderen Stockschlag hinreißen lassen. Dann bekommen wir Überzahlchancen, und die müssen wir nutzen.

Vielleicht ja wieder durch ein Tor von 
Ihnen ... Hat Ihnen eigentlich Ihr Bruder Sascha schon zum ersten Länderspieltreffer gratuliert?

Ja. Er hat sich das Spiel im Fernsehen angeschaut, und wir haben kurz nach dem Spiel telefoniert.

Denken Sie, dass er sich jetzt schon Sorgen macht, dass Sie ihn bei den Scorpions als Torjäger ablösen?

(lacht) Nein, das glaube ich allerdings eher nicht.

300 000 Eishockey-Fans bei WM-Vorrundenspielen

Zu den Vorrundenspielen der Eishockey- Weltmeisterschaft sind 300.017 Besucher geströmt. Wie die WM- Organisatoren nach dem Ende der Vorrunde in der Nacht zum Freitag mitteilten, kamen damit im Schnitt 12.505 Fans zu den 24 Partien. Allein das Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und den USA hatte am Freitag voriger Woche die Weltrekord-Kulisse von 77.803 Zuschauern in die Schalke-Arena gelockt.