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Sportmix Ein Flug ins Gefühlshoch mit dem LSV Burgdorf
Sportbuzzer Sportmix Ein Flug ins Gefühlshoch mit dem LSV Burgdorf
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06:16 07.06.2012
ÜBER DEM BODENTEPPICH: Louis Immenroth (vorne) und Fluglehrer Friedrich-Wilhelm Giesecke.
ÜBER DEM BODENTEPPICH: Louis Immenroth (vorne) und Fluglehrer Friedrich-Wilhelm Giesecke. Quelle: Florian Petrow
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Burgdorf

Es konnte ja gar nicht anders kommen. Das Fliegen ist Louis Immenroth schließlich schon in die Wiege gelegt worden. „Die ganze Familie fliegt - mein Opa, mein Onkel, mein Vater. Und jetzt ich.“ Bei dem Satz strahlt der 13-Jährige. Er freut sich, dass er schon in jungen Jahren in die Luft gehen kann - und das mit Erlaubnis. Louis ist Segelflieger beim LSV Burgdorf. Das Besondere: Neben ihm sind mit Nils Grotewold, Dario Engel und Jacqueline Dyna noch drei weitere 13-jährige Nachwuchsflieger am Start, die mit Ausnahmegenehmigungen der Landesluftfahrtbehörde schon vor dem eigentlichen Eintrittsalter (14 Jahre) hoch hinaus dürfen.

Mit Sonnenbrille und Hut sitzt Louis im Flieger, hinter ihm der Fluglehrer Friedrich-Wilhelm Gieseke. Beide sind mit Fallschirmen ausgestattet - denn man weiß ja nie. Sorgfältig überprüft der Lehrling den Flieger, dann geht es los. Ruckartig beschleunigt der Doppelsitzer, an der Winde hängend. Nach wenigen Metern zieht Louis den Steuerknüppel zu sich und der Flieger schießt im steilen Winkel nach oben. Bei 450 Metern Höhe wird das Seil mit einem lauten Knall ausgeklinkt. Danach gleitet das Flugzeug dahin. „Es ist ein tolles Gefühl von Freiheit“, sagt Louis. Er genießt die Ruhe. Nur durch eine kleine Fensteröffnung pfeift der Wind, lästige Motorengeräusche gibt es nicht.

Von Wolke zu Wolke hangelt sich der Flieger voran - quasi in Wellenbewegungen. Die aufsteigende Luft unterhalb der Wolken macht es möglich. Nach 30 Minuten landet Louis wieder. Der Achtklässler der Sophienschule strahlt beim Herausklettern. Macht sich der Schüler Sorgen, dass etwas in der Luft schiefgehen kann? „Man hat leichte Bedenken, aber die sind auch gut. Wenn man keine Angst hat, ist es gefährlich, weil man sich dann alles zutraut“, sagt er und klingt dabei schon wie ein ganz erfahrener Pilot.

Nils befindet sich kurze Zeit später ebenfalls in der Luft. Er bekam von seinen Eltern vor einem Jahr einen Gastflug geschenkt. „Das hat mich gleich begeistert“, erinnert sich der Siebtklässler der Tellkampfschule. 27 Flüge hat er bereits hinter sich. Selbstkritisch sagt er: „Ich kann noch nicht so richtig abschätzen, wie ich die Thermik finde.“ Wenn das mal nicht gelingt, ist ein Flug nach vier oder fünf Minuten bereits wieder beendet. Aber er blieb auch schon bis zu einer Dreiviertelstunde in der Luft. Bei den bisherigen Flügen „hatte ich zweimal etwas Magengrummeln“, sagt er. „Wenn ich selber fliege, wird mir nicht schlecht. Dann weiß ich ja, was passiert.“

Nils findet es super, mit der Winde nach oben gezogen zu werden. „Das ist echt cool. Da wird man richtig in den Sitz gedrückt.“ Louis ergänzt: „Beim Start kribbelt es richtig.“ Die Alternative zum schnellen Aufstieg mit der Winde - von null auf hundert in gerade einmal drei Sekunden - wird von den Segelfliegern nur „F-Schlepp“ genannt. Das „F“ steht dabei für „Flugzeug“. Bedeutet: Eine Propellermaschine zieht einen Segelflieger in die Luft und klinkt diesen dann aus.

Louis und Nils können es kaum noch abwarten, endlich selber einmal zu fliegen. Allerdings müssen sie bis dahin noch etliche Starts unter den Augen der Fluglehrer absolvieren. „Alleine zu fliegen ist toll“, ist Nils überzeugt. Teilweise legen die Piloten mehrere hundert Kilometer zurück - solange die Thermik den Flieger in der Luft hält. Am Pfingstwochenende wurden in 46 Flügen durchschnittlich 444 Kilometer zurückgelegt. „Einer war 9,5 Stunden in der Luft“, sagt LSV-Schriftführer Roland Schoch stolz. In der Bundesliga hievte das den Verein auf Platz zwei, in der Weltrangliste ist es sogar Platz drei.

Wenn es nach Louis und Nils geht, wird es nicht mehr lange dauern, bis diese selber in die Luft gehen und diese Strecken ohne Fluglehrer zurücklegen können.