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19:47 07.06.2012
Von Heiko Rehberg
Was Sepp Herberger konnte, das kann Joachim Löw schon lange. Wie sein berühmter Vorgänger verzichtet der Bundestrainer auf Spieler des aktuellen deutschen Meisters: 1954 war kein 96er (rechtes Bild) dabei, jetzt hat der BVB schlechte Karten. dpa/Archiv
Was Sepp Herberger konnte, das kann Joachim Löw schon lange. Wie sein berühmter Vorgänger verzichtet der Bundestrainer auf Spieler des aktuellen deutschen Meisters: 1954 war kein 96er (rechtes Bild) dabei, jetzt hat der BVB schlechte Karten.dpa/Archiv Quelle: Federico Gambarini
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Michael Zorc, der Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, hat vor wenigen Tagen in einem Interview einen letzten Versuch unternommen, Bundestrainer Joachim Löw wenigstens einen Spieler seines Klubs ans Herz zu legen. „Mats Hummels“, sagte Zorc, „ist der beste Innenverteidiger.“ Wenn nicht alles täuscht, wird für den besten Innenverteidiger in der EM-Startelf der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Portugal aber kein Platz sein, was zu einer ungewöhnlichen Situationen führt.

Am Freitag, beim Turnierauftakt von Polen gegen Griechenland, werden mit Lukasz Piszczek, Jakub Blaszczykowski und Robert Lewandowski drei Dortmunder Profis am Ball sein. Einen Tag später, beim ersten deutschen Spiel, wird keiner vom souveränen Bundesligameister und Pokalsieger beim Anpfiff auf dem Platz stehen. Dafür aber vermutlich sieben Mann vom FC Bayern, der von den Dortmundern zuletzt fünfmal in Folge besiegt wurde. Der BVB ist bei der EM, zumindest im deutschen Team, erst mal Meister im Zuschauen.

Für die Fans in Deutschland ist das Schicksal der Borussen – außerhalb von Dortmund – noch kein Aufregerthema. Mario Götze war zu lange verletzt, Marcel Schmelzer hat im Nationalteam noch keinen guten Auftritt hinbekommen, Ilkay Gündogan spielt großartig, aber zu unauffällig, um viele Fürsprecher zu finden. Und Hummels? Den finden fast alle gut, er hat eine überragende Saison gespielt, aber Löw scheint der gegenüber den Konkurrenten Per Mertesacker und Holger Badstuber riskantere Spielstil nicht ganz geheuer. Der Bundestrainer ahnt aber auch: Hummels ist der Name, den die Medien als Erstes fordern werden, wenn die Abwehr wackelt.

Löw bezieht den 23-Jährigen zwar ausdrücklich mit ein, wenn er sagt: „Ich bin glücklich, dass ich drei so Klasseleute in der Innenverteidigung habe.“ Und Gündogan bescheinigt er ein „gutes Positionsgefühl“. Auf der Stammelf-Rechnung hat er beide jedoch nicht.

Hummels selbst sagt, dass „ich keinen Führungsanspruch hege. Mein Ziel ist es, so viel wie möglich zu spielen.“ Er ist genau wie seine Mitspieler klug genug, um zu wissen, dass jeder forschere Ton kontraproduktiv wäre.

Vielleicht tröstet die Dortmunder ja das Schicksal der Meisterspieler von Hannover 96. Die „Roten“ hatten im Finale 1954 den 1. FC Kaiserslautern mit 5:1 vom Platz gefegt, die halbe Elf der Pfälzer wurde wenig später Weltmeister. Spieler von 96 hatte Bundestrainer Sepp Herberger nicht einmal in den Kader berufen. In dieser Hinsicht ist das Dortmunder Quartett schon einen Schritt weiter. Die besten Chancen, eine größere Rolle zu spielen, scheint derzeit Marco Reus zu besitzen, Löws Überraschungsjoker im Angriff. Reus ist kein Meister und kein Pokalsieger. Aber in der kommenden Saison Dortmunder.

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