Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportmix Deutsche Turner um Hambüchen gewinnen Team-Gold
Sportbuzzer Sportmix Deutsche Turner um Hambüchen gewinnen Team-Gold
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:50 24.04.2010
Die deutschen Turner Fabian Hambüchen (l-r), Marcel Nguyen, Philipp Boy, Matthias Fahrig und Eugen Spiridonov mit ihrem EM-Gold. Quelle: dpa
Anzeige

Philipp Boy ballte beide Fäuste, Matthias Fahrig verneigte sich vor dem Publikum, Fabian Hambüchen bildete mit der deutschen Boy-Group ein Jubel-Knäuel: Erstmals in der 55-jährigen Geschichte von Europameisterschaften haben die deutschen Turner die Team-Entscheidung gewonnen. Das Quintett brillierte am Samstag im Mannschafts-Finale von Birmingham mit beeindruckender Sicherheit, höchsten Schwierigkeiten und gewann mit 266,150 Punkten souverän vor Gastgeber Großbritannien (263,025) und Frankreich (260,100).

Es war überhaupt erst der zweite Mannschaftserfolg deutscher Turner: Den bislang einzigen Triumph hatten die Deutschen bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin gefeiert. „Supergeil. Was morgen passiert, ist jetzt egal. Wichtig ist nur das Heute, wir haben als Mannschaft voll überzeugt: Unglaublich“, meinte Fabian Hambüchen nach seinem insgesamt sechsten Titel begeistert. Am Sonntag hat er noch die große Chance, zum vierten Mal EM-Gold am Reck zu holen.

Anzeige

„Das war der blanke Wahnsinn. Und morgen geht es noch mal richtig rund“, stimmte Fahrig, der am Sonntag noch die Titel am Sprung und Boden gewinnen kann, in den Jubel ein. Sein Cottbuser Teamgefährte Philipp Boy zeigte sich nach seinem ersten Titel fassungslos: „Einen Wettkampf mit 18 Übungen ohne einen einzigen Fehler habe ich noch nie erlebt. Einfach sensationell.“ Für Erfolgs-Trainer Andreas Hirsch war der Team-Titel ein Erfolg härtester Arbeit. „Wir haben uns selbst nicht als Favoriten gesehen. Aber wir hatten die Chance und haben sie genutzt“, sagte der Berliner, der nach dem Triumph jeden Einzelnen seiner fünf Sieger in die Arme genommen hatte.

Sein Team musste im Finale vor nur rund 1000 Zuschauern in der National Indoor Arena an den Ringen beginnen, meisterte diese Aufgabe mit Bravour und punktete wie bei den folgenden Geräten Sprung und Barren sogar noch weit höher als in der Qualifikation am Vortag, als die Deutschen auf Platz zwei hinter Frankreich ihre Möglichkeiten bereits angedeutet hatten. Kein Wunder, dass das Team bereits nach dem zweiten Gerät die Spitzenposition übernahm.

Mit Glanzleistungen bauten die 22-Jährigen Philipp Boy, Marcel Nguyen und Hambüchen am deutschen Lieblingsgerät Reck den Vorsprung auf die Konkurrenz weiter aus. „Da war mir klar: Wir werden es packen“, meinte Boy, der sich mit seinen Kameraden nach jeder gelungenen Übung emotional pushte. Schließlich verteidigten die Deutschen die Top-Position auch am „Zittergerät“ Pauschenpferd, in das die Mannschaft mit einem beruhigenden Vorsprung von 4,725 Punkten gegangen war.

Als Beispiel für den enormen Teamgeist der immer stärker werdenden Truppe sprach, dass Marcel Nguyen am Barren sogar seinen Tsukahara- Abgang riskierte, um die Mannschaft in eine noch bessere Position zu bringen. Mit der Note 14,975 wurde dieses Risiko voll belohnt. Hingegen scheute Leitwolf Hambüchen angesichts des Team-Vorsprungs das letzte Risiko am Boden und am „Königsgerät“, an dem er tags zuvor noch für den Spitzenwert gesorgt hatte.

Die brillante deutsche Boy-Group profitierte beim „Lotterie-Modus“ ohne Streichwert auch von Patzern der härtesten Konkurrenten. So musste Pauschenpferd-Spezialist Daniel Keatings ausgerechnet sein Top-Gerät unfreiwillig verlassen, der Franzose Cyrill Tommasone erlebte einen Einbruch am Barren. Titelverteidiger und Mitfavorit Russland hatte wegen des Flugverbots wegen der Vulkanasche sowie Visa-Problemen auf die Teilnahme verzichten müssen. „Wer nicht zur Geburtstagsfete kommt, kann nicht mit feiern“, meinte Hirsch zur Abwesenheit des Konkurrenten.

dpa